Aiomics sichert 2 Mio. € Vorarbeit für KI-basierte Entlastung der Klinikdokumentation
Das Berliner Health‑Tech‑Startup Aiomics hat eine Pre‑Seed‑Runde über 2 Mio. € abgeschlossen (Lead: Vorwerk Ventures; weitere: Calm/Storm, Norrsken Evolve, Rule30 und Business Angels). Das Kapital beschleunigt Teamaufbau und Markteintritt in mehreren EU‑Ländern. Aiomics entwickelt eine EU‑konforme, multimodale Dokumentationsplattform mit Human‑in‑the‑loop‑QS, FHIR‑Schnittstellen und Fokus auf MDR/GDPR/EU‑AI‑Act.


Das Berliner Health‑Tech‑Start‑up Aiomics hat eine 2 Mio. € schwere Pre‑Seed‑Finanzierungsrunde abgeschlossen, die das Produktteam und die Markteinführung in mehreren europäischen Ländern beschleunigen soll. Lead‑Investor war Vorwerk Ventures; weitere Kapitalgeber sind Calm/Storm, Norrsken Evolve, Rule30 sowie mehrere Business Angels. Die Runde signalisiert Investorenvertrauen in eine europäische, regulatorisch orientierte Dokumentationslösung.
„The clinical software landscape is undergoing a fundamental transformation: artificial intelligence is driving the unbundling of existing systems.“ – Sascha Günther, Partner Vorwerk Ventures
Finanzierungsrunde – Faktenbox - Startup:
Startup: Aiomics
Sitz: Berlin
Branche: HealthTech / Clinical Documentation / Medical AI
Finanzierungsrunde: Pre‑Seed
Volumen: 2 Mio. €
Bisher eingesammelt: Angaben vor der Runde nicht vollständig; aktuelle Runde 2 Mio. €
Investoren: Vorwerk Ventures (Lead), Calm/Storm, Norrsken Evolve, Rule30, Business Angels (Konstantin Othmer, Nicolas Weber, Andrea Kranzer, Markus Wild)
Verwendung der Mittel: Ausbau Plattform, Skalierung in verschiedene Versorgungsstufen, Markteintritt in weitere europäische Märkte
Neue Personalien: Keine offiziellen Nennungen; Gespräche für erste Senior-Produktkraft laufen
Startup & Geschäftsmodell
Aiomics entwickelt eine multimodale, EU‑konforme Dokumentationsplattform, die Sprache, Handschrift und bestehende Dokumente zusammenführt, valideiert und standardisiert an klinische IT‑Systeme zurückliefert. Kernfunktion ist eine „human‑in‑the‑loop“-Qualitätssicherung, die automatisierte Extraktion mit klinischer Review verbindet; das Ergebnis sind strukturierte, kodierte Datensätze mit Schnittstellen nach FHIR und Audit‑Trail. Zielkunden sind Akutkrankenhäuser, Rehabilitationszentren, Telemedizin‑Anbieter und MedTech‑Partner, die Datenqualität, Abrechnungsgenauigkeit und Compliance verbessern wollen. Im Vergleich zu simplen Sprach‑zu‑Text‑Anwendungen setzt Aiomics auf eine End‑to‑End‑Orchestrierung von unstrukturierten Quellen bis zur validierten klinischen Akte, kombiniert mit regulatorischer Vorbereitung auf MDR, GDPR und den EU‑AI‑Act. Laut Unternehmenskommunikation soll die Plattform Implementierungszeiten reduzieren und Erstattungszyklen beschleunigen.
Geschäftsmodell und Ertragswege basieren nach Aussage des Unternehmens auf einer SaaS‑ und Integrationslogik: Krankenhäuser und Klinikketten zahlen für Nutzungsrechte, Implementierungs‑ und Validierungsservices sowie zusätzliche Module zur Kodierung und Compliance‑Dokumentation. Ein wichtiges Upsell‑Potential besteht in Abrechnungsmodulen, die durch verbesserte Kodierungsqualität höhere Erstattungen ermöglichen. Parallel eröffnen technische Partnerschaften mit MedTech‑Herstellern und Softwareanbietern Vertriebskanäle, da Aiomics die Datenorchestrierung und Compliance‑Layer liefern kann, ohne tief in bestehende Kernsysteme eingreifen zu müssen.
Das Gründertrio verbindet klinische, technische und rechtliche Expertise: ein Arzt mit praktischer Erfahrung in Notfall‑ und Onkologie, ein promovierter Physiker und Datenwissenschaftler sowie ein Jurist mit Skalierungserfahrung. Diese Kombination ist relevant für die Verknüpfung von klinischer Glaubwürdigkeit, technischer Validität und regulatorischer Absicherung. Aiomics kommuniziert außerdem eine Roadmap zur Zertifizierung nach ISO 13485 und ISO 27001 sowie zur MDR‑Konformität, Schritte, die in Klinikumgebungen oft Voraussetzungen für großflächige Rollouts sind. Personalpolitisch bleibt die Erwartung, dass im nächsten Jahr Produkt‑ und Vertriebsteams deutlich wachsen.
