Kashimi sichert 1,36 Mio. $ Pre-Seed zur Expansion seiner A2A-Zahlungsinfrastruktur
Das 2024 gegründete Fintech Kashimi aus Vilnius hat eine Pre‑Seed‑Runde über 1,36 Mio. $ abgeschlossen. Kapital von Coinvest Capital (Lead), Impellent Ventures, Plug and Play und Business Angels fließt in den Ausbau der A2A‑Infrastruktur, Expansion in EU/UK und die Vorbereitung des US‑Markteintritts.

Kashimi, ein 2024 gegründetes Fintech mit Sitz in Vilnius, hat eine Pre‑Seed‑Finanzierung in Höhe von 1,36 Mio. $ abgeschlossen. Die Runde soll Produktentwicklung, Marktausweitung in Europa und Großbritannien sowie den Eintritt in die USA beschleunigen.
„Alternative payment methods are finally gaining momentum; customers are increasingly accustomed to these solutions.“ – Benas Pavlauskas, Co‑founder and CEO
Finanzierungsrunde – Faktenbox - Startup:
Sitz: Vilnius, Litauen
Branche: Fintech / Open‑Banking, Account‑to‑Account (A2A) Payments
Finanzierungsrunde: Pre‑Seed
Volumen: 1,36 Mio. $
Bisher eingesammelt: 1,36 Mio. $ (vorangegangene Runden wurden nicht berichtet)
Investoren: Coinvest Capital (Lead, Anteil berichtet), Impellent Ventures (US), Plug and Play Tech Center, internationale Business Angels
Verwendung der Mittel: Ausbau der A2A‑Infrastruktur, Markteintritt UK/EU, Vorbereitung und Beginn der US‑Expansion, Teilnahme am GOAL‑Programm von Plug and Play, Produkt‑ und Teamaufbau
Neue Personalien: Keine offiziellen Neubesetzungen veröffentlicht; Team besteht laut Unternehmensangaben aus rund 10 IT‑Ingenieuren mit Fokus Open Banking
Startup & Geschäftsmodell
Kashimi positioniert sich als Infrastruktur‑anbieter für finanzielle Institutionen und Payment Service Provider, der mittels einer einzigen API Zugang zu hunderten Banken ermöglicht. Technisch setzt das Unternehmen auf Payment Initiation Services (PIS) und weitere Open‑Banking‑Funktionen, um Konto‑zu‑Konto‑Zahlungen (A2A) in Echtzeit zu ermöglichen. Die Plattform adressiert Banken, E‑Geld‑Institute, PSPs, Wallets, Remittances‑ und FX‑Anbieter sowie Treasury‑Abteilungen und verspricht eine Integration, die in Wochen statt Monaten umgesetzt werden kann. Auf der Unternehmenswebseite werden u. a. automatische Compliance‑Mechanismen für PSD2‑ähnliche Regime, Monitoring‑Tools zur Erkennung von Bank‑Ausfällen und UX‑Optimierungen für höhere Conversion genannt. Kashimi betont zudem ein Developer‑freundliches API‑Design mit wenigen Endpunkten, das angeblich Hunderte oder gar tausend Bankverbindungen abdeckt.
Die gewählte Zielgruppe – regulierte Institute statt Endkunden‑Fintechs – ist strategisch bedeutsam: Institutionelle Integrationen dauern länger, sind aber wirtschaftlich attraktiver, weil sie oft höhere Volumen und längerfristige Verträge generieren. Kashimi versucht, durch ein Produktangebot mit Compliance‑Abdeckung, Skalierbarkeit über mehrere Märkte und Enterprise‑SLAs auf diese Nachfrage zu reagieren. Das Geschäftsmodell dürfte auf volumenabhängigen Gebühren, Integrations‑Services und möglicherweise Transaktions‑ oder Service‑Fees basieren; konkrete Preismodelle veröffentlichte das Unternehmen nicht.
Bedeutung der Runde für Startup & Markt
Die 1,36 Mio. $‑Runde ist in mehrfacher Hinsicht relevant: Erstens liefert sie Startkapital für die technisch anspruchsvolle Aufgabe, grenzüberschreitende A2A‑Zahlungen mit regulatorischer Robustheit zu skalieren. Zweitens signalisiert das Investoren‑Set – eine Kombination lokaler (Coinvest Capital) und US‑amerikanischer VCs (Impellent Ventures) sowie Plug and Play als strategischer Partner – eine Absicht, gleichzeitig europäische Marktkenntnis und Zugang zum US‑Ökosystem zu nutzen. Die Beteiligung von Plug and Play beinhaltet zudem die Teilnahme am sechswöchigen GOAL‑Programm, das Marktzugang, Netzwerk und Business‑Development in den USA unterstützen kann.
