Startup-Investor im Weißkittel: So steigen Sie ab 10 Tausend € in Start-ups ein

Der Alltag im Krankenhaus oder in der Praxis ist fordernd genug – warum sollten sich Mediziner zusätzlich mit Startup-Investments beschäftigen? Die Antwort liegt in einer einzigartigen Kombination aus Fachwissen, Kapitalkraft und Zukunftspotenzial. Während deutsche Privatanleger laut Bundesbank (2024) noch immer große Teile ihres Vermögens auf Sparkonten parken, revolutionieren digitale Gesundheitslösungen gerade die Medizin. Ärztinnen und Ärzte stehen an der Schnittstelle dieser Transformation – und können davon doppelt profitieren: als Anwender innovativer Technologien und als Investoren in die Medizin von morgen.

Johannes Fiegenbaum
Johannes Fiegenbaum
28. Juli 202515 min read
Startup-Investor im Weißkittel: So steigen Sie ab 10 Tausend € in Start-ups ein

Warum Mediziner prädestinierte Startup-Investoren sind

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Über 10.900 Business Angels sind laut dem aktuellen Business Angel Report in Deutschland aktiv, Tendenz steigend (Business Angels Netzwerk Deutschland e.V., 2023). Darunter finden sich zunehmend Mediziner, die ihre besonderen Stärken gezielt einsetzen. Diese Entwicklung kommt nicht von ungefähr.

Ärzte bringen drei entscheidende Voraussetzungen mit, die sie zu idealen Startup-Investoren machen. Erstens sind sie es aus ihrem Berufsalltag gewohnt, komplexe Sachverhalte schnell zu durchdringen und evidenzbasierte Entscheidungen unter Unsicherheit zu treffen – genau die Fähigkeiten, die auch bei der Bewertung von Startups gefragt sind. Zweitens verfügen sie über überdurchschnittliche Einkommen und damit über das notwendige Kapital für Investments. Drittens – und das ist der entscheidende Vorteil – besitzen sie tiefes Domänenwissen in einem der dynamischsten Wachstumsmärkte überhaupt.

Der Gesundheitssektor erlebt gerade eine fundamentale Disruption. Künstliche Intelligenz revolutioniert die Diagnostik, Telemedizin überwindet geografische Barrieren, und personalisierte Therapien versprechen Behandlungserfolge, die vor wenigen Jahren undenkbar waren. Wer könnte besser beurteilen, welche dieser Innovationen wirklich Potenzial hat, als jemand, der täglich mit den Limitationen des aktuellen Systems konfrontiert ist?

Ein Blick auf die Portfolioverteilung professioneller Anleger unterstreicht das Potenzial: Während deutsche Privatanleger nur 3 Prozent durchschnittliche Rendite mit ihrem konservativen Mix erzielen, allokieren Family Offices laut einer Studie der Silicon Valley Bank (2022) durchschnittlich 11 Prozent ihres Portfolios in Venture Capital – und erzielen damit langfristig Renditen von durchschnittlich 11 Prozent per annum.

Die drei Hauptwege: Vom Kleininvestor zum professionellen Angel

Weg 1: Crowdinvesting – Der niedrigschwellige Einstieg

Für Mediziner, die erste Erfahrungen sammeln möchten, bietet Crowdinvesting den einfachsten Einstieg. Plattformen wie Seedmatch, Companisto oder FunderNation ermöglichen Investments bereits ab 250 Euro (DFPA, 2024). Der Prozess ist vollständig digitalisiert: Nach einer kurzen Registrierung können Sie Projekte durchstöbern, Businesspläne studieren und mit wenigen Klicks investieren.

Das Kleinanlegerschutzgesetz setzt dabei klare Grenzen: Maximal 10.000 Euro dürfen pro Projekt investiert werden, ab 1.000 Euro ist eine Selbstauskunft über die Vermögensverhältnisse erforderlich (Invesdor, 2024). Diese Beschränkungen mögen auf den ersten Blick hinderlich erscheinen, schützen aber gerade Einsteiger vor zu großen Einzelrisiken.

