Model Health sammelt 1 Mio. $ ein, um Bewegungsanalyse per Smartphone zu demokratisieren
Das belgisch‑amerikanische Startup Model Health hat in einer Pre‑Seed‑Runde rund 1 Mio. $ (über 800 Tsd. €) aufgenommen, um laborgenaue Bewegungsanalysen aus Standard‑Smartphone‑Videos für Physiotherapeuten, Athletiktrainer und Sportkliniken bereitzustellen. Lead-Investor ist APEX Capital, weitere Investoren sind Syndicate One, LeanSquare, imec.istart sowie strategische Angel‑Investoren; die Mittel fließen in Produktentwicklung, Teamaufbau und kommerzielle Skalierung.

Die belgisch‑amerikanische Softwarefirma Model Health hat in einer Pre‑Seed‑Runde rund 1 Mio. $ (über 800 Tsd. €) eingesammelt. Ziel ist, laborgenaue Bewegungsanalysen aus Standard‑Smartphone‑Videos für Physiotherapeuten, Athletiktrainer und Sportkliniken weltweit verfügbar zu machen.
"Every athlete and patient deserves world-class movement analysis."
– Antoine Falisse, Co‑founder and CEO
Finanzierungsrunde – Faktenbox - Startup:
Startup: Model Health
Sitz: Brussels; Salt Lake City
Branche: Healthtech / Biomechanik / Software
Finanzierungsrunde: Pre‑Seed
Volumen: über 800 Tsd. € (≈1 Mio. $)
Bisher eingesammelt: Angaben zu früheren Runden: keine öffentlich bekannten Finanzierungsrunden vor dieser
Investoren: APEX Capital (Lead), Syndicate One; LeanSquare; imec.istart; strategische Angel‑Investoren
Verwendung der Mittel: Produktentwicklung, Aufbau Engineering‑Team, kommerzielle Skalierung und Onboarding von Kliniken
Neue Personalien: Drei Schlüsselpositionen geplant: Business Development Lead; Software Engineering Lead; Algorithm & Data Scientist (in Rekrutierung)
Startup & Geschäftsmodell
Model Health kombiniert Verfahren aus der Biomechanik mit maschinellem Lernen, um aus gewöhnlichen Smartphone‑Videos standardisierte, klinisch relevante Bewegungskennzahlen abzuleiten. Kernprodukt ist eine iOS‑Aufnahmefunktion kombiniert mit einer webbasierten Analyseplattform, die automatisierte Module für häufige physikalische Tests und Rehabilitationsszenarien anbietet. Technisch nutzt das Team markerlose Pose‑Estimation, biomechanische Modellierung und Validierungsdaten aus akademischer Forschung, wobei Gründer aus Stanford und der University of Utah die wissenschaftliche Grundlage liefern. Die Plattform zielt auf Praktiker, die keine teure Laborausstattung besitzen, und verspricht skalierbare, reproduzierbare Ergebnisse statt subjektiver Einschätzungen. Model Health betont Validierung: Die Technologie wurde laut Unternehmensangaben in Forschungsumgebungen eingesetzt und greift auf bestehende wissenschaftliche Bibliotheken zurück.
Die Gründerkonstellation kombiniert akademische Forschung und Produktmanagement: Antoine Falisse und Scott Uhlrich bringen Forschungshintergrund aus Stanford und der University of Utah, während Nicolas Bellemans kommerzielle Erfahrung aus Beratungs‑ und Produktfunktionen einbringt. Die wissenschaftliche Basis ist wichtig, weil Bewegungsanalyse anspruchsvolle Validierungen erfordert; Leistungsdaten müssen physiologisch interpretierbar sein und sich gegenüber optischen Motion‑Capture‑Systemen oder Marker‑basierten Messungen behaupten. Model Health adressiert das durch eine Kombination aus algorithmischer Modellierung, akademischen Validierungsstudien und der Zusammenarbeit mit Praxispartnern. Nach eigenen Angaben ist die Lösung bereits in etwa einem Dutzend Kliniken im Einsatz; konkrete unabhängige Studien dazu stehen noch aus, das Unternehmen verweist jedoch auf frühere akademische Arbeit der Gründer als Beleg für die wissenschaftliche Fundierung.
Kundenfeedback in frühen Pilotprojekten hebt die Praxisrelevanz hervor: Schnellere Screenings, reproduzierbare Tests und die Möglichkeit, Patientenfortschritt quantitativ zu dokumentieren, werden als unmittelbare Vorteile genannt. Solche Nutzenargumente sind für Kliniken relevant, weil sie administrativen Aufwand reduzieren und die Positionierung von Dienstleistungen stärken können.
