Health-Tech im Aufschwung: 5 Start-ups, die den Klinikalltag revolutionieren

Der europäische Health-Tech-Sektor erlebt eine bemerkenswerte Transformation. Mit 4,3 Milliarden Dollar Funding-Volumen allein im ersten Quartal 2025 zeigt sich die Branche in ihrer stärksten Verfassung seit Jahren. Während frühere Digital-Health-Wellen oft von unrealistischen Versprechungen geprägt waren, konzentrieren sich Investoren heute auf praxisnahe Lösungen, die messbare Verbesserungen im Klinikalltag bringen. Diese Entwicklung markiert einen entscheidenden Wendepunkt: weg von der reinen Digitalisierung um ihrer selbst willen, hin zu durchdachten Technologien, die echte Probleme lösen.

Samuel Gassauer
Samuel Gassauer
28. Juli 202513 min read
Health-Tech im Aufschwung: 5 Start-ups, die den Klinikalltag revolutionieren

Der Paradigmenwechsel im Health-Tech-Sektor

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Europäische Health-Tech-Startups sammelten im ersten Quartal 2025 insgesamt 4,3 Milliarden Dollar ein – ein Anstieg von 65 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Besonders bemerkenswert ist dabei der Anteil KI-getriebener Lösungen, die ca. 25 Prozent des gesamten Funding-Volumens ausmachen. Diese Konzentration zeigt, wo die Prioritäten der Investoren liegen: bei intelligenten Systemen, die den medizinischen Alltag spürbar erleichtern.

Der Wandel zeigt sich auch in der Art der geförderten Projekte. Statt breiter Plattformansätze dominieren spezialisierte Lösungen für konkrete Herausforderungen. Die durchschnittliche Rundengröße stieg auf 27 Millionen Dollar – ein Plus von 85 Prozent gegenüber 2024. Dies deutet auf eine reifere Investorenlandschaft hin, die bereit ist, größere Summen in bewährte Konzepte zu investieren.

Ein weiterer wichtiger Indikator: Europa sichert sich mittlerweile zwischen 17 und 28 Prozent des globalen Health-Tech-Fundings. Diese Entwicklung unterstreicht die wachsende Bedeutung des europäischen Marktes und dessen Attraktivität für internationale Investoren. Besonders deutsche und skandinavische Startups profitieren von diesem Trend, was sich in der geografischen Verteilung der vorgestellten Unternehmen widerspiegelt.

Fünf wegweisende Start-ups im Detail

1. Avelios Medical: Die Neuerfindung des Krankenhausinformationssystems

Das Münchener Startup Avelios Medical hat im Februar 2025 eine beeindruckende 30-Millionen-Euro-Series-A-Runde abgeschlossen, angeführt von niemand Geringerem als Sequoia Capital. Die Beteiligung eines der renommiertesten Venture-Capital-Fonds weltweit unterstreicht das Potenzial der Lösung.

Avelios entwickelt ein Krankenhausinformationssystem (KIS) der nächsten Generation. Anders als bestehende Systeme, die oft auf Jahrzehnte alter Technologie basieren, wurde die Plattform von Grund auf für die Anforderungen moderner, datengetriebener Medizin konzipiert. Das System erfasst strukturierte Daten entlang der gesamten Behandlungskette und ermöglicht so den nahtlosen Einsatz von KI-Anwendungen.

Die modulare Microservice-Architektur erlaubt es Kliniken, das System schrittweise einzuführen oder als Komplettlösung zu implementieren. Dieser flexible Ansatz reduziert das Risiko bei der Umstellung erheblich. Erste Pilotkunden berichten von einer Reduktion der Dokumentationszeit um bis zu 40 Prozent – Zeit, die wieder der Patientenversorgung zugutekommt.

2. Tandem Health: Der KI-Copilot für Ärzte

Mit einer 50-Millionen-Dollar-Series-A-Runde machte Tandem Health im Juni 2025 Schlagzeilen. Das Stockholmer Unternehmen, angeführt vom schwedischen Investor Kinnevik, entwickelt einen KI-gestützten Assistenten, der die Dokumentationslast von Ärzten radikal reduziert.