Die Vorteile liegen auf der Hand: minimaler Kapitaleinsatz, kein Zeitaufwand für Due Diligence oder Betreuung, transparente Projektdarstellung. Allerdings erkauft man sich diese Einfachheit mit Nachteilen: meist nur nachrangige Beteiligungen, keine Mitspracherechte und statistisch höhere Ausfallquoten als bei professionellen VC-Investments.

Weg 2: Direktinvestment als Business Angel – Die Königsdisziplin

Wer über ausreichend Kapital und Zeit verfügt, kann den klassischen Weg des Business Angels einschlagen. Die Median-Ticketgröße liegt in Deutschland bei 50.000 Euro pro Investment (Sparkasse, 2024). Doch Vorsicht: Mit einer einzelnen Beteiligung ist es nicht getan. Experten empfehlen ein Portfolio von mindestens 15 bis 20 Startups, um statistisch gesehen einen "Outlier" zu treffen – jenes eine Investment, das die Verluste der anderen mehr als ausgleicht (Deutsche Startups, 2024).

Der Kapitalbedarf summiert sich damit schnell auf 750.000 bis eine Million Euro. Hinzu kommt der Zeitaufwand: Rechnen Sie mit mindestens 10 bis 15 Stunden monatlich für Due Diligence, Board-Meetings und Mentoring. Dafür erhalten Sie direkten Einfluss auf die Unternehmensentwicklung, Zugang zu exklusiven Deals und die Chance auf spektakuläre Renditen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt: Follow-on-Investments. Erfolgreiche Startups durchlaufen mehrere Finanzierungsrunden. Wer nicht nachziehen kann, wird verwässert. Experten raten daher, mindestens 50 Prozent des Initial-Budgets für Folgeinvestments zu reservieren (Business Insider, 2024).

Weg 3: VC-Dachfonds – Die intelligente Alternative

Hier liegt die eigentliche Innovation für Privatanleger: Moderne Venture Capital Dachfonds demokratisieren den Zugang zu professionellem Wagniskapital. Diese Fonds investieren nicht direkt in Startups, sondern in etablierte VC-Fonds, die wiederum in aussichtsreiche Jungunternehmen investieren.

Ein konkretes Beispiel ist der iVC Venture Innovation Fund, der als erster BaFin-zugelassener VC-Dachfonds speziell für Privatanleger konzipiert wurde. Mit einer Mindestanlage von nur 10.000 Euro ermöglicht er Zugang zu einem Portfolio, das über 10-15 professionelle VC-Fonds in mehr als 200 Startups streut (Business Insider, 2024).

Die Vorteile sind überzeugend: professionelles Fondsmanagement, extreme Diversifikation, Zugang zu Top-Tier-VC-Fonds, die sonst nur institutionellen Anlegern offenstehen, minimaler Zeitaufwand und regelmäßige Reportings. Die Kosten liegen mit 1,19 Prozent jährlicher Verwaltungsgebühr plus Performance Fee im marktüblichen Rahmen. Der Nachteil: Sie haben keinen direkten Einfluss auf Einzelinvestments und müssen sich auf eine Kapitalbindung von 8 bis 12 Jahren einstellen.

Due Diligence für Mediziner: Die fünf entscheidenden Prüfkriterien

Unabhängig vom gewählten Investmentweg gilt: Eine systematische Prüfung ist unerlässlich. Als Mediziner sind Sie es gewohnt, Diagnosen auf Basis von Evidenz zu stellen – genau diese Herangehensweise sollten Sie auch bei Startup-Investments anwenden.

