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Aiosyn sichert 2,4 Mio. € und kooperiert mit TNO zur Beschleunigung KI-gestützter Krebsdiagnostik

Das niederländische MedTech-Startup Aiosyn hat 2,4 Mio. € in einer Seed-/Folgerunde eingesammelt und eine strategische Partnerschaft mit TNO angekündigt. Die Mittel fließen in klinische Validierung, Produktentwicklung und Markteinführung KI-gestützter Pathologielösungen für die Krebsdiagnostik; Investoren sind u. a. TNO Ventures, Oost NL, LUMO Labs und Health Innovations.

Samuel Gassauer
Samuel Gassauer
11. September 20254 min
Aiosyn sichert 2,4 Mio. € und kooperiert mit TNO zur Beschleunigung KI-gestützter Krebsdiagnostik

Aiosyn, ein niederländisches MedTech-Startup aus Nijmegen, hat Medienberichten zufolge in einer jüngsten Finanzierungsrunde 2,4 Mio. € eingesammelt und gleichzeitig eine strategische Partnerschaft mit TNO angekündigt. Die Mittel sollen die klinische Erprobung und den Markthochlauf KI-gestützter Pathologielösungen für die Krebsdiagnostik beschleunigen.

“This funding marks a major milestone for Aiosyn and reinforces our mission to bring AI innovation into clinical practice and invest in a new generation of AI algorithms that transform clinical decision-making for cancer patients.”
– Patrick de Boer, CEO

Finanzierungsrunde – Faktenbox

  • Startup: Aiosyn

  • Sitz: Nijmegen, Niederlande

  • Branche: Medizinische Software / KI-gestützte Pathologie / In-vitro-Diagnostik (IVD)

  • Finanzierungsrunde: Seed / Seed-ähnliche Folgefinanzierung (als aktuellste öffentlich bekannte Runde berichtet)

  • Volumen: 2,4 Mio. €

  • Bisher eingesammelt: Mindestens 4,65 Mio. € (einschließlich 2,0 Mio. € in 2022 und 2,4 Mio. € aktuell sowie frühere Fördermittel von etwa 250 Tsd. €); Angaben sind öffentlich dokumentiert, weitere Summen aus Vorfinanzierungen wurden nicht offengelegt.

  • Investoren: Berichtet: TNO Ventures, Oost NL, LUMO Labs, Health Innovations.

  • Verwendung der Mittel: Beschleunigung der Produktentwicklung und Markteinführung, klinische Validierung, Ausbau von Partnerschaften und Tests (insbesondere Partnerschaft mit TNO zur Nutzung von Testinfrastruktur und Forschungsnetzwerk).

  • Neue Personalien: Keine neuen Personalien öffentlich genannt.

Startup & Geschäftsmodell

Aiosyn ist als Spin-off aus der Computational Pathology Group des Radboudumc entstanden und entwickelt modulare Softwarelösungen zur automatisierten Analyse histopathologischer Bilder. Die Produktpalette umfasst Algorithmen zur Detektion und Quantifizierung relevanter Gewebestrukturen (u. a. Mitosenzählung in Brustkrebsproben, Nierenanalysen über die NephroPath-Plattform) sowie Qualitätskontroll-Tools für ganze digitale Leica- und Scanner-Workflows. Technisch basiert das Geschäftsmodell auf Deep-Learning-Modellen, die in bestehende digitale Pathologieplattformen integrierbar sind und sowohl on-premise als auch cloudbasiert ausgeliefert werden. Aiosyn verfolgt eine B2B-Strategie: Kunden sind klinische Pathologielabore, Forschungsinstitute und Pharma-/Biotech-Unternehmen, die zuverlässige, reproduzierbare Bildanalyse für Diagnose, Studien oder Wirkstoffentwicklung benötigen. Die Firma hat nachweislich regulatorische Schritte unternommen (z. B. IVDR-/CE-Ansatz für mindestens ein Produkt) und kooperiert mit Plattformanbietern, CROs und Scan-Herstellern, um Integrationsbarrieren zu minimieren.

Bedeutung der Runde für Startup & Markt

Aus unternehmerischer Perspektive liefert die gemeldete 2,4-Mio.-€-Runde zwei unmittelbare Effekte: Erstens erhöht sie die finanzielle Schlagkraft für die klinische Validierung und die regulatorische Absicherung von IVDR-konformen Lösungen, was in der MedTech-Branche eine zentrale Eintrittsbarriere darstellt. Zweitens signalisiert die Beteiligung oder Unterstützung durch TNO Ventures – kombiniert mit regionalen Investoren wie Oost NL und spezialisierten Health-Investoren – eine stärkere Verzahnung mit nationaler Forschungsinfrastruktur und einem Innovationsökosystem, das Zugang zu Testeinrichtungen, Daten und regulatorischer Expertise bieten kann. Für den Markt der digitalen Pathologie und KI-gestützten Diagnostik ist dies ein weiterer Indikator, dass Startups, die regulatorische Reife und Integrationsfähigkeit mit etablierten Plattformen nachweisen, verstärkt Kapital anziehen. Die Mittelhöhe ordnet Aiosyn in die Seed-/Early-Stage-Kategorie ein; sie ist ausreichend, um Produkt- und Validierungsphasen voranzutreiben, dürfte aber für eine breit angelegte Kommerzialisierung in mehreren Ländern weitere Finanzierungsrunden erforderlich machen.

Ausblick oder Marktvergleich

Kurzfristig dürfte Aiosyn die Finanzierung nutzen, um IVDR-konforme Marktzulassungen voranzutreiben, Kooperationen mit Labornetzwerken zu vertiefen und die Integration in Vertriebspartner-Plattformen auszuweiten. Die Partnerschaften mit Technologieanbietern und CROs zeigen, dass Aiosyn sowohl klinische als auch vorklinische Use-Cases adressiert—ein Vorteil gegenüber reinen Forschungs-Tools, da Pharma-Kunden oft höhere Margen und längere Verträge bieten. Im Wettbewerbsvergleich bewegt sich Aiosyn in einem engen Markt mit etablierten internationalen Anbietern, die teilweise bereits CE/IVDR- oder FDA-ähnliche Zulassungen besitzen; Differenzierungsfaktoren sind hier regulatorische Konformität, Integrationsfähigkeit mit marktüblichen Viewer- und LIS-Systemen sowie die klinische Validierung in breiten Studien. Mittel- bis langfristig ist für Aiosyn ein Skalierungspfad über Kooperationen mit großen digitalen Pathologieplattformen und Distributor-Partnern wahrscheinlicher als ein rein direkte Vertriebsmodell an einzelne Labore. Weitere Finanzierungsbedarfe sind zu erwarten, falls das Unternehmen in mehrere Märkte (z. B. EU-weit, UK, USA) mit lokalen regulatorischen Anforderungen und größerem Kommerzialisierungsaufwand expandieren will.

Anmerkung zur Datenlage: Die hier berichteten Summen und Investoren beruhen auf öffentlich zugänglichen Medienberichten und Unternehmensangaben. Eine offizielle, von Aiosyn veröffentlichte Pressemitteilung zur konkreten 2,4-Mio.-€-Runde konnte zum Zeitpunkt der Recherche nicht zweifelsfrei identifiziert werden; das Unternehmen veröffentlicht jedoch regelmäßig Produkt- und Kooperationsankündigungen auf seiner Website, und frühere Finanzierungsrunden sind dort dokumentiert.

Quellenangaben