BoobyBiome sichert £2,5 Mio. Seed-Finanzierung zur Erhaltung des Muttermilch-Mikrobioms
Das Londoner Biotech-Startup BoobyBiome hat £2,5 Mio. in einer Seed-Runde (Lead: Empirical Ventures) eingesammelt, um ein Device zur Sauerstoffentfernung aus abgepumpter Muttermilch zu kommerzialisieren und das darin enthaltene Mikrobiom zu erhalten. Mittel fließen in Produktentwicklung, Partnerschaften mit Flaschenherstellern und klinische Validierung; Marktstart in Großbritannien ab 2026 geplant.


Die Londoner Biotech‑Firma BoobyBiome hat in einer Seed‑Runde £2,5 Mio. eingesammelt und will damit eine Technologie zur Sauerstoffentfernung aus abgepumpter Muttermilch zur Marktreife bringen. Die Lösung zielt darauf ab, anaerobe, nützliche Mikroben zu erhalten, die beim Kontakt mit Sauerstoff innerhalb kürzester Zeit verloren gehen können.
„We realized that once breast milk was exposed to air, these beneficial anaerobic microbes would die within 60 minutes.“ – Sioned Jones, COO
Finanzierungsrunde – Faktenbox
Startup: BoobyBiome
Sitz: London, Vereinigtes Königreich; Great Ormond Street Institute of Child Health
Branche: Biotechnologie, Femtech, Infant Health
Finanzierungsrunde: Seed
Volumen: £2,5 Mio.
Bisher eingesammelt: Öffentliche Fördermittel und Grants ca. £2,6 Mio.; Eigenkapitalhistorie: frühere Runden/Grants in verschiedenen Tranchen; Unternehmensbewertung nicht veröffentlicht
Investoren: Empirical Ventures (Lead), The Helm, XFactor Ventures, Lavender Ventures, Kayan Ventures, Evenlode Investment; Angel-Investoren u.a. Dominic Hollamby, Lord Ara Darzi, Yael Cohen, Vanessa Colomar
Verwendung der Mittel: Produktentwicklung der Sauerstoffentferner‑Device, Kommerzialisierung, Partnerschaften mit Flaschenherstellern, Ausbau Forschung und klinische Validierung
Neue Personalien: Keine öffentlich kommunizierten Neueinstellungen oder Managementwechsel
Startup & Geschäftsmodell
BoobyBiome wurde 2019 von drei promovierten Wissenschaftlerinnen gegründet und baut auf mehrjährigen mikrobiomischen Analysen von Muttermilch auf. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben die bislang größte, hochauflösende Datenbank zum Muttermilch‑Mikrobiom aufgebaut und betreibt parallel eine Biobank mit isolierten Stämmen.
Das Geschäftsmodell verfolgt eine Dualstrategie: ein universell kompatibles Gerät, das Sauerstoff aus Lagerbehältern absorbiert und so Mikroben und Nährstoffe konservieren soll, sowie ein später zugelassenes Live‑Mikrobiom‑Supplement für Säuglinge ohne Zugang zu Muttermilch.
Bedeutung der Runde für Startup & Markt
Die Seed‑Runde, angeführt von Empirical Ventures, signalisiert externes Vertrauen in die wissenschaftliche Grundlage und schafft Kapital für die Kommerzialisierung des Sauerstoffentferner‑Geräts sowie für Partnerschaften mit Flaschenherstellern und die weitere klinische Validierung.
Marktwirtschaftlich adressiert BoobyBiome ein bislang vernachlässigtes Segment zwischen Stillförderung, Flaschenherstellern und Herstellern von Säuglingsnahrung: die proaktive Erhaltung beziehungsweise gezielte Ergänzung des frühen Mikrobioms, das Studien zufolge entscheidend für Immun‑und Stoffwechselentwicklung ist.
Ausblick oder Marktvergleich
BoobyBiome peilt laut Kommunikation die direkte Verbrauchereinführung des Sauerstoffentferner‑Devices in Großbritannien 2026 an, mit anschließender Expansion nach Europa und in die USA. Parallel wird an einem Live‑Mikrobiom‑Tropfen gearbeitet, unterstützt durch Innovate‑UK‑Fördermittel und Kooperationen mit Forschungseinrichtungen, die präklinische Tests und die Vorbereitung klinischer Studien ermöglichen. Regulatorisch wird besonders das Live‑Mikrobiomprodukt einen längeren, aufwendigen Weg haben als das reine Konservierungsgerät; das ist ein wichtiges Investment‑und Zeitrisiko für Investoren.
Im Marktvergleich steht BoobyBiome zwischen spezialisierten Live‑Biotherapeutika‑Entwicklern und Konsumgüterherstellern; der mögliche Wettbewerb reicht von spezialisierten Microbiome‑Biotechs bis zu etablierten Säuglingsnahrungsanbietern, die in jüngerer Zeit verstärkt auf Mikrobiomforschung setzen.
Aus Investorensicht ist das Angebot attraktiv, weil es sowohl ein physisches Hardware‑Produkt mit schnellerer Marktzulassung als auch ein längerfristiges Biotech‑Asset umfasst, das bei erfolgreicher klinischer Validierung erhebliche Wertschöpfung generieren könnte.