1. Das Team – Der wichtigste Erfolgsfaktor

Studien zeigen eindeutig: 23 Prozent aller Startup-Pleiten sind auf Teamversagen zurückzuführen (ACEF, 2024). Bei Ihrer Prüfung sollten Sie daher besonders auf folgende Punkte achten: Verfügt das Gründerteam über relevante Branchenerfahrung? Wie ist die Kompetenzverteilung zwischen technischen und betriebswirtschaftlichen Fähigkeiten? Bei HealthTech-Startups ist entscheidend: Gibt es mindestens einen Gründer mit medizinischem Hintergrund oder ein kompetentes Medical Advisory Board?

Achten Sie auch auf die Teamdynamik. Kennen sich die Gründer schon länger? Haben sie bereits gemeinsam Herausforderungen gemeistert? Ein eingespieltes Team übersteht Krisen besser als eine Zweckgemeinschaft.

2. Marktgröße und echter Bedarf

Viele medizinische Innovationen scheitern an zu spezifischen oder zu kleinen Zielmärkten (Enterprise Angels, 2024). Der Total Addressable Market (TAM) sollte mindestens im dreistelligen Millionenbereich liegen. Noch wichtiger: Gibt es evidenzbasierte Daten zum tatsächlichen Bedarf? Hier können Sie als Mediziner Ihre Expertise voll ausspielen. Fragen Sie sich: Würde ich diese Lösung in meiner Praxis einsetzen? Würden meine Kollegen dafür bezahlen?

3. Produkt-Reife und Schutzrechte

Im Medizinbereich sind regulatorische Hürden oft die größte Herausforderung. Prüfen Sie genau: In welchem Stadium befindet sich das Produkt? Welche Zulassungen sind bereits vorhanden, welche stehen noch aus? Bei Medizinprodukten ist die MDR/IVDR-Compliance entscheidend. Auch Patente spielen eine wichtige Rolle – sie können den Unternehmenswert erheblich steigern und vor Nachahmern schützen (FasterCapital, 2024).

4. Finanzkennzahlen und Nachhaltigkeit

Die Burn Rate – also der monatliche Geldverbrauch – sollte eine Runway von mindestens 18 Monaten ermöglichen. Das gibt dem Startup genug Zeit für die nächste Finanzierungsrunde und verhindert Notverkäufe zu schlechten Konditionen. Achten Sie auch auf die Unit Economics: Verdient das Unternehmen an jedem Kunden, oder hofft es nur auf Skaleneffekte?

5. Exit-Strategie und Cap Table

Eine saubere Eigentümerstruktur und realistische Exit-Szenarien sind essentiell für Ihre spätere Rendite. Prüfen Sie: Wie sind die Anteile verteilt? Gibt es Liquidationspräferenzen, die andere Investoren bevorzugen? Welche Exit-Strategie verfolgt das Unternehmen – IPO, Trade Sale oder Secondary? Achten Sie besonders auf Verwässerungsschutz-Klauseln (Angel Investment Network, 2024).

Typische Fehler – und wie Sie diese vermeiden

Der Klassiker: Zu wenig Diversifikation

Die Statistik ist gnadenlos: Nur eines von zehn Startup-Investments wird zum echten Erfolg. Mit weniger als 15 Investments sinkt die Wahrscheinlichkeit drastisch, diesen einen Treffer zu landen. Die Lösung: Entweder Sie planen von Anfang an ein ausreichend großes Portfolio, oder Sie nutzen die Diversifikation professioneller Fonds. Der iVC Venture Innovation Fund beispielsweise streut über mehr als 200 Startups – eine Diversifikation, die Einzelanleger niemals erreichen könnten.

Die Verwässerungsfalle

Ein häufig unterschätzter Punkt: Erfolgreiche Startups benötigen mehrere Finanzierungsrunden. Wer kein Geld für Follow-on-Investments reserviert hat, sieht seine Anteile schrumpfen. Ein anfänglicher 10-Prozent-Anteil kann ohne Nachfinanzierung schnell auf unter 3 Prozent fallen. Die Lösung ist simpel: Reservieren Sie von Anfang an 50 Prozent Ihres Budgets für Folgeinvestments.

