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TrustNXT sichert 1,6 Mio. € Pre‑Seed zur Absicherung visueller Daten gegen KI‑Manipulation

Das Hamburger DeepTech-Startup TrustNXT sichert 1,6 Mio. € Pre‑Seed, angeführt von D11Z.Ventures und dem High‑Tech Gründerfonds, um seine Lösung zur Absicherung von Bildern und Videos gegen KI‑Manipulationen voranzutreiben. Das Kapital fließt in Produktentwicklung, Echtzeit‑Schutz für Video und industrielle Piloten, mit Fokus auf B2B‑Anwendungen in Versicherungen, Überwachung und Industrie.

Samuel Gassauer
Samuel Gassauer
5. September 20255 min
TrustNXT sichert 1,6 Mio. € Pre‑Seed zur Absicherung visueller Daten gegen KI‑Manipulation

Die Hamburger DeepTech‑Firma will mit kryptografischen Signaturen und Computer‑Vision‑Methoden Authentizität von Bildern und Videos in sicherheitskritischen B2B‑Prozessen garantieren. Die aktuelle Finanzierungsrunde über 1,6 Mio. € wird von D11Z.Ventures und dem High‑Tech Gründerfonds getragen und soll Produktentwicklung sowie industrielle Piloten finanzieren.

„In einer Welt, in der KI in Sekunden täuschend echte Bilder erzeugen kann, sind Vertrauen und Datenintegrität entscheidend. Ohne sie stehen digitale Geschäftsmodelle auf dem Spiel. Unsere Mission ist es, diese Integrität für Unternehmen zu sichern.“ – Ariane Scheer‑Danielsson, Co‑founderin und Geschäftsführerin

Finanzierungsrunde – Faktenbox - Startup:

  • Sitz: Hamburg

  • Branche: Computer Vision, Cybersecurity, DeepTech

  • Finanzierungsrunde: Pre‑Seed

  • Volumen: 1,6 Mio. €

  • Bisher eingesammelt: Ca. 0,55 Mio. € (Angel, 2024) plus Fördermittel; genaue Gesamtsumme nicht veröffentlicht.

  • Investoren: D11Z.Ventures; High‑Tech Gründerfonds (HTGF)

  • Verwendung der Mittel: Produktentwicklung, Echtzeit‑Schutz für Video, industrielle Piloten, Ausbau Versicherungsangebot.

  • Neue Personalien: Keine veröffentlicht.

Startup & Geschäftsmodell

TrustNXT wurde 2024 gegründet und firmiert als Spin‑off aus dem Umfeld der Basler AG; das Gründerteam vereint Expertise in Sensorik, Bildverarbeitung und Kryptographie. Das Produktportfolio umfasst eine Plattform, die sogenannte Trust‑Label erzeugt und an den Entstehungspunkt von Bilddaten bindet; damit lassen sich Herkunft, Unverfälschtheit und Integrität von Aufnahmen technisch nachweisen. Technisch kombiniert TrustNXT kryptografische Signaturen, Metadaten‑Binding und computerbasierte Manipulationserkennung, um sowohl forensische Nachvollziehbarkeit als auch Echtzeit‑Schutz in Videostreams zu liefern. Das Hauptziel sind B2B‑Kunden in versicherungsnahen Prozessen, in der industriellen Überwachung sowie im Sicherheitsumfeld, wo manipulierte oder gefälschte Bildbelege hohe wirtschaftliche und rechtliche Folