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Integra Therapeutics sichert 10,7 Mio. € zur Weiterentwicklung von FiCAT und präklinischer CAR‑T‑Validierung

Das Barcelonaer Biotech-Startup Integra Therapeutics hat eine Pre-Series-A-Finanzierung über 10,7 Mio. € abgeschlossen, um die FiCAT-Gene‑Writing‑Plattform weiterzuentwickeln und mehrere Next‑Gen‑CAR‑T‑Kandidaten präklinisch zu validieren; beteiligt sind u. a. EIC Fund, CDTI Innvierte und Bestandsinvestoren.

Samuel Gassauer
Samuel Gassauer
10. September 20255 min
Integra Therapeutics sichert 10,7 Mio. € zur Weiterentwicklung von FiCAT und präklinischer CAR‑T‑Validierung

Die Barcelonaer Biotech‑Firma Integra Therapeutics hat eine Pre‑Series‑A Finanzierung in Höhe von 10,7 Mio. € abgeschlossen. Die Runde kombiniert öffentliche Fördermittel und Bestandsinvestoren und soll die FiCAT‑Plattform sowie die präklinische Validierung neuartiger CAR‑T‑Kandidaten beschleunigen.

„Thanks to the support of our investors, we will continue leading innovation in cell and gene therapies and are getting closer to transforming the treatment of complex diseases like cancer, autoimmune diseases and rare diseases.“
– Avencia Sánchez‑Mejías, CEO und Co‑Founder

Finanzierungsrunde – Faktenbox

  • Startup: Integra Therapeutics

  • Sitz: Barcelona, Spanien

  • Branche: Biotechnologie / Gene writing tools (FiCAT‑Plattform)

  • Finanzierungsrunde: Pre‑Series A

  • Volumen: 10,7 Mio. €

  • Bisher eingesammelt: Seed‑Runde insgesamt ca. 6 Mio. € (2021/2022); EIC‑Accelerator‑Förderung/Equity bis zu 10,5 Mio. € angekündigt (2024); Unternehmensbewertung wurde nicht veröffentlicht.

  • Investoren: EIC Fund (Europäische Innovationsrat / EIB), CDTI Innvierte (spanisches Ministerium für Wissenschaft), sowie bestehende Investoren AdBio Partners, Columbus Venture Partners, Invivo Partners und Takeda Ventures.

  • Verwendung der Mittel: Integration neuer Fortschritte in die FiCAT‑Plattform, präklinische Validierung mehrerer Next‑Generation CAR‑T‑Kandidaten, Ausbau der Zelltechnik‑Kapazitäten für Technologietransfer an Pharmaunternehmen.

  • Neue Personalien: Keine öffentlichen Angaben zu neuen Führungs‑ oder Aufsichtspersonen.

Startup & Geschäftsmodell

Integra Therapeutics wurde 2020 als Spin‑off der Pompeu Fabra University gegründet und entwickelt die FiCAT‑Technologie, die CRISPR‑Cas‑Genauigkeit mit einem ingenieurbiologisch modifizierten piggyBac‑Transposase‑System kombiniert. Ziel ist es, die drei Kernprobleme aktueller Gen‑ und Zelltherapien zu adressieren: begrenzte Nutzlastkapazität, mangelnde Einbaupräzision und Stabilität des Gentransfers. Die Plattform ist so ausgelegt, dass sowohl kleine als auch große genetische Konstrukte effizient und präzise in Zielzellen eingeführt werden können. Kommerzielle Ertragsquellen sollen aus Lizenzvergaben, Ko‑Entwicklungsverträgen mit Pharmapartnern und möglicherweise eigenen Therapeutika resultieren. Der Entwicklungsfokus umfasst neben CAR‑T‑Anwendungen auch Gentherapien für seltene pädiatrische Lebererkrankungen, für die Integra bereits Mittel aus dem EIC‑Accelerator erhalten hat.

Bedeutung der Runde für Startup & Markt

Die aktuelle 10,7‑Mio.‑€‑Runde ist aus zwei Gründen relevant: erstens verknüpft sie öffentliche Innovationskapazitäten mit privatem Wagniskapital, was in der frühen klinischen De‑risking‑Phase von Biotechunternehmen einen Multiplikatoreffekt haben kann. Die Beteiligung des EIC Fund in Höhe von rund 4 Mio. € sowie die Unterstützung durch CDTI Innvierte signalisieren starken politischen Rückhalt und erleichtern Zugang zu weiterem öffentlichem Kapital. Zweitens ermöglicht die Finanzierung die Beschleunigung von Validierungsprogrammen für Next‑Generation CAR‑T‑Kandidaten und den Ausbau von zellbiologischen Produktions‑ und Transferkapazitäten, wodurch Integra seine Position als Technologieplattform stärken kann. Für Investoren ist die Kombination aus proprietärer Plattformtechnologie und realen Präklinischen Daten attraktiv, da sie die Chancen erhöht, Kooperationsverträge mit etablierten Pharmakonzernen zu schließen.

