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SafeHeal erhält 10 Mio. € Nachschuss zu Series C und treibt Colovac-Expansion voran

SafeHeal (Paris/Tampa) erweitert seine Series C um 10 Mio. €. Das Kapital beschleunigt die US‑IDE‑Pivotalstudie für das Colovac‑System und unterstützt den EU‑Rollout; Lead‑Investor ist Asabys Partners, Josep Ll. Sanfeliu rückt ins Board.

Samuel Gassauer
Samuel Gassauer
10. September 20254 min
SafeHeal erhält 10 Mio. € Nachschuss zu Series C und treibt Colovac-Expansion voran

Paris- und Tampa-basierte Medtech-Firma SafeHeal hat eine Erweiterung ihrer Series‑C-Finanzierung in Höhe von 10 Mio. € abgeschlossen. Die Mittel sollen die US‑pivotalstudie für das Colovac‑System beschleunigen und den europäischen Rollout unterstützen.

„This is a pivotal achievement for our company and a testament to the dedication of our regulatory, clinical, and engineering teams.“ – Chris Richardson, President and Chief Executive Officer

Finanzierungsrunde – Faktenbox

  • Startup: SafeHeal

  • Sitz: Paris (Frankreich) und Tampa, FL (USA)

  • Branche: Medtech / Kolorektale Chirurgie

  • Finanzierungsrunde: Series C (Erweiterung / Nachschuss)

  • Volumen: 10 Mio. €

  • Bisher eingesammelt: 97,5 Mio. € (laut Berichterstattung)

  • Investoren: Asabys Partners (Lead der Erweiterung); frühere Anleger einschließlich Solar Eclipse, Sofinnova Partners, Gideon Strategic Partners, M&L Healthcare.

  • Verwendung der Mittel: Beschleunigung der IDE‑pivotalstudie in den USA, Vorbereitung der Markteinführung in Europa und Marktzulassungsvorbereitung.

  • Neue Personalien: Josep Ll. Sanfeliu (Asabys) benannt als neues Aufsichtsgremiumsmitglied / Boardmitglied (gemeldet).

Startup & Geschäftsmodell

SafeHeal entwickelt das Colovac‑System, ein temporäres endoluminales Bypass‑Sheath, das nach kolorektaler Resektion am Anastomoseort platziert wird, um Fäkal‑Kontakt während der kritischen Heilungsphase zu vermeiden. Die reversible Vorrichtung verbleibt etwa zehn Tage und wird endoskopisch entfernt. Das Konzept zielt darauf ab, temporäre Stomata zu vermeiden, zweiter Operationen vorzubeugen und die Lebensqualität der Patienten zu verbessern. Unternehmensangaben beschreiben SafeHeal als klinisch orientiertes Medtech‑Unternehmen mit Gründungsjahr 2015 und Aktivitäten in Europa und den USA.

Die Erlösquelle orientiert sich mittel‑ bis langfristig an Geräteumsatz, OP‑Zubehör und potenziellen Service‑Erlösen durch Begleitprotokolle und Schulungen. Die Markteinführung hängt von regulatorischen Entscheidungen, Reimbursement‑Kriterien und Akzeptanz durch Chirurgen ab. Die Firma hat auf Basis klinischer Studien bereits Breakthrough‑Device‑Status und EU‑Zulassungsschritte angestrebt beziehungsweise erreicht.

Bedeutung der Runde für Startup & Markt

Die 10 Mio. € Erweiterung ist operativ bedeutsam, weil sie gezielt die laufenden US‑IDE‑Studien stützt und den kommerziellen Ausbau in EU‑Märkten flankiert. Frühere Kapitalbeschaffung (35 Mio. € Series C im Frühjahr 2025) hatte bereits die Vorbereitung der IDE‑Pivotalstudie und erste Skalenschritte finanziert; die jetzige Tranchen‑Erweiterung signalisiert, dass Investoren zusätzliches Vertrauen in klinische Daten und Kommerzialisierungspläne setzen.

Für Investoren bleibt das Chancen‑Risiko‑Profil typisch für klinisch getriebene Medtech‑Wetten: hoher Kapitaleinsatz vor breiter Marktzulassung, aber auch entsprechendes Upside bei erfolgreicher Substitution temporärer Stomata. Ökonomisch könnten vermiedene Revisionsoperationen, kürzere Krankenhausernährungszeiten und geringere Stoma‑Pflege‑Kosten das Gesundheitssystem signifikant entlasten und den Kostennutzen des Geräts stützen.