Für Fonds und strategische Investoren ergeben sich daraus mehrere Hebel: Lizenzmodelle für OEM‑Partnerschaften mit Flaschenherstellern, Abo‑ oder Einmalverkauf für das Device, Datenlizenzierung der aufgebauten Mikrobiomdatenbank sowie mögliche Kommerzialisierung oder Lizenzierung des Live‑Mikrobiomprodukts an etablierte Nahrungskonzerne.
Gleichzeitig bestehen klare Exit‑Szenarien, die von Trade‑Sale an große Konsumgüter‑ oder Nahrungshersteller bis zu strategischen Verkäufen an Biotech‑Konsortien reichen. Ein IPO erscheint derzeit langfristiger und abhängig von klinischer Evidenz sowie Skaleneffekten. Investoren müssen zudem Marktzugangshürden in verschiedenen Regionen beachten: Empfehlungen von Gesundheitsbehörden und Richtlinien in Neugeborenenmedizin sind in Europa und den USA unterschiedlich ausgeprägt, was Produktpositionierung und Studiendesign beeinflusst.
Die wirtschaftliche Dimension ist nicht unerheblich: Der globale Markt für Säuglingsnahrung und verwandte Produkte umfasst Milliardenumsätze, während das adressierbare Segment für Mikrobiom‑Erhaltung und ‑Supplementierung ein noch unerschlossener, aber wachsender Nischenmarkt mit Interesse von Herstellern und Gesundheitsakteuren ist.
Kurzfristig werden Produktlaunch 2026, Partnerschaften mit Herstellern und erste präklinische/klinische Daten die entscheidenden Meilensteine sein. Für Kapitalgeber bedeutet die Runde ein kalkuliertes Risiko mit potenziell hohem Impact‑Hebel in der frühen Lebensphase.
Wissenschaftlich stützt sich BoobyBiome auf Shotgun‑Metagenomik und hochauflösende Sequenzierung, um Stämme auf Strang‑und Funktionsniveau zu identifizieren. Diese Datenbasis erlaubt sowohl die Auswahl funktionaler Kandidaten für Live‑Präparate als auch die rationale Validierung der Wirkung in In‑vitro‑und Tiermodellen sowie in kontrollierten Humanstudien.
Die bisherige Förderung durch Innovate UK in zweistelliger Hunderttausend‑bis Millionenhöhe schafft eine Grundlage für präklinische Arbeiten und reduziert das finanzielle Risiko für private Kapitalgeber, indem wichtige Meilensteine vor der nächsten Finanzierungsrunde adressiert werden.
Für die Produktvermarktung des Devices sind GMP‑konforme Fertigung, Lieferketten für Einwegkomponenten und Nachweis der Sicherheit gegen Kontaminationen zentrale Anforderungen. Herstellern von Babyflaschen könnte ein OEM‑Angebot den Markteintritt beschleunigen, da sie bereits bestehende Vertriebswege und Markenbekanntheit besitzen.
Aus technologischer Sicht ist die Kerninnovation nicht nur die Sauerstoffabsorption, sondern das Demonstrieren, dass durch konservierte Mikroben konkrete klinische Endpunkte beeinflusst werden können – etwa reduzierte Entzündungsmarker oder verbesserte Mikrobiomdiversität bei Säuglingen. Solche Endpunkte wären für Regulatoren und potenzielle strategische Partner zentral.
Wettbewerb existiert in Form von Probiotikaherstellern, Startups im Neonatalbereich und akademischen Teams, doch BoobyBiome differenziert sich durch die Kombination aus Datenbank, isolierten Stämmen und einem physischen Produkt zur Erhaltung der natürlichen Quelle. Diese Kombination kann sowohl wissenschaftliche Glaubwürdigkeit als auch skalierbare Vertriebsmodelle bieten.
Für Due‑Diligence sollten Investoren besonderes Augenmerk auf Reproduzierbarkeit der mikrobiellen Isolate, Stabilität des Devices unter realen Lagerbedingungen, IP‑Position (Patente für Stämme und Device) sowie regulatorische Klassifizierung legen. Klar definierte Go‑to‑Market‑Pläne und KPIs für Nutzerakzeptanz werden die nächste Finanzierungsrunde unterstützen.
BoobyBiome liefert ein Beispiel dafür, wie frühe wissenschaftliche Erkenntnisse zu klaren Produktideen und Finanzierungen führen können. Für Kapitalgeber bleibt die zentrale Frage, in welchem Tempo der wissenschaftliche Nachweis erbracht wird und ob das Unternehmen die Brücke zwischen Labor, Regulierung und Massenmarkt schlagen kann. Die Seed‑Runde liefert die nötigen Mittel, um diese Variablen anzugehen; Beobachter sollten auf klinische Endpunkte, OEM‑Partnerschaften und erste Umsatzzahlen in den nächsten 18 bis 24 Monaten achten.
Die nächste Finanzierungsrunde wird stark vom Fortschritt der klinischen Nachweise und ersten kommerziellen Partnerschaften abhängen. Investoren mit Interesse an Femtech‑und Neonatalinnovation sollten die Entwicklung beobachten und die Kombination aus Hardware, Daten und Biologie als differenzierenden Wert betrachten in ihren Portfolios.
Quellenangaben
Femtech Insider: https://femtechinsider.com/boobybiome-raises-2-5m-to-preserve-breast-milks-hidden-microbiome/
Startup-Website: https://boobybiome.com