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Roseman Labs sichert 5 Mio. € Series A-Finanzierung und skaliert Trusted Collective Intelligence

Das in Utrecht ansässige Deep-Tech-Startup Roseman Labs hat eine Series-A-Runde über 5 Mio. € abgeschlossen (Lead: G+D Ventures; weitere: Swiss Post Ventures, Mozilla Ventures, NGS Capital; bestehende Investoren: Matterwave Ventures, Spacewalk VC, NP-Hard Ventures). Das Kapital fließt in kommerzielle Expansion in Europa, strategische Partnerschaften in den USA sowie Produktentwicklung und Skalierung der MPC-basierten Plattform für verschlüsselte Datenauswertung.

Samuel Gassauer
Samuel Gassauer
5. September 20255 min
Roseman Labs sichert 5 Mio. € Series A-Finanzierung und skaliert Trusted Collective Intelligence

Das in Utrecht ansässige Deep Tech Startup Roseman Labs hat eine Series A Finanzierungsrunde über 5 Mio. € abgeschlossen. Die Transaktion wurde laut öffentlichen Mitteilungen am 2. September 2025 bekanntgegeben und soll die kommerzielle Expansion in Europa und die Ausweitung strategischer Partnerschaften in die USA beschleunigen.

„Modern AI solutions depend on data from multiple organizations, but until now, sensitive information has been too risky to share. Our collective intelligence platform removes those barriers by enabling computations directly on encrypted data.“
– Roderick Rodenburg, CEO

Finanzierungsrunde – Faktenbox - Startup:

  • Startup: Roseman Labs

  • Sitz: Utrecht, Niederlande

  • Branche: Privacy Enhancing Technologies / Multi-Party Computation / Cybersecurity

  • Finanzierungsrunde: Series A

  • Volumen: 5 Mio. €

  • Bisher eingesammelt: 9 Mio. €

  • Investoren: G+D Ventures (Lead), Swiss Post Ventures, Mozilla Ventures, NGS Capital; bestehende: Matterwave Ventures, Spacewalk VC, NP-Hard Ventures

  • Verwendung der Mittel: Kommerzielle Expansion, Partnerschaften, Produktentwicklung, Skalierung

  • Neue Personalien: Keine Angaben

Startup & Geschäftsmodell

Roseman Labs entwickelt eine Plattform für verschlüsselte Datenauswertung, die mithilfe von Multi‑Party Computation (MPC) erlauben soll, mehrere Datensätze zu verknüpfen und statistisch zu analysieren, ohne dass Rohdaten offengelegt werden. Das Produkt, oft als Virtual Data Lake bezeichnet, richtet sich an staatliche Institutionen, Gesundheitswesen, Finanzdienstleister und Sicherheitsbehörden. Technisch bietet das Unternehmen eine Python‑Schnittstelle (crandas), eine Reihe fertiger Analysefunktionen und Infrastruktur, die auf europäischen Cloud‑Anbietern betrieben wird, um Datenschutz und Souveränität zu gewährleisten.

Im Kern setzt Roseman Labs auf skalierbare Implementierungen von Multi‑Party Computation, kombiniert mit datengovernancefunktionen, Approval‑Flows und Key‑Management, sodass teilnehmende Organisationen die Kontrolle über ihre Schlüssel behalten. Die Produktdokumentation und Python‑Bibliothek crandas vereinfachen die Integration in bestehende Data‑Science‑Workflows; Nutzer beschreiben die Performance als genug performant für Millionensätze. Zertifizierungen wie ISO27001 und NEN7510 sowie eine positive Baseline Product Security Assessment durch ein Labor unter Aufsicht des niederländischen Geheimdienstes stärken das Vertrauen öffentlicher Auftraggeber.

Bedeutung der Runde für Startup & Markt

Die von G+D Ventures angeführte Runde signalisiert institutionelles Vertrauen von Akteuren mit tiefem Fokus auf digitale Sicherheit und Zahlungsinfrastruktur, was strategisch zur Positionierung im Bereich TrustTech passt. Für Roseman Labs bedeutet das Kapital eine Beschleunigung kommerzieller Aktivitäten in Märkten, in denen datenschutzkonforme Kollaboration und souveräne Infrastruktur hohe Priorität haben, namentlich Gesundheitswesen, nationale Sicherheit und Finanzaufsicht. Die Runde hat außerdem Signalwirkung: Institutionelle Investoren wie Swiss Post Ventures oder Mozilla Ventures können als Türöffner für Partnerschaften und regulatorische Akzeptanz dienen. Da das Team bereits produktiv in mehreren Use Cases arbeitet und mehr als 150 Institutionen referenziert, reduziert dies ein übliches Adoption‑Risiko bei PET (Privacy Enhancing Technologies).