Die Technologie von Tandem Health funktioniert bemerkenswert vielseitig: ob im direkten Patientengespräch, bei Telefonkonsultationen oder während der Aktendurchsicht – der KI-Copilot generiert automatisch strukturierte klinische Notizen. Das System versteht medizinischen Kontext und erstellt präzise, regelkonforme Dokumentationen.

Der Durchbruch gelang durch eine strategische Partnerschaft mit Accurx, einer britischen Medizinkommunikationsplattform. Dadurch erhalten über 200.000 NHS-Fachkräfte Zugang zu Tandems Technologie. Diese Skalierung zeigt eindrucksvoll, wie Health-Tech-Lösungen von der Pilotphase in die Breitenanwendung gelangen können. Frühe Anwender berichten von Zeiteinsparungen von bis zu zwei Stunden täglich – Zeit, die wieder für die Patientenbetreuung zur Verfügung steht.

3. Symphera: Revolution im Operationssaal

Das Münchener MedTech-Startup Symphera sicherte sich im September 2024 2,4 Millionen Euro Seed-Funding unter der Führung des High-Tech Gründerfonds (HTGF). Die Lösung adressiert ein spezifisches, aber kritisches Problem: den Instrumentenwechsel während laparoskopischer Eingriffe.

Sympheras automatisiertes System ermöglicht Chirurgen, per Knopfdruck zwischen verschiedenen Instrumenten zu wechseln, ohne den Blick vom Operationsfeld nehmen zu müssen. Was simpel klingt, hat weitreichende Auswirkungen: Kürzere Operationszeiten bedeuten geringere Belastungen für Patienten, niedrigere Infektionsrisiken und effizientere Nutzung teurer OP-Kapazitäten.

Die Technologie befindet sich derzeit in der präklinischen Testphase. Erste Simulationen zeigen Zeitersparnisse von bis zu 15 Prozent pro Eingriff. Bei durchschnittlich 17 Millionen laparoskopischen Operationen jährlich in Europa ergibt sich ein enormes Einsparpotenzial. Das Investment wird genutzt, um die Zertifizierungsprozesse voranzutreiben und die Markteinführung vorzubereiten.

4. MDA: Chirurgisches Wissen demokratisieren

Medical Decision Alliance (MDA) aus Leipzig erhielt 3,3 Millionen Euro Seed-Funding, um eine ambitionierte Vision zu verwirklichen: chirurgisches Expertenwissen universell verfügbar zu machen. Das System erfasst und systematisiert die Erfahrungen führender Chirurgen und stellt sie über KI-gestützte Assistenzsysteme in Echtzeit zur Verfügung.

Die Technologie funktioniert wie ein intelligenter Berater im Operationssaal. Basierend auf der aktuellen Situation und den spezifischen Patientendaten liefert das System kontextbezogene Empfehlungen. Dies ist besonders wertvoll bei seltenen oder komplexen Eingriffen, wo selbst erfahrene Chirurgen von zusätzlicher Expertise profitieren.

Mit der Finanzierung plant MDA, sein Team zu verdoppeln und das Netzwerk klinischer Wissensanbieter auszubauen. Erste Partnerkliniken berichten von deutlich gestiegenem Vertrauen bei komplexen Eingriffen. Die Technologie adressiert auch den Fachkräftemangel, indem sie jüngeren Chirurgen ermöglicht, schneller Expertise aufzubauen.

5. Gosta Labs: Die Renaissance der Patientengespräche

Das finnische Startup Gosta Labs sicherte sich im September 2024 1,2 Millionen Euro Pre-Seed-Funding von der Cor Group. Besonders interessant: Die Gründer sind die Macher hinter Kaiku Health, das 2020 erfolgreich an Elekta verkauft wurde. Diese Erfolgsbilanz verschaffte dem neuen Venture sofortiges Vertrauen bei Investoren.

Gosta Labs entwickelt einen KI-Assistenten für "Ambient Clinical Documentation" – die Technologie hört bei Arzt-Patienten-Gesprächen zu und erstellt automatisch strukturierte klinische Notizen. Der Clou: Ärzte können sich vollständig auf das Gespräch konzentrieren, statt parallel am Computer zu tippen.

