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SaXcell sichert 4 Mio. € für Ausbau von Produktion und Zellstoff-Entwicklung

SaXcell BV hat eine 4-Mio.-€-Finanzierungsrunde abgeschlossen, um in Enschede eine Small-Scale-Produktionsanlage und ein Pulp Development Centre aufzubauen. Die Mittel stammen u. a. von bestehenden Industriegesellschaftern; neue Lead-Investoren wurden nicht genannt. Ziel ist die Skalierung des chemischen Textilrecyclings von Baumwollabfällen zu Zellstoffpulpe, unterstützt durch Partnerschaften wie mit Birla Cellulose.

Samuel Gassauer
Samuel Gassauer
11. September 20254 min
SaXcell sichert 4 Mio. € für Ausbau von Produktion und Zellstoff-Entwicklung

Die niederländische SaXcell hat eine Finanzierungsrunde in Höhe von 4 Mio. € abgeschlossen, mit der das Unternehmen seine geplante Produktionsstätte in Enschede sowie ein Zentrum zur Entwicklung von Zellstoff-Produkten vorantreiben will. Die Mittel stammen nach Angaben der Berichterstattung unter anderem von bestehenden Industriegesellschaftern; namentlich genannte neue Lead‑Investoren wurden bislang nicht veröffentlicht.

„to address today’s social and environmental challenges of the textile industry, global collaboration is imperative.“
– Erik van der Weerd, Chief Executive Officer

Finanzierungsrunde – Faktenbox

  • Startup: SaXcell BV

  • Sitz: Enschede, Niederlande.

  • Branche: Chemische Textilrecycling / Man‑made cellulose fibres (MMCF).

  • Finanzierungsrunde: Eigenkapital‑Finanzierung (Detailtyp nicht veröffentlicht).

  • Volumen: 4 Mio. €.

  • Bisher eingesammelt: Angaben zur bisherigen Gesamtsumme wurden nicht veröffentlicht.

  • Investoren: Laut verfügbaren Quellen Unterstützung durch bestehende türkische und niederländische Industriegesellschafter; keine vollständige Investorennennung publiziert.

  • Verwendung der Mittel: Aufbau einer Small‑Scale‑Produktionseinheit in Enschede, Errichtung eines „Pulp Development Centre“ zur Weiterentwicklung von Zellstoffpulp, Skalierung der Produktion sowie operative Expansion.

  • Neue Personalien: Keine spezifisch neuen Management‑Ernennungen mit der Runde kommuniziert; die Geschäftsführung besteht weiterhin aus CEO Erik van der Weerd sowie bekannten Führungskräften (CMO, CTO, CFO) laut Unternehmensseite.

Startup & Geschäftsmodell

SaXcell ist ein Spin‑off aus der Saxion University of Applied Sciences und entwickelt ein chemisches Recyclingverfahren zur Umwandlung von gebrauchten Baumwolltextilien in Zellstoffpulpe, die anschließend per Lyocell‑Wetspinning zu hochwertigen Fasern verarbeitet werden kann. Das Geschäftsmodell zielt auf ein Faser‑to‑Fibre‑Ökosystem: gesammelte und sortierte Gebrauchttextilien dienen als Rohstoff, der in einer geschlossenen Prozesskette aufbereitet, entfärbt, entstört und zu SaXcell‑Pulpe veredelt wird. Das Produkt lässt sich in bestehenden Spinn‑ und Textilprozessen verwenden und adressiert damit Marken und Hersteller, die auf hochwertige, zirkuläre Fasern angewiesen sind.

Kommerzielle Validierung erfolgt über Partnerschaften entlang der Wertschöpfungskette: SaXcell arbeitet mit Sammlern, Sortierern und Spinnpartnern sowie mit Birla Cellulose im Bereich Wet‑Spinning zusammen. Letztere Zusammenarbeit wurde 2023 in einem Memorandum of Understanding vertieft und dient SaXcell als Hebel, um Produktionskapazitäten und Marktzugang zu beschleunigen. Pilotproduktion läuft seit 2020; Pläne bestehen, die Kapazität sukzessive von Pilot‑ zu Klein‑ und anschließend zu größeren Produktionsanlagen zu steigern.