Emotionale Entscheidungen

Der befreundete Kollege mit der "revolutionären App" ist selten das beste Investment. Freundschaft und Geschäft zu vermischen, führt meist zu suboptimalen Entscheidungen und belasteten Beziehungen. Behandeln Sie jedes Investment professionell und halten Sie sich strikt an Ihre Due-Diligence-Checkliste.

Zeitaufwand unterschätzen

Viele Ärzte überschätzen ihre zeitlichen Kapazitäten. Zwischen Praxisalltag, Bereitschaftsdiensten und Familie bleibt wenig Raum für intensive Startup-Betreuung. Seien Sie ehrlich zu sich selbst: Haben Sie wirklich 10-15 Stunden monatlich für Angel-Aktivitäten? Falls nicht, sind Fondslösungen oder Crowdinvesting die bessere Wahl.

Der regulatorische Rahmen: Sicher durch den Paragrafendschungel

INVEST-Zuschuss – Der Staat als Co-Investor

Eine der attraktivsten Förderungen für Startup-Investoren ist der INVEST-Zuschuss. Seit März 2024 gelten verbesserte Konditionen: 15 Prozent Erwerbszuschuss auf die Investitionssumme plus 25 Prozent Exit-Bonus auf realisierte Gewinne (IHK Halle, 2024).

Konkret bedeutet das: Bei einem Investment von 20.000 Euro erhalten Sie 3.000 Euro vom Staat dazu. Verkaufen Sie später mit 100.000 Euro Gewinn, kommen weitere 25.000 Euro Bonus obendrauf. Das persönliche Förderbudget liegt bei 100.000 Euro bis 2026. Wichtig: Der Antrag muss VOR dem Investment gestellt werden, das Startup muss bestimmte Kriterien erfüllen (maximal 7 Jahre alt, innovatives Geschäftsmodell), und die Mindesthaltedauer beträgt 3 Jahre.

Steuerliche Aspekte

Gewinne aus Startup-Investments unterliegen grundsätzlich der Abgeltungssteuer von 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag. Eine wichtige Ausnahme: Bei Beteiligungen unter 1 Prozent greift nach einjähriger Haltefrist die Steuerfreiheit für Veräußerungsgewinne. Verluste können mit anderen positiven Kapitalerträgen verrechnet werden. Die konkrete steuerliche Gestaltung hängt von Ihrer individuellen Situation ab – lassen Sie sich hier unbedingt von Ihrem Steuerberater beraten.

Rechtssicherheit durch Standards

Das Business Angels Netzwerk Deutschland hat mit den GESSI-Verträgen Standards geschaffen, die beiden Seiten Sicherheit geben (BAND, 2024). Diese Musterverträge regeln die wichtigsten Punkte wie Informationsrechte, Mitverkaufsrechte und Verwässerungsschutz. Dennoch gilt: Bei größeren Investments lohnt sich die Prüfung durch einen spezialisierten Anwalt.

Erfolgsgeschichte: Der Weg vom Arzt zum erfolgreichen Investor

Die Geschichte von Prof. Dr. Reinhard Meier zeigt exemplarisch, wie der Übergang vom Mediziner zum erfolgreichen Startup-Investor gelingen kann. 2015 wagte er mit einem fünfstelligen Betrag sein erstes Investment in TeleClinic, eine Plattform für digitale Arztkonsultationen. Was als Experiment begann, entwickelte sich zum Lehrbuchbeispiel eines erfolgreichen Exits: 2020 übernahm DocMorris die Plattform für 43,5 Millionen Euro. Meiers Anteil vervielfachte sich um den Faktor 12 (Deutsche Startups, 2021).

Doch statt sich auf diesem Erfolg auszuruhen, professionalisierte Meier sein Engagement. 2022 gründete er YZR Capital, einen auf Digital Health spezialisierten VC-Fonds mit 100 Millionen Euro Zielvolumen. Das Portfolio umfasst heute über 30 Startups, darunter Erfolgsgeschichten wie Smart Reporting, das 2024 eine 23-Millionen-Finanzierungsrunde abschloss (Business Insider, 2024).