Das System ist bereits bei den Western Uusimaa Wellbeing Services im Einsatz. Erste Ergebnisse zeigen nicht nur Zeitersparnisse, sondern auch qualitative Verbesserungen: Patienten fühlen sich besser verstanden, wenn Ärzte ungeteilte Aufmerksamkeit schenken können. Die Dokumentationsqualität steigt gleichzeitig durch die strukturierte, vollständige Erfassung aller relevanten Informationen.

Praktischer Nutzen: Wo die Technologien wirklich helfen

Die Dokumentationskrise meistern

Ein zentrales Problem des modernen Gesundheitswesens ist die ausufernde Dokumentationspflicht. Deutsche Ärzte verbringen täglich über drei Stunden mit administrativen Aufgaben – Zeit, die in der Patientenversorgung fehlt. Die vorgestellten Lösungen von Tandem Health und Gosta Labs adressieren dieses Problem direkt.

Die Auswirkungen sind messbar: Tandem Health berichtet von Zeiteinsparungen von bis zu zwei Stunden täglich pro Arzt. Bei 200.000 NHS-Nutzern ergibt das ein Äquivalent von zusätzlichen 50.000 Vollzeitstellen für die Patientenversorgung. Diese Zahlen verdeutlichen das transformative Potenzial intelligenter Dokumentationssysteme.

Wichtig ist dabei die Akzeptanz durch das medizinische Personal. Die Systeme müssen nahtlos in bestehende Arbeitsabläufe integrierbar sein und dürfen keine zusätzliche Komplexität schaffen. Hier zeigt sich der Vorteil von Ambient-Technologien: Sie arbeiten im Hintergrund und erfordern keine Verhaltensänderung der Nutzer.

Operative Exzellenz durch Technologie

Sympheras Ansatz zeigt, wie scheinbar kleine Verbesserungen große Wirkung entfalten können. Die Reduktion der OP-Zeit um 15 Prozent mag moderat erscheinen, doch die kumulativen Effekte sind erheblich: mehr Eingriffe pro Tag, geringere Komplikationsraten, schnellere Genesung der Patienten.

MDAs Wissenssystem geht noch weiter und demokratisiert chirurgische Expertise. In einer Zeit, in der spezialisierte Chirurgen rar sind, ermöglicht die Technologie eine bessere Verteilung von Wissen. Besonders periphere Krankenhäuser profitieren, da sie Zugang zu Expertenwissen erhalten, das sonst nur in Universitätskliniken verfügbar wäre.

Systemische Transformation durch moderne IT

Avelios Medicals Ansatz ist der radikalste: Statt Pflaster auf alte Systeme zu kleben, wird die IT-Infrastruktur von Grund auf neu gedacht. Die Investition von Sequoia Capital signalisiert, dass auch internationale Top-Investoren an diese Vision glauben.

Die modulare Architektur erlaubt es Kliniken, schrittweise zu modernisieren. Dies reduziert das Risiko und ermöglicht es, früh Mehrwert zu generieren. Die strukturierte Datenerfassung schafft zudem die Grundlage für zukünftige KI-Anwendungen – ein Aspekt, der in den kommenden Jahren noch wichtiger werden wird.

Die Investorenlandschaft: Wer treibt die Innovation?

Internationale Schwergewichte engagieren sich

Die Beteiligung von Sequoia Capital bei Avelios Medical markiert einen Wendepunkt. Wenn einer der erfolgreichsten VC-Fonds der Welt in europäische Health-Tech investiert, sendet das ein starkes Signal an den Markt. Es zeigt, dass europäische Startups nicht mehr nur regional, sondern global konkurrenzfähig sind.

Kinnevik, der schwedische Investor hinter Tandem Health, bringt jahrzehntelange Erfahrung in der Skalierung von Technologieunternehmen mit. Diese Expertise ist entscheidend, wenn es darum geht, von erfolgreichen Pilotprojekten zu flächendeckenden Implementierungen zu gelangen.

Deutsche Förderung als Katalysator

Der High-Tech Gründerfonds (HTGF) spielt eine Schlüsselrolle im deutschen Health-Tech-Ökosystem. Mit Investments in Symphera und MDA zeigt der staatlich unterstützte Fonds, dass Deutschland die Bedeutung des Sektors erkannt hat. Die Kombination aus öffentlicher Förderung und privatem Kapital schafft optimale Bedingungen für Innovation.