Ausblick oder Marktvergleich

Kurzfristig liegt die Priorität auf dem Abschluss der IDE‑Studie in den USA, dem Ausbau von Demonstrationszentren und dem Aufbau von Erstattungs‑Pfaden. SafeHeal hat im August 2025 eine EU‑Marketing‑Zulassung für Colovac unter der MDR gemeldet, was den europäischen Rollout erleichtern dürfte; die US‑Zulassung bleibt jedoch ein kritischer Meilenstein für breitere Skalierung.

Im Wettbewerbsumfeld existieren Ansätze zur Reduktion von Anastomosenkomplikationen (sowohl chirurgische Techniken als auch absorbierbare Schutzsysteme), doch wenige Lösungen adressieren die Problematik als reversible endoluminale Bypass‑Lösung wie Colovac. Die Differenzierung wird von klinischen Endpunkten, Handhabung im Operationssaal und wirtschaftlicher Attraktivität für Krankenhäuser abhängen. Institutionelle Investoren mit Erfahrung in medizintechnischen Kommerzialisierungen dürften deshalb den weiteren Verlauf aufmerksam begleiten.

Global betrachtet werden jährlich mehr als zwei Millionen kolorektale Resektionen durchgeführt; die genaue Zielpatientenzahl für Colovac hängt jedoch von Indikationskriterien, Tumorlokalisation und Risikostrata ab. Selbst bei konservativer Marktdurchdringung könnte ein System, das temporäre Stomata vermeidet, in ausgewählten Zentren schnell Adoption finden. Ökonomisch ist für Krankenhäuser der unmittelbare Vorteil durch kürzere stationäre Verweildauern und reduzierte Nachsorgekosten relevant; für Kostenträger werden robuste gesundheitsökonomische Daten notwendig sein, um Erstattungsentscheidungen zu rechtfertigen. SafeHeal muss daher parallel zur klinischen Studie überzeugende Health‑Technology‑Assessment‑(HTA)‑Daten liefern, die sowohl Komplikationsraten als auch Gesamtkosten des Patientenpfads abbilden.

Für Investoren stellt die Erweiterung eine typische Brückenfinanzierung dar, die den Abstand bis zu nächsten klinischen Readouts überbrücken soll. Strategisch relevante Käufer für einen erfolgreichen Exit würden vor allem große Medizintechnik‑Konzerne mit Abteilungen für chirurgische Verbrauchsartikel oder Unternehmensbereiche im Bereich Darmchirurgie sein. Parallel sind auch Plattform‑Akkubatoren und strategische Gesundheitsdienstleister mögliche Partner, falls Colovac in Reha‑ und Nachsorgeprotokolle integriert wird. Die Bewertung der Firma wurde im Zuge der Runde nicht öffentlich gemacht, weshalb genaue Rückschlüsse auf Verwässerungseffekte oder Cap‑Table‑Struktur begrenzt sind. Investoren werden besonders auf Indikatoren wie Reduktion der Anastomoseninsuffizienz, Reoperationsraten und post‑operativen Morbidität achten. Frühzeitige operative Erfolge in Lehrkrankenhäusern und ein überzeugendes Schulungsprogramm für Chirurgen gelten als Schlüsselfaktoren für die Skalierung. Sollte SafeHeal die US‑IDE‑Studie erfolgreich abschliessen und Erstattungsregionen erschliessen, wäre der Weg zu strategischen Partnerschaften oder einem Trade‑Sale offen; ein IPO bleibt aufgrund der Branchencharakteristika längerfristig möglich, aber von weiteren klinischen und kommerziellen Nachweisen abhängig.

Investoren sollten kurzfristig drei Indikatoren im Blick behalten: Rekrutierungsraten der IDE‑Studie, Zwischenanalysen zu Komplikationsraten und erste wirtschaftliche Modellrechnungen für ausgewählte Gesundheitssysteme. Positive Signale in diesen Bereichen würden die Bewertungsdynamik deutlich verändern und strategische Gespräche beschleunigen; negative Ergebnisse würden hingegen die Zeitachse bis zur breiten Kommerzialisierung verlängern.

Das Investment bleibt eine datengetriebene Wette mit klarem Exit‑Pfad bei positiven Nachweisen und mit internationaler Skalierungsperspektive.

Quellenangaben