Seine Erfolgsfaktoren: konsequenter Fokus auf HealthTech, wo er sein Domänenwissen ausspielen kann, frühe Portfolio-Diversifikation, professionelle Strukturen von Anfang an, und klare vertragliche Vereinbarungen zu Exit-Rechten. "Als Arzt verstehe ich die Pain Points im Gesundheitswesen. Das hilft enorm bei der Bewertung von Geschäftsmodellen", erklärt Meier in einem Interview (YouTube, 2024).

Praktische Plattformen und Netzwerke

Business Angel Netzwerke

Das BAND (Business Angels Netzwerk Deutschland e.V.) fungiert als Dachverband mit über 40 regionalen Netzwerken. Besonders aktiv sind die Business Angels FrankfurtRheinMain, München, Stuttgart und Berlin. Speziell für Mediziner interessant: Angels for Health fokussiert sich auf Gesundheitsinvestitionen (IHK Rhein-Neckar, 2024).

Die wichtigsten Crowdinvesting-Plattformen

Seedmatch: Deutschlands Pionier, Mindestinvestment 250 Euro, keine Anlegergebühren, Fokus auf Tech-Startups und skalierbare Geschäftsmodelle (Für-Gründer.de, 2024).

Companisto: Ebenfalls ab 250 Euro, interessanter Mix aus Eigenkapital- und Mezzanine-Beteiligungen, breites Branchenspektrum inklusive HealthTech (Für-Gründer.de, 2024).

FunderNation: Spezialisiert auf Impact Investments und Female Founders, ab 100 Euro Mindestbeteiligung.

Invesdor: Pan-europäische Plattform mit ECSPR-Lizenz, ermöglicht grenzüberschreitende Investments, 1 Prozent Gebühr für Anleger.

Der konkrete 12-Monats-Fahrplan

Monate 1-2: Wissensbasis schaffen

  • Lesen Sie Standardwerke wie "Angel Investing" von David S. Rose

  • Analysieren Sie Ihr Vermögen und definieren Sie maximal 10 Prozent als Risikokapital

  • Registrieren Sie sich für den INVEST-Zuschuss beim BAFA

  • Abonnieren Sie Newsletter von Deutsche Startups und Gründerszene

Monate 3-4: Netzwerk aufbauen

  • Besuchen Sie ein BAND-Webinar oder lokale Pitch-Events

  • Treten Sie LinkedIn-Gruppen wie "Physicians as Investors" bei

  • Knüpfen Sie erste Kontakte zu anderen Mediziner-Investoren

  • Erstellen Sie Profile auf relevanten Plattformen

Monate 5-6: Learning by Observing

  • Analysieren Sie mindestens 10 Pitch-Decks von verschiedenen Events

  • Führen Sie für 3 Projekte eine komplette Due-Diligence durch

  • Verfolgen Sie 2-3 Crowdinvesting-Kampagnen von Anfang bis Ende

  • Dokumentieren Sie Ihre Erkenntnisse strukturiert

Monate 7-8: Erste Investments

  • Option A: Ein kleines Angel-Investment (20.000-50.000 Euro) im Syndikat

  • Option B: Eine Dachfonds-Beteiligung (10.000-25.000 Euro)

  • Option C: 3-5 Crowdinvesting-Projekte (je 500-2.000 Euro)

  • Beantragen Sie den INVEST-Zuschuss für qualifizierte Investments

Monate 9-10: Portfolio Management

  • Etablieren Sie ein Tracking-System für Ihre Investments

  • Nehmen Sie an Investoren-Updates und virtuellen Meetings teil

  • Bauen Sie Ihre Follow-on-Reserve auf einem separaten Konto auf

  • Evaluieren Sie erste Learnings aus den Investments

Monate 11-12: Strategie verfeinern

  • Führen Sie eine ehrliche Zwischenbilanz durch

  • Identifizieren Sie Ihre Stärken (z.B. bestimmte Bereiche in HealthTech)