Bayern Kapital und andere regionale Investoren ergänzen das Bild. Sie bringen nicht nur Kapital, sondern auch lokale Netzwerke und Marktkenntnisse ein. Diese Mischung aus internationalen und regionalen Investoren schafft ein robustes Fundament für nachhaltiges Wachstum.

Der Trend zu größeren Runden

Die durchschnittliche Rundengröße von 27 Millionen Dollar zeigt eine Professionalisierung des Marktes. Investoren sind bereit, größere Summen zu investieren, erwarten dafür aber auch ausgereifte Geschäftsmodelle und nachweisbare Traktion. Dies führt zu einer natürlichen Selektion: Nur Startups mit echtem Mehrwert erhalten Finanzierung.

Erfolgsfaktoren: Was Health-Tech-Investments attraktiv macht

Klarer ROI und messbare Verbesserungen

Erfolgreiche Health-Tech-Startups zeichnen sich durch einen klaren Return on Investment aus. Tandem Healths Zeitersparnis von zwei Stunden täglich lässt sich direkt in Geldwert übersetzen. Sympheras kürzere OP-Zeiten bedeuten mehr Eingriffe und höhere Erlöse. Diese Quantifizierbarkeit macht die Investitionsentscheidung für Kliniken einfacher.

Nahtlose Integration in bestehende Abläufe

Die vorgestellten Lösungen zeichnen sich dadurch aus, dass sie bestehende Prozesse verbessern, statt sie komplett umzukrempeln. Gosta Labs' Ambient Documentation fügt sich nahtlos in Arztgespräche ein. Sympheras System erweitert bestehende OP-Ausstattung. Diese evolutionäre statt revolutionäre Herangehensweise erhöht die Akzeptanz.

Skalierbarkeit als Schlüssel

Tandems Partnerschaft mit Accurx zeigt beispielhaft, wie Skalierung funktioniert. Statt mühsam einzelne Kunden zu akquirieren, ermöglicht die Kooperation sofortigen Zugang zu 200.000 Nutzern. Solche strategischen Partnerschaften sind oft der Schlüssel zum Durchbruch.

Herausforderungen und Risiken

Regulatorische Hürden

Die Medizinbranche ist hochreguliert – aus gutem Grund. Neue Technologien müssen umfangreiche Zertifizierungsprozesse durchlaufen. Dies verzögert die Markteinführung und erhöht die Kosten. Symphera befindet sich beispielsweise noch in der präklinischen Phase, obwohl die Technologie bereits funktioniert.

Datenschutz und Vertrauen

Besonders KI-basierte Systeme, die mit sensiblen Patientendaten arbeiten, müssen höchste Datenschutzstandards erfüllen. Die DSGVO setzt hier strenge Maßstäbe. Gleichzeitig müssen die Systeme das Vertrauen des medizinischen Personals gewinnen – keine leichte Aufgabe in einer traditionell konservativen Branche.

Der Faktor Mensch

Technologie allein löst keine Probleme. Die beste KI-Dokumentation nützt nichts, wenn Ärzte ihr misstrauen. Die erfolgreichsten Startups investieren daher erheblich in Schulung und Change Management. Sie verstehen, dass Technologie-Adoption ein menschlicher Prozess ist.

Marktausblick: Wohin entwickelt sich Health-Tech?

Von der Einzellösung zur Plattform

Während aktuelle Investments oft spezialisierte Einzellösungen fördern, zeichnet sich bereits der nächste Trend ab: die Integration verschiedener Technologien zu umfassenden Plattformen. Avelios Medical macht es vor – ihr KIS ist von Anfang an als Plattform für verschiedene Anwendungen konzipiert.

KI als Enabler, nicht als Selbstzweck

Die Dominanz KI-getriebener Lösungen im Funding zeigt, wohin die Reise geht. Doch erfolgreiche Startups verstehen KI als Werkzeug, nicht als Verkaufsargument. Der Fokus liegt auf dem Nutzen – dass KI dahintersteckt, ist für Anwender zweitrangig.

