Agate Sensors sammelt 5,6 Mio. € ein, um Chip‑skaliertes Spektralsehen in Alltagsgeräte zu bringen
Das finnische Deep‑Tech‑Startup Agate Sensors schließt eine Seed‑Runde über 5,6 Mio. € (4,0 Mio. € Eigenkapital + 1,6 Mio. € Fördermittel) ab, um CMOS‑kompatible, miniaturisierte hyperspektrale Sensor‑SoCs zu industrialisieren. Lead: Voima Ventures; Co‑Investor: LIFTT; Zuschüsse: Business Finland. Die Mittel fließen in Industrialisierung, erste Chips, PoCs, Kommerzialisierung und Markteintritt.


Agate Sensors, ein finnischer Deep‑Tech‑Spin‑out, hat eine Seed‑Finanzierungsrunde über insgesamt 5,6 Mio. € abgeschlossen, die Eigenkapital und staatliche Fördermittel kombiniert und den Übergang von Laborforschung zur Serienfertigung beschleunigen soll. Die Runde unterstreicht wachsende Investorensignale für miniaturisierte Hyperspektral‑Sensorik, die Bildgebung, Biosensing und Materialanalyse in einem einzigen, softwaregesteuerten Baustein vereint.
„We’ve taken a spectrometer once confined to specialised labs and made it small and affordable.“
– Tommi Leino, CEO
Finanzierungsrunde – Faktenbox
Startup: Agate Sensors
Sitz: Espoo, Finnland
Branche: Halbleiter / hyperspektrale Sensorik / Smart Sensors
Finanzierungsrunde: Seed (Eigenkapital + Fördermittel)
Volumen: 5,6 Mio. € (insgesamt: 4,0 Mio. € Eigenkapital + 1,6 Mio. € Fördermittel).
Bisher eingesammelt: 5,6 Mio. € (aktuelle Runde); bisher insgesamt keine weiteren öffentlichen Finanzierungsangaben bekannt.
Investoren: Voima Ventures (Lead), LIFTT (Co‑Investor), Business Finland (Fördermittel).
Verwendung der Mittel: Industrialisierung und Produktion erster Chips, Kommerzialisierung der Technologie, Proof‑of‑concept‑Demonstrationen, Markteintrittsaktivitäten und Produktentwicklung.
Neue Personalien: Keine personellen Neuzugänge in Führungspositionen öffentlich kommuniziert.
Startup & Geschäftsmodell
Agate Sensors ist aus über einem Jahrzehnt akademischer Forschung hervorgegangen und positioniert sich als Anbieter „full‑spectrum“ Sensorik, die RGB‑Aufnahme mit hyperspektraler Auflösung auf einem einzigen, CMOS‑kompatiblen Chip kombiniert. Das Unternehmen adressiert damit eine Lücke zwischen laborbasierten Spektrometern — bislang groß, teuer und stationär — und den knappen, dreibandigen Kamerasensoren in Konsumgeräten. Agates Ansatz verwendet patentierte Nanomaterial‑ und Photoniktechniken sowie softwaredefinierte Algorithmen, um aus einem einzelnen Pixel spektrale „Signaturen“ zu extrahieren, die Material‑, Gesundheits‑ oder Authentizitätsinformationen liefern können. Die Produktphilosophie zielt auf Sensor‑SoCs, die in Wearables, Smartphones, Drohnen, Verteidigungs‑ und industrielle Anwendungen integrierbar sind, wobei Software‑Updates Funktionen erweitern sollen.
Kommerziell verfolgt Agate ein B2B2C‑Modell: Verkauf von Sensor‑SoCs und Lizenzierung von Software‑Stacks an Geräte‑OEMs sowie die Kooperation mit Systemintegratoren in Spezialmärkten (Verteidigung, MedTech, Industrie) zum Aufbau von Referenzanwendungen. Die Website des Unternehmens betont zudem Partnerschaftsprogramme und Whitepaper‑Angebote für frühe Integratoren. Technologisch adressiert Agate zugleich Produktions‑ und Kostenbarrieren, indem der Sensor mit standardisierten CMOS‑Prozessen kompatibel sein soll — ein wichtiges Argument für Skalierung und Margen im Volumengeschäft.