  • Planen Sie das Portfolio für Jahr 2

  • Besuchen Sie eine große Konferenz wie den BAND Summit

Zukunftsperspektive: Warum jetzt der richtige Zeitpunkt ist

Die europäische Startup-Landschaft befindet sich in einer Reifephase, die ideale Bedingungen für Neueinsteiger schafft. 2024 flossen über 75 Milliarden USD in europäische Wagniskapitalfinanzierungen. Gleichzeitig öffnet sich der Markt durch neue Regularien wie die ELTIF-Verordnung weiter für Privatanleger.

Drei Megatrends schaffen besondere Chancen für medizinisch versierte Investoren:

Demografischer Wandel: Die alternde Gesellschaft treibt Innovationen in Bereichen wie Digital Health, Pflege-Robotik und Präventivmedizin.

KI-Revolution: Künstliche Intelligenz transformiert Diagnostik, Medikamentenentwicklung und personalisierte Therapien fundamental.

Nachhaltigkeitsimperativ: ESG-konforme Investments werden zur Norm, Health-Tech-Lösungen profitieren von diesem Trend.

Die Renditeerwartungen sind dabei durchaus attraktiv: Professionelle VC-Fonds streben einen internen Zinsfuß von 15-25 Prozent an. Top-Quartil-Fonds erreichen sogar über 30 Prozent. Das übertrifft langfristig deutlich die Performance traditioneller Anlageklassen.

Risikomanagement: Die zehn goldenen Regeln

  1. 10-Prozent-Regel: Maximal ein Zehntel Ihres liquiden Vermögens gehört in Startups

  2. Diversifikation ist Pflicht: Mindestens 15-20 Positionen, direkt oder über Fonds

  3. Follow-on-Reserve: 50 Prozent des Erstinvestments für Nachfinanzierungen

  4. Kompetenzkreis beachten: Investieren Sie bevorzugt in verständliche Geschäftsmodelle

  5. Due Diligence immer: Keine Abkürzungen, auch nicht bei Empfehlungen

  6. Professionelle Verträge: Anwaltskosten sind gut investiertes Geld

  7. Langfristdenken: 7-10 Jahre Haltedauer sind normal

  8. Netzwerk pflegen: Der Austausch mit anderen Angels ist unbezahlbar

  9. Dokumentation führen: Für spätere Learnings und steuerliche Zwecke

  10. Emotionen kontrollieren: Verluste gehören dazu, lernen Sie daraus

Innovation fördern, Rendite ernten

Startup-Investments bieten Medizinern eine einzigartige Chance, ihre Expertise gewinnbringend einzusetzen und gleichzeitig die Zukunft des Gesundheitswesens mitzugestalten. Die Einstiegshürden sind heute niedriger denn je: Ob mit 250 Euro beim Crowdinvesting, 10.000 Euro im VC-Dachfonds oder als aktiver Business Angel – für jedes Budget und Zeitbudget gibt es passende Möglichkeiten.

Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der systematischen Herangehensweise: Nutzen Sie Ihr medizinisches Fachwissen bei der Bewertung, diversifizieren Sie konsequent, und bleiben Sie langfristig dabei. Mit der richtigen Strategie können Sie nicht nur attraktive Renditen erzielen, sondern auch aktiv dazu beitragen, dass innovative Lösungen den Weg in die medizinische Praxis finden. Die Zeit dafür war nie besser als jetzt.

Häufige Fragen (FAQ)

Kann ich als niedergelassener Arzt mit begrenztem Budget in Startups investieren? Ja, definitiv. Crowdinvesting-Plattformen ermöglichen Einstiege ab 250 Euro. Für professionell gemanagte Portfolios bieten VC-Dachfonds wie der iVC Venture Innovation Fund Investments ab 10.000 Euro – deutlich weniger als die üblichen 200.000 Euro bei traditionellen VC-Fonds.