Marktseitig wächst der Bedarf an Alternativen zu Karten‑und Acquirer‑dominierten Flows: Händler suchen kostengünstigere, schnellerabrechnende Zahlungsmethoden mit niedrigerem Rückbuchungsrisiko; Verbraucher nehmen Bezahlpfade via Bank zunehmend an, insbesondere in Regionen mit starker Open‑Banking‑Adoption. Kashimi tritt damit in ein Umfeld mit mehreren etablierten Playern (AGGREGATORS und Banken‑APIs) sowie einer Reihe von spezialisierten Anbietern für „Pay by Bank“ und PIS‑Gateways. Der Wettbewerb verlangt technische Robustheit, regulatorische Expertise und ein breites Banknetzwerk. In diesem Kontext ist die frühe Finanzierung zwar überschaubar, aber ausreichend, um Integrationen mit ersten Kunden voranzutreiben und Proof‑of‑Concepts zu liefern.
Operativ ist zu beachten, dass Kashimi nach eigenen Angaben weniger als ein Jahr am Markt aktiv ist und bereits Integrationen mit ersten Kunden begonnen hat. Das spricht für eine schnelle Produktentwicklung, aber auch für ein Risiko in Bezug auf Kunden‑ und Umsatzdiversifikation: Frühphasen‑Infrastrukturunternehmen müssen neben Produktstabilität auch Vertrauens‑ und Compliance‑Barrieren überwinden, um größere Finanzinstitute als Kunden zu gewinnen.
Ausblick oder Marktvergleich
Kurzfristig dürfte Kashimi die Mittel primär nutzen, um Lücken im Bank‑Konnektivitätsportfolio zu schließen, Marktzulassungen und lokale Compliance‑Anforderungen für neue Jurisdiktionen adressierbar zu machen sowie Vertriebsaktivitäten in Großbritannien und Europa zu intensivieren. Die Teilnahme an Plug and Play‑Programmen deutet darauf hin, dass das Unternehmen operativ auf den US‑Markteintritt vorbereitet wird; in den USA ist das regulatorische und technische Umfeld jedoch fragmentierter als in Europa, weshalb Lokalisierung, Partnerschaften und ggf. lokale Betriebsstrukturen erforderlich sein werden.
Im Vergleich zu anderen Anbietern im Open‑Banking‑ und PIS‑Segment hat Kashimi den Vorteil, sich explizit an lizenzierte Finanzinstitutionen zu richten – ein Markt mit höheren Eintrittsbarrieren, aber auch höheren Erlöspotenzialen. Um sich im Wettbewerb zu differenzieren, werden Geschwindigkeit der Integrationen, Ausfallsicherheit, regulatorische Transparenz und Preisgestaltung entscheidend sein. Strategische Partnerschaften mit regionalen Banken, PSPs oder Zahlungsnetzwerken könnten für die Skalierung bedeutender sein als reine Produktinnovation.
Risiken bleiben: technologische Komplexität beim Aufbau zuverlässiger Bankverbindungen, Abhängigkeit von Partnernetzwerken, sowie die Notwendigkeit, Erfolgskunden zu referenzieren, um Vertrauen bei größeren Instituten aufzubauen. Sollte Kashimi in kurzer Zeit mehrere institutionelle Verträge schließen und reibungslose Live‑Integrationen vorweisen, könnte das Unternehmen Anschluss‑Finanzierungen für weiteres Wachstum in den USA und Asien leichter akquirieren.
Fazit: Die 1,36 Mio. $‑Pre‑Seed‑Finanzierung gibt Kashimi Luft, erste kommerzielle Schritte zu beschleunigen und die US‑Expansion vorzubereiten. Ob das Unternehmen den Technologie‑ und Markthürden erfolgreich begegnet, wird sich in den kommenden 12–18 Monaten zeigen, wenn es um Kundenakquise, Ausfallsicherheit und regulatorische Skalierung in mehreren Rechtsräumen geht. Für Investoren und Marktbeobachter bleibt Kashimi ein Beispiel für die zunehmende Internationalisierung von Open‑Banking‑Infrastruktur‑Anbietern, die versuchen, zwischen europäischer Regulierungsreife und globaler Zahlungsnachfrage zu vermitteln.