Bedeutung der Runde für Startup & Markt
Die Kombination aus Risikokapital und öffentlichen Mitteln (4,0 Mio. € Equity plus 1,6 Mio. € Fördergelder) verschafft Agate eine Startfinanzierung, die typischerweise benötigt wird, um Prototypen in erste Fertigungsläufe zu überführen und zugleich Käufer‑ und Regulierungsanforderungen in Bereichen wie Medizintechnik und Verteidigung zu adressieren. Für Investoren wie Voima Ventures und LIFTT signalisiert der Einsatz, dass Agates Technologie sowohl wissenschaftliche Substanz als auch kommerzielles Potenzial aufweist. Die Beteiligung von Business Finland in Form von Zuschüssen reduziert technologische Emissionsrisiken und zeigt politischen Rückhalt für eine nationale Deep‑Tech‑Wertschöpfung.
Marktseitig öffnet ein massentauglicher, chip‑skalierten Spektralsensor mehrere adressierbare Anwendungsfelder: Wearables mit erweiterten Vitalsignalen, mobile Lebensmittelsensorik (Frische, Authentizität), landwirtschaftliche Pflanzen‑ und Ernteüberwachung, industrielle Qualitätskontrolle sowie sicherheits‑ und verteidigungsbezogene Materialerkennung. Wenn Agate die behauptete laborgenaue Spektralauflösung bei geringem Formfaktor validiert, könnte dies die Struktur etablierter Zulieferketten verändern und traditionelle Hyperspektralkameras aus Nischenanwendungen herausdrängen. Gleichzeitig bleibt die Kommerzialisierung anspruchsvoll: Halbleiterfertigung, Validierung im Feld und Integration in komplexe Geräteökosysteme sind kapital‑ und zeitintensiv.
Ausblick oder Marktvergleich
Agate plant nach den Quellen eine initiale Chipproduktion bis Jahresende, Proof‑of‑Concept‑Demos für 2026 und erste kommerzielle Wearables gegen Ende 2027 — Zeitfenster, die sowohl ambitioniert als auch typisch für hardwareorientierte Deep‑Tech‑Scale‑ups sind. Sollte das Unternehmen die Roadmap einhalten, stehen in den nächsten 18–36 Monaten entscheidende Meilensteine an: Skalierung der Fertigung, Interoperabilitätstests mit Partnergeräteplattformen und klinische/marktbezogene Validierungen für Gesundheits‑Use‑Cases.
Wettbewerb und Vergleich: Auf dem Markt existieren einerseits Anbieter klassischer hyperspektraler Module (größere, teurere Systeme) und andererseits Hersteller von PPG‑basierten Biosensoren für Wearables. Agates Alleinstellungsmerkmal wäre die Kombination aus Miniaturisierbarkeit, Software‑Definierbarkeit und breiter spektraler Abdeckung. Investoren und potenzielle OEM‑Partner werden die Validierung dieser Versprechen in realen Produkttests genau beobachten; regulatorische Freigaben und Datenschutzfragen bei biosensitiven Anwendungen könnten zusätzliche Hürden darstellen.
Transparenzhinweis: Eine offizielle Unternehmenspressemeldung zur Finanzierungsrunde wurde auf der Unternehmenswebsite und auf den Investorenseiten zum Zeitpunkt dieser Recherche nicht gefunden; die hier zusammengefassten Fakten basieren auf Berichterstattung von Tech.eu und Tech Funding News sowie auf Informationen der Firmenwebsite. Angaben zur Unternehmensbewertung wurden nicht veröffentlicht.