Wie viel Zeit muss ich als Business Angel realistisch einplanen? Rechnen Sie mit 10-15 Stunden monatlich für Due Diligence, Board-Meetings und Mentoring. Falls diese Zeit fehlt, sind Fondslösungen oder Syndikate die bessere Alternative, da hier Profis die operative Arbeit übernehmen.

Sollte ich mich auf HealthTech spezialisieren? Ihr Domänenwissen ist dort am wertvollsten, aber Diversifikation über verschiedene Sektoren reduziert das Risiko. Viele erfolgreiche Ärzte-Investoren mischen HealthTech mit FinTech, GreenTech oder anderen Bereichen.

Wie funktioniert der INVEST-Zuschuss konkret? Sie erhalten 15% der Investitionssumme als Zuschuss (max. 100.000 Euro über drei Jahre) plus 25% Bonus auf Exitgewinne. Der Antrag erfolgt online beim BAFA und muss vor dem Investment gestellt werden.

Was passiert bei einem Startup-Ausfall? Bei Direktinvestments droht der Totalverlust. Diese Verluste sind steuerlich mit anderen Kapitalerträgen verrechenbar. In professionellen Fonds gleichen erfolgreiche Investments die Ausfälle meist mehr als aus.

Kann ich auch in Teilzeit oder Elternzeit investieren? Absolut. Besonders Fondsinvestments erfordern minimalen Zeitaufwand. Die langen Laufzeiten (8-12 Jahre) passen gut zu langfristigen Lebensplanungen.

Gibt es spezielle Netzwerke für Mediziner-Investoren? Ja, neben allgemeinen Angel-Netzwerken gibt es spezialisierte Gruppen wie Angels for Health. Auf LinkedIn finden Sie Communities wie "Physicians as Investors". Viele Städte haben informelle Ärzte-Investoren-Stammtische.

Wie erkenne ich seriöse von unseriösen Angeboten? Achten Sie auf BaFin-Regulierung bei Fonds, transparente Kostenstrukturen, realistische Renditeversprechen (Vorsicht bei über 30% p.a.), nachvollziehbare Geschäftsmodelle und professionelle Due-Diligence-Unterlagen.

Sollte ich in deutsche oder internationale Startups investieren? Geografische Diversifikation ist sinnvoll. Deutsche Startups bieten bessere Kontrollmöglichkeiten, internationale Märkte größeres Wachstumspotenzial. Über Dachfonds erhalten Sie automatisch europaweite Streuung.

Quellen

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BAND - Business Angels Netzwerk Deutschland e.V. (2023). Business Angel Report 2023 - 10.925 aktive Business Angels in Deutschland. https://www.business-angels.de/business-angel-report-2023-10-925-aktive-business-angels-in-deutschland/

BAND - Business Angels Netzwerk Deutschland e.V. (2024). GESSI Standardverträge und Services. https://www.fuer-gruender.de/kapital/eigenkapital/business-angels/band/

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Business Insider. (2024). KI-Software soll Ärzte entlasten: Münchener SaaS-Startup bekommt 23 Millionen Euro. https://www.businessinsider.de/gruenderszene/health/ki-software-soll-aerzte-entlasten-muenchener-saas-startup-bekommt-23-millionen-euro/

Deutsche Startups. (2024). Fragen, die sich angehende Business Angels stellen sollten. https://www.deutsche-startups.de/2024/06/06/fragen-angehende-business-angels/

Deutsche Startups. (2021). Die Exits des Jahres 2020. https://www.deutsche-startups.de/2021/01/06/exits-startups-2020/

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IHK Rhein-Neckar. (2024). Business Angels - Alternative Finanzierungsformen. https://www.ihk.de/rhein-neckar/gruendung/finanzierung/alternative-finanzierungsformen/businessangels-947436

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YouTube. (2024). Interview mit Prof. Dr. Reinhard Meier - Vom Arzt zum erfolgreichen Startup-Investor. https://www.youtube.com/watch?v=cMHqnbWwfLk