Bedeutung der Runde für Startup & Markt
Finanziell liefert die Runde Aiomics die Mittel, um technische Reife und erste Skalierung zu verbinden: 2 Mio. € Pre‑Seed, angeführt von Vorwerk Ventures, mit Beteiligungen von Calm/Storm, Norrsken Evolve, Rule30 und mehreren Angels. Medienberichte führen die Bewertung mit 10 Mio. € Post‑Money an; eine offizielle Bewertungsangabe seitens des Unternehmens liegt nicht vor. Für Investoren ist das Angebot attraktiv, weil dokumentationsbedingte Ineffizienzen direkt an Personalkosten und Ertragsqualität anknüpfen. Studien und Branchenberichte nennen administrative Arbeitszeiten von Ärzten und Pflegepersonal als bedeutenden Kostentreiber; entsprechend sind Lösungen, die Zeit zurückgeben und Kodierung verbessern, unmittelbar wirtschaftlich verwertbar. Die Investorenkonstellation kombiniert einen operativ erfahrenen Lead‑VC mit Impact‑ und Early‑Stage‑Playern, was sowohl Netzwerkzugang als auch regulatorische Expertise signalisieren dürfte.
Aus Investorensicht reduziert ein Fokus auf dokumentationsnahe Hebel die Abhängigkeit von langen Behandlungspfaden; Return‑Effekte sind hier relativ schnell messbar, wenn Implementierungszyklen kurz gehalten werden. Trotzdem bleibt das Risiko, dass Krankenhaushäuser bevorzugt auf integrierte EHR‑Anbieter setzen oder einzelne IT‑Abteilungen lange Proof‑of‑Concept‑Phasen verlangen. Daher wird die Fähigkeit des Start‑ups, Referenzkunden mit nachweisbaren KPIs zu präsentieren, entscheidend für Folgefinanzierungen sein.
Ausblick oder Marktvergleich
Kurzfristig plant Aiomics, die Produktentwicklung zu beschleunigen, erste Implementierungen auszuweiten und belastbare Wirksamkeitsnachweise zu publizieren – etwa Messungen zu eingesparten Dokumentationsstunden, Vollständigkeit der Kodierung und schnelleren Erstattungszyklen. Das Unternehmen nennt als Zielmärkte neben Deutschland insbesondere Schweden und weitere EU‑Länder; strategisch dürfte der Fokus auf EU‑konformer Datenverarbeitung und Interoperabilität liegen, um bei Ausschreibungen und Krankenhaus‑IT überzeugen zu können.
Auf dem Markt konkurriert Aiomics mit spezialisierten Spracherkennungs‑ und Dokumentationsanbietern sowie mit größeren Electronic‑Health‑Record‑Systemen, die eigene Assistenzfunktionen entwickeln. Der Vorteil des Start‑ups liegt in der Kombination aus multimodaler Datenerfassung, Validierungsworkflow und regulatorischem Fokus; zugleich besteht das Risiko, dass Zulassungsvorgaben, heterogene IT‑Landschaften und langwierige Entscheidungsprozesse in Kliniken die Skalierung verlangsamen. Für Venture‑Investor*innen bietet die Runde dennoch einen typischen Pre‑Seed‑Risiko‑Return‑Hebel: kleine Ticketgrößen, frühe Validierungschancen und klare Hebel für Effizienzgewinne, die bei erfolgreichem Proof‑of‑Value größere Folgefinanzierungen ermöglichen können.
Marktseitig adressiert Aiomics ein etabliertes Problem: die Dokumentationslast als Treiber von Arbeitszeitverlust und fehleranfälliger Abrechnung. Die Marktgröße in Europa ergibt sich aus der Anzahl akuter Betten, ambulanten Einrichtungen und dem Volumen an Abrechnungen, die durch bessere Kodierung optimiert werden können; in Kombination mit dem regulatorischen Druck entsteht ein wachsender Bedarf. Langfristig sind Exit‑Szenarien für Investoren denkbar über strategische Verkäufe an große Health‑IT‑Anbieter oder durch Zusammenschlüsse mit MedTech‑Partnern, die die Datenschichten in ihre Produkte integrieren wollen.
Für Anleger und potenzielle Kunden sind in den kommenden 12–18 Monaten klare KPIs entscheidend: durchschnittlich eingesparte Dokumentationsminuten pro Patient, Verbesserung der Kodierungsrate, Zeit bis Produktivsetzung beim ersten Großkunden und erzielbare Mehrerlöse durch bessere Abrechnung. Ebenfalls wichtig sind Messgrößen zur Datensicherheit und Konformität, etwa Standort der Datenverarbeitung in der EU, Audit‑Logs und Erfolgsraten bei klinischen Reviews. Wenn Aiomics diese Kennzahlen belastbar liefert, dürfte die Firma in den nächsten Finanzierungsrunden deutlich größere Tickets anziehen. Investoren bleiben aufmerksam für Teams, die medizintechnische Validierung, Datenschutz und schnelle Implementierung verbinden; Aiomics liefert mit der aktuellen Runde erste Voraussetzungen, diese Ambition zu erfüllen. Die nächsten zwölf Monate dürften zeigen, ob die Technologie klinisch skaliert und ökonomisch wirkt. Ein Fokus auf messbare Outcomes bleibt zentral. dringend.
Quellenangaben
Tech Funding News: https://techfundingnews.com/german-startup-aiomics-bags-e2m-to-revolutionise-healthcare-documentation-with-ai/ Startup-Website: https://www.aiomics.io