Bedeutung der Runde für Startup & Markt

Die zusätzliche Finanzierung von 4 Mio. € ist für SaXcell ein typischer Scale‑up‑Baustein: Die Mittel ermöglichen den Übergang von Demonstrations‑ und Pilotstadien in eine erste kommerzielle Produktionseinheit in Enschede und unterstützen zugleich weitere F&E‑Arbeiten am Pulpprozess. Für Investoren im Segment Climate/ESG‑orientierter Industrial Tech bleibt das Geschäftsmodell attraktiv, weil es mehrere drängende Probleme der Textilindustrie adressiert — Ressourcenschonung, Reduktion des Wasserverbrauchs und Verringerung von Textilabfall.

Aus Sicht der Wertschöpfung ist wichtig: SaXcell positioniert sich nicht als bloßer Rohstofflieferant, sondern als Technologieanbieter, der durch Pulpentwicklung und Standardisierung der Faserqualität die Rückführung von Alttextilien in hochwertige Produktketten ermöglichen will. Sollte die technische Performance (Faserqualität, Färbbarkeit, Mischbarkeit) und die Lieferkette stabil skaliert werden, können Marken die Materialkosten‑ und Beschaffungsrisiken reduzieren und regulatorische Vorgaben zur Kreislaufwirtschaft besser erfüllen. Die Partnerschaft mit einem großen Wet‑Spinning‑Partner wie Birla erhöht die Validität der technischen Lösung und reduziert Markteintrittsbarrieren für SaXcell.

Für den europäischen Markt besitzt die Runde Signalwirkung: Sie zeigt, dass sektornahe industrielle Beteiligungen (Sammler, Textilproduzenten, regionale Industriekonzerne) bereit sind, in die Skalierung von Recycling‑Technologien zu investieren. Gleichzeitig bleibt die Kapitalintensität solcher Produktionsanlagen hoch; 4 Mio. € decken typischerweise die initiale Anlagen‑ und Entwicklungsphase ab, nicht aber den kompletten Roll‑out auf industrielle Volumina. Angaben zu Folgerunden oder zu strategischen Offtake‑Vereinbarungen wurden bislang nicht publiziert.

Ausblick oder Marktvergleich

Kurzfristig dürfte SaXcell die Mittel nutzen, um die Small‑Scale Production Plant (SSPP) in Enschede und ein Pulp Development Centre betriebsbereit zu machen, Qualitätsparameter zu stabilisieren und erste kommerzielle Abnehmer zu gewinnen. Mittelfristig ist die Zielachse eine Skalierung auf mehrere Tausend Tonnen Jahreskapazität, kombiniert mit vertikalen Kooperationen (Spinnen, Weben, Markenpartnerschaften) und möglicher geografischer Ausweitung — etwa in Produktionsregionen mit bestehender Textilindustrie.

Im Marktvergleich konkurriert SaXcell mit anderen Initiativen im Bereich chemischer Recyclingverfahren für Cellulose‑ und Baumwollabfälle; Unterschiede ergeben sich vor allem aus dem gewählten Pulpprozess (Lyocell‑basiert) und der konkreten Integrationsstrategie mit industriellen Wet‑Spinning‑Partnern. Investoren werden künftig auf Kennzahlen wie Herstellkosten pro kg SaXcell‑Pulpe, Anteile an Sekundärfaser in Endprodukten, CO₂‑Bilanzierungsdaten und vertraglich abgesicherte Abnahmemengen achten. Solche Kennzahlen sind bislang nicht vollständig offengelegt; Unternehmensbewertung und bisheriges Gesamtkapital wurden nicht veröffentlicht.

Fazit: Die 4 Mio. €‑Finanzierung ist ein relevanter, aber erwartungsgemäß moderater Kapitalzufluss für ein Industrialisierungsprojekt in der Textilrecycling‑Nische. Entscheidend für den Investitionsverlauf werden technische Validierung, stabile Zulieferketten für sauberes Futtermaterial, Partner‑Offtakes und die Fähigkeit sein, weitere Folgefinanzierungen oder strategische Industriepartner zu gewinnen, um die Produktion auf kommerzielles Volumen zu bringen.

Quellenangaben