Ausblick oder Marktvergleich

Im Wettbewerbsumfeld stehen Plattformen zur präzisen Genintegration wie FiCAT gegen eine Reihe von Ansätzen an, darunter verbesserte CRISPR‑Systeme, Transposase‑Engineering und nicht‑virale Liefervehikel. Integra positioniert sich durch den Fokus auf kombinierte Präzision, Nutzlast und Stabilität; diese Dreierkombination ist ein differenzierender Faktor bei Anwendungen, die große genetische Ladungen benötigen oder langlebige Expression erfordern. Kurzfristig ist die Erfolgswahrscheinlichkeit von Geschäftsmodellen im Bereich Gene writing stark von belastbaren präklinischen Daten und klaren Technologie‑Transferpfaden abhängig. Die Finanzierung erhöht die Chance, solche Daten zu generieren und partnerschaftliche Lizenzierungen einzugehen, reduziert aber nicht die regulatorischen und klinischen Risiken, die für alle Entwickler von Gen‑ und Zelltherapien bestehen.

Mittelfristig eröffnet die Plattformpotenzielle Erlösquellen über Lizenzen für Zell‑ und Gentherapiehersteller sowie über Co‑Development‑Modelle. Strategisch ist die Nähe zu europäischen Förderquellen und die Einbindung staatlicher Programme ein Vorteil gegenüber rein privat finanzierten Wettbewerbern, da sie zusätzliche Ressourcen für frühe klinische Programme und für die Skalierung bereitstellen kann. Die Unternehmensbewertung wurde nicht veröffentlicht; weitere Kapitalerhöhungen oder eine klassische Serie‑A/Mezzanine‑Runde bleiben möglich, abhängig vom Fortschritt der präklinischen Programme und von Partnerschaften mit Pharmafirmen.

Operativ bedeutet die Finanzierung, dass Integra kurzfristig Ressourcen für die Erweiterung seiner präklinischen Infrastruktur und für die Standardisierung von Zellproduktionsprozessen bereitstellen kann. Um technologienah an Pharmapartner lizenzierbar zu werden, sind reproduzierbare Herstellungsverfahren, robuste analytische Assays und ein klarer Plan für Tech‑Transfer unabdingbar. Die beschriebenen Mitteladressierungen deuten darauf hin, dass Integra gleichzeitig in Plattformentwicklung und in die Generierung präklinischer Nachweise investiert, was die Verhandlungsposition gegenüber möglichen Lizenznehmern verbessern kann. Investoren mit Branchenexpertise wie AdBio Partners oder Takeda Ventures bringen neben Kapital auch Zugang zu regulatorischem Know‑how und zu potenziellen Ko‑Entwicklungsnetzwerken, was für Technologieplattformen in diesem Stadium besonders wertvoll ist. Gleichzeitig bleibt die Kommerzialisierung von Gen‑ und Zelltherapien kapitalintensiv; Lizenz‑ und Ko‑Entwicklungsverträge können Einnahmen generieren, setzen aber oft Meilensteins‑ und Umsatzbeteiligungsstrukturen voraus, die Zeit bis zu einer relevanten Erlösphase verlängern. Aus Sicht von Marktteilnehmern ist entscheidend, ob FiCAT gegenüber alternativen Editierungs‑ und Lieferansätzen nicht nur im Labor, sondern auch in standardisierten Produktionsprozessen Vorteile bietet. Regulatorisch stehen Fragen zur Langzeitstabilität, möglichen Insertions‑Risiken und zur Immunogenität von Transposase‑basierten Lösungen im Fokus, Themen, die in präklinischen Programmen detailliert adressiert werden müssen. Für internationale Kooperationen kann die Kombination aus EU‑Förderung und privatem Kapital Vertrauen schaffen, weil sie technische und finanzielle Ressourcen bündelt. Auf Investorseite dürften nächste Bewertungsschritte und Folgefinanzierungen davon abhängen, ob Integra in den kommenden zwölf bis 24 Monaten belastbare präklinische Daten vorlegt und erste Kooperationsvereinbarungen abschließen kann. Sollten solche Entwicklungen eintreten, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass Integra Lizenzdeals mit upfront‑Zahlungen oder meilensteinorientierten Vereinbarungen erzielt; alternativ könnten größere strategische Investitionen von Pharmaunternehmen folgen. Fazit: Die 10,7 Mio. €‑Finanzierung ist für Integra ein weiterer Schritt zur Konsolidierung seiner Technologieplattform und zur Vorbereitung von Partnerschaften, ersetzt aber nicht die Notwendigkeit stringenter präklinischer und regulatorischer Ergebnisse, die für eine nachhaltige Kommerzialisierung erforderlich sind.

Beobachter aus Venture Capital und Pharma sollten die nächsten Veröffentlichungen von Integra aufmerksam verfolgen, insbesondere Berichte zu präklinischen Wirksamkeitsdaten, zu In‑vitro und In‑vivo Sicherheitsprofilen sowie zu vertraglichen Partnerschaften, die den kommerziellen Weg der Plattform konkretisieren. Langfristig hängt der wirtschaftliche Erfolg neben technologischer Überlegenheit von der Fähigkeit ab, reproduzierbare Herstellungsverfahren zu etablieren, regulatorische Zulassungen zu erreichen, marktsegmente zu definieren und geeignete Ko‑Entwickler zu finden, die klinische Entwicklung zu finanzieren und für die Skalierung zu sorgen. Die aktuelle Finanzierungsrunde schafft die Grundlage, aber entscheidend bleiben Meilensteine mit überprüfbaren Daten, bevor größere strategische Engagements oder Exitoptionen realistisch werden. Investoren sollten daher Due‑Diligence‑Fragen zu Skalierung, Schutz des IP‑Portfolios und zu klinischen Zeitplänen priorisieren. Transparente Meilensteine erleichtern die Bewertung des Risikos und der Renditechancen insgesamt.

Quellenangaben