G+D Ventures bringt durch seine Verbindung zu Giesecke+Devrient tiefe Expertise in digitalen Vertrauensdiensten und Beziehungskanäle zu Zentralbanken und Finanzinfrastrukturen, was Roseman Labs beim Eintritt in Zahlungs‑ oder Zentralbankkontexten helfen könnte. Swiss Post Ventures verfügt über Kontakte in Logistik‑ und öffentlichen Diensten, während Mozilla Ventures thematisch zur Mission der Firma passt, verantwortungsvolle Privatsphärenlösungen zu fördern. Zusammengenommen deuten die Investorenprofile auf eine Strategie hin, Geschäftsbeziehungen in hochregulierten Segmenten zu stärken.

Der adressierbare Markt umfasst dataspaces und vertrauliche Kollaborationen in Gesundheit, Sicherheit und Finanzen; Experten schätzen den wirtschaftlichen Hebel datengetriebener Zusammenarbeit als erheblich, was Chancen für SaaS‑Lizenzmodelle, Consulting und Plattformgebühren schafft.

Ausblick oder Marktvergleich

Kurzfristig dürfte das frische Kapital vor allem in Go‑to‑Market, Compliance‑Zertifizierungen und die Erweiterung von Integrationen fließen, etwa für Cloud‑Provider und Analyse‑Toolchains. Mittelfristig stellt sich die Frage, ob Roseman Labs bei steigender Nachfrage nach datenhungriger KI als Infrastrukturpartner für verschlüsselte Trainingsdaten bestehen kann oder ob spezialisierte Anbieter und Hyperscaler ähnliche Funktionen integrieren. Der europäische Standort und die Betonung auf Souveränität sind gleichzeitig Wettbewerbsvorteile gegenüber US‑Anbietern, bringen aber auch die Notwendigkeit mit sich, internationale Kunden über Compliance‑ und Integrationsfragen zu überzeugen. Verglichen mit anderen europäischen PET‑Anbietern ist Roseman Labs durch seine Produktionsreife und Referenzkunden gut positioniert; die Bewertung wurde nicht veröffentlicht.

Risiken bleiben: technologische Mitbewerber, interne Komplexität von MPC‑Workflows und die Möglichkeit, dass Hyperscaler oder etablierte Softwareanbieter ähnliche Funktionen in ihre Plattformen integrieren. Demgegenüber spricht die Kombination aus Produktreife, behördlichen Referenzen und europäischen Compliance‑Vorteilen für eine nachhaltige Differenzierung, sofern Roseman Labs die technischen Kosten pro Analyse weiter reduziert und die Kundenakquise skaliert.

Die Gesellschaft hat offiziell erklärt, dass Mittel in kommerzielle Expansion, Partnerschaften und Produktentwicklung fließen; konkrete Personalpläne wurden nicht veröffentlicht, aber die Stellenanzeigen deuten auf Ausbau in Vertrieb und Engineering hin. Beobachter sollten daher in den kommenden 12–24 Monaten auf Kundenwachstum, Integrationen mit Cloud‑Providern und erste kommerzielle Referenzprojekte in den USA achten.

Technologische Details & Partnerschaften

Roseman Labs betont in der Produktkommunikation eine pragmatische Balance zwischen Forschungskryptographie und Entwicklerfreundlichkeit. Die Bibliothek crandas erlaubt Data Scientists, gewohnte Python‑Workflows zu nutzen, während die Plattform im Hintergrund MPC‑Protokolle orchestriert. Benchmarks in Kooperation mit Technologiepartnern wie Intel zeigen Fortschritte in Durchsatz und Latenz, die für reale Produktionslasten relevant sind.

Strategische Partnerschaften demonstrieren konkrete Anwendungsfälle: Die Zusammenarbeit mit spotixx zur Plattform Qorum adressiert AML‑Untersuchungen über Banken hinweg, während Projekte mit kommunalen und medizinischen Einrichtungen die Anwendbarkeit in Sozial‑ und Gesundheitsdaten belegen. Roseman Labs nennt Referenzen wie UMC Utrecht, Gemeente Rotterdam und SecureNed; Auszeichnungen wie die Dutch Privacy Awards und ISO‑Zertifizierungen tragen zur Vertrauensbildung bei, insbesondere bei öffentlichen Auftraggebern.

Für Investoren ist die Runde ein typisches Folgeinvestment in einen europäischen Deep‑Tech‑Player mit konkreter Produktreife; für Kunden ein Signal, dass verschlüsselte Datenanalyse nicht länger Forschungsexperiment, sondern kommerziell einsetzbare Option ist. Gleichwohl bleibt die Herausforderung, ökonomie und Bedienbarkeit in Einklang zu bringen: Unternehmen müssen verstehen, welche Fragen sich kosteneffektiv in einer MPC‑Umgebung beantworten lassen, und Roseman Labs muss nachweisen, dass sich der Mehrwert in Entscheidungsprozessen messbar realisiert. Beobachter sollten daher auf erste öffentliche Implementationen in transnationalen Projekten, auf kommerzielle Umsatztrends und auf mögliche strategische Partnerschaften mit Cloud‑Anbietern achten. Die Bewertung blieb ungenannt; Transparenz über KPIs wird entscheidend sein für Investoren und Kunden.

Quellenangaben