Internationale Expansion als Wachstumstreiber

Europäische Health-Tech-Startups denken zunehmend global. Die erfolgreichen Exits von Kaiku Health und Luscii zeigen, dass internationale Käufer bereit sind, für bewährte Technologien zu zahlen. Dies motiviert Gründer und Investoren gleichermaßen.

Was Privatanleger wissen sollten

Der Health-Tech-Boom bietet auch für Privatanleger interessante Perspektiven. Während Direktinvestments in einzelne Startups meist institutionellen Investoren vorbehalten bleiben, ermöglichen Venture Capital Dachfonds einen diversifizierten Zugang zu diesem Wachstumsmarkt.

Die Renditeerwartungen im Venture Capital liegen deutlich über traditionellen Anlageklassen. Gleichzeitig bietet die Streuung über verschiedene Fonds und Startups Risikominimierung. Besonders interessant: Europäische Startups zeigen zunehmend vergleichbare Erfolgsquoten wie ihre US-Pendants.

Für Anleger, die gezielt in Zukunftstechnologien investieren möchten, bietet der Health-Tech-Sektor besondere Chancen. Die Kombination aus demografischem Wandel, technologischem Fortschritt und nachgewiesenem Bedarf schafft ein robustes Investmentumfeld. Alternative Anlagemöglichkeiten in diesem Bereich werden daher zunehmend attraktiver.

Fazit: Evolution statt Revolution

Der europäische Health-Tech-Sektor hat seine Experimentierphase hinter sich gelassen. Die hier vorgestellten Startups – Avelios Medical, Tandem Health, Symphera, MDA und Gosta Labs – stehen exemplarisch für eine neue Generation von Unternehmen, die echte Probleme mit ausgereiften Technologien lösen.

Der Fokus hat sich verschoben: weg von disruptiven Moonshots hin zu praktischen Verbesserungen des Klinikalltags. Diese Evolution mag weniger spektakulär erscheinen als frühere Digital-Health-Visionen, doch sie ist nachhaltiger und erfolgversprechender.

Mit 4,3 Milliarden Dollar Funding im ersten Quartal 2025 sendet der Markt ein klares Signal: Health-Tech ist erwachsen geworden. Für Kliniken bedeutet das bessere Werkzeuge zur Bewältigung ihrer Herausforderungen. Für Patienten bedeutet es bessere Versorgung. Und für Investoren bedeutet es attraktive Renditechancen in einem wachsenden Markt.

Die Revolution im Gesundheitswesen kommt nicht mit einem großen Knall, sondern in Form vieler kleiner, aber bedeutsamer Verbesserungen. Die hier vorgestellten Startups sind die Vorreiter dieser stillen Transformation – und sie sind erst der Anfang.

Häufige Fragen (FAQ)

Welche Health-Tech-Bereiche erhalten aktuell die meisten Investments?

KI-gestützte Lösungen dominieren mit über 60 Prozent des Funding-Volumens. Besonders gefragt sind Technologien zur Dokumentationsautomatisierung, intelligente Assistenzsysteme für medizinisches Personal und Plattformen zur Prozessoptimierung in Kliniken. Diese Bereiche versprechen messbare Effizienzsteigerungen und schnellen ROI.

Wie unterscheiden sich europäische Health-Tech-Startups von US-Konkurrenten?

Europäische Startups fokussieren sich stärker auf die Integration in bestehende Gesundheitssysteme und die Einhaltung strenger Datenschutzstandards. Während US-Startups oft disruptive Ansätze verfolgen, setzen europäische Unternehmen auf evolutionäre Verbesserungen und enge Zusammenarbeit mit etablierten Gesundheitsdienstleistern.

Welche Rolle spielen Ärzte als Investoren im Health-Tech-Sektor?

Ärzte werden zunehmend zu wichtigen Investoren und Validatoren. Ihre Branchenkenntnisse ermöglichen bessere Bewertungen der praktischen Anwendbarkeit. Netzwerke wie Angels Santé verbinden medizinische Expertise mit Kapital. Viele erfolgreiche Health-Tech-Gründungen haben Ärzte als Mitgründer oder frühe Investoren.

Wie lange dauert es durchschnittlich von der Gründung bis zum Exit?