Bedeutung der Runde für Startup & Markt
Für Model Health ist die Runde ein klassischer Produkt‑ und Marktreife‑Schub: Mit den Mitteln will das Unternehmen die Algorithmen weiterentwickeln, das Engineering‑Team ausbauen und erste kommerzielle Skalierungsschritte gehen. Angesichts fragmentierter Versorgungsstrukturen im Gesundheits‑ und Profisportbereich können mobile, kostengünstige Messverfahren die Zugangsbarrieren senken und neue Erlösmodelle für Kliniken und Teams eröffnen. Investoren wie APEX Capital bringen neben Kapital branchenspezifisches Know‑how und Zugang zu Sportorganisationen; das erhöht die Chance auf schnelle Pilotierungen und Referenzkunden. Für den breiteren Markt signalisiert die Runde, dass Bewegungstechnologien, die früher Forschungseinrichtungen vorbehalten waren, zunehmend in kommerzielle Produkte überführt werden.
Finanziell bleibt die Runde überschaubar, doch für das Pre‑Seed‑Stadium typisch: Mit dem Kapital lässt sich der Prototyp professionalisieren, erste zahlende Kunden zu gewinnen und robuste Produkt‑Markt‑Fit‑Signale zu erbringen. Ein mögliches Geschäftsmodell sind abonnementbasierte Lizenzen pro Praxis oder Nutzer sowie volumenbasierte Tarife für Team‑Screenings im Profisport.
Ausblick oder Marktvergleich
Kurzfristig dürfte Model Health den Fokus auf Proof‑of‑Value bei Sportkliniken und Partnern wie Decathlon legen, um Nutzungsszenarien zu schärfen und wiederkehrende Erlöse zu generieren. Mittelfristig sind mehrere Skalierungspfade denkbar: Lizenzierung an Klinikketten, Abonnements für Praxen, B2B‑Integrationen mit Sportgeräteherstellern oder Plattformpartnern sowie Datenprodukte für Forschung und Produktentwicklung. Der Wettbewerb umfasst sowohl spezialisierte Startups als auch etablierte Anbieter von Bewegungsanalyse und Wearables; Model Healths Vorteil liegt in der Kombination aus wissenschaftlicher Validierung und Minimalhardware‑Ansatz.
Risiken bestehen in regulatorischen Anforderungen, Datenschutzfragen bei Videoaufnahmen sowie der Notwendigkeit, klinische Validität gegenüber Goldstandard‑Messverfahren nachzuweisen. Strategisch ist die Partnerschaft mit Akteuren wie Decathlon ein wichtiger Türöffner: Retail‑ und Sportmarken können als Multiplikatoren fungieren, etwa durch Integration in R&D‑Zentren oder gemeinsame Pilotprogramme. Gleichzeitig bleibt die Einbindung von Kliniknetzwerken essenziell, um den Einsatz im medizinischen Alltag zu verankern.
Für Investoren stellt sich die Frage nach Skalierbarkeit und Differenzierung: Markerlose Systeme sind zwar kosteneffizient, doch die Validität über verschiedene Kameramodelle, Lichtverhältnisse und Bewegungsformen muss sich in größeren Studien beweisen. Sollte Model Health hier robust performen, eröffnet sich ein großer adressierbarer Markt sowohl im B2B‑Gesundheitsmarkt als auch im Bereich Sporttechnologie. Langfristig sind Optionen wie White‑Label‑Integrationen, Partnerschaften mit Telemedizin‑Plattformen oder der Aufbau eigener Datensätze für algorithmische Zusatzprodukte denkbar. Aus Sicht von Exits kommen strategische Käufer aus dem Bereich Medizintechnik oder Sporttechnologie infrage; auch ein Zusammenschluss mit größeren Health‑SaaS‑Anbietern wäre möglich.
Regulatorisch und ethisch sind klare Richtlinien zum Umgang mit Video‑Daten nötig; Patienten‑ und Athletenrechte, sichere Speicherung und anonymisierte Weiterverwendung für Forschung sind zentrale Themen, die technische Maßnahmen und rechtliche Absicherung erfordern.
Fazit: Die Runde ist typisch für daten‑ und forschungsintensive Health‑Startups im Pre‑Seed: Sie liefert genug Kapital, um Validierung und Produktreife voranzutreiben, stellt das Team aber vor der Herausforderung, schnelle kommerzielle Meilensteine zu erreichen und gleichzeitig wissenschaftliche Glaubwürdigkeit zu sichern. In den kommenden zwölf Monaten wird sich zeigen, ob Model Health die erhofften Pilotkunden in zahlende Abonnenten umwandeln kann und ob die Technologie die Robustheit liefert, die klinische Entscheider erwarten. Investoren werden besonders auf Nutzungsmetriken, Kundenbindung und die Nachweise klinischer Validität achten.
Das Management plant internationale Expansion mit Fokus auf EU‑ und Nordamerika‑Märkte und priorisiert lokale Compliance‑Anforderungen. Unternehmensbewertung wurde nicht veröffentlicht; das Team nennt keine weiteren finanziellen Details.
Quellenangaben
TechFundingNews: https://techfundingnews.com/model-health-raises-1m-to-democratise-movement-analysis/
Startup-Website: https://www.modelhealth.io