Im Health-Tech-Sektor liegt die durchschnittliche Zeit bis zum Exit bei 7-10 Jahren. Regulatorische Anforderungen und längere Adoptionszyklen im Gesundheitswesen verlängern die Timeline gegenüber anderen Tech-Sektoren. Erfolgreiche Exits wie Kaiku Health (gegründet 2012, Exit 2020) bestätigen diese Zeiträume.

Können Privatanleger in Health-Tech-Startups investieren?

Direktinvestments sind meist ab 200.000 Euro möglich und damit für viele Privatanleger unzugänglich. VC-Dachfonds bieten jedoch Zugang ab 10.000 Euro. Diese ermöglichen diversifizierte Investments in verschiedene Health-Tech-Startups und reduzieren das Einzelrisiko erheblich.

Welche regulatorischen Hürden müssen Health-Tech-Startups überwinden?

Je nach Produkt müssen CE-Kennzeichnung, MDR-Konformität oder Zulassung als Medizinprodukt erreicht werden. Datenschutz nach DSGVO ist obligatorisch. KI-basierte Diagnosetools unterliegen besonders strengen Auflagen. Die Zertifizierungsprozesse dauern typischerweise 12-24 Monate und kosten mehrere Millionen Euro.

Wie hoch sind die Erfolgsquoten bei Health-Tech-Investments?

Etwa 20-30 Prozent der Health-Tech-Startups erreichen profitables Wachstum oder erfolgreiche Exits. Die Erfolgsquote liegt damit über dem Durchschnitt anderer Sektoren, was auf die gründlichere Validierung und höheren Markteintrittsbarrieren zurückzuführen ist. Top-Quartil VC-Fonds im Health-Tech erreichen IRRs von 15-25 Prozent.

Welche Trends werden den Health-Tech-Markt 2025/2026 prägen?

Haupttrends sind die Integration verschiedener Punktlösungen zu Plattformen, verstärkte Nutzung von Real-World-Evidence, personalisierte Medizin durch KI und die Expansion in den ambulanten Sektor. Auch die Kombination von Hardware und Software (wie bei Symphera) wird zunehmen. Remote-Monitoring-Lösungen bleiben weiter im Fokus.

Quellen

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SiliconANGLE. (2025, 30. Juni). AI startup Tandem Health raises $50M to reduce notetaking burden for European doctors. https://siliconangle.com/2025/06/30/ai-startup-tandem-health-raises-50m-reduce-notetaking-burden-european-doctors/

High-Tech Gründerfonds. (2024). HTGF Seed Symphera. https://www.htgf.de/en/htgf-seed-symphera/

EU-Startups. (2024, September). Munich-based MedTech Symphera secures €2.4 million to streamline surgical procedures. https://eu-startups.com/2024/09/munich-based-medtech-symphera-secures-e2-4-million-to-streamline-surgical-procedures/

TechFundingNews. (2024). Surgery gets smarter: Germany's MDA nabs €3.3M to make robots think like surgeons. https://techfundingnews.com/surgery-gets-smarter-germanys-mda-nabs-e3-3m-to-make-robots-think-like-surgeons/

BeBeez. (2024, 16. September). Finnish startup lands €1.2M pre-seed funding to reduce healthcare documentation time. https://bebeez.eu/2024/09/16/finnish-startup-lands-e1-2m-pre-seed-funding-to-reduce-healthcare-documentation-time/

Elekta. (2020). Acquisition of Kaiku Health strengthens Elekta digital offering with personalized digital health interventions. https://ir.elekta.com/investors/press-releases/2020/acquisition-of-kaiku-health-strengthens-elekta-digital-offering-with-personalized-digital-health-interventions/

OMRON Healthcare. (2024). OMRON Healthcare acquires Luscii Healthtech. https://healthcare.omron.com/news-media/press-release/56/omron-healthcare-acquires-luscii-healthtech

Healthcare Digital. (2025). European HealthTech digital health and healthcare AI exits in 2025: A mid-year analysis and outlook. https://www.healthcare.digital/single-post/european-healthtech-digital-health-and-healthcare-ai-exits-in-2025-a-mid-year-analysis-and-outlook

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EISMEA Partner Services. (o.D.). Angels Santé. https://partnerservices.eismea.eu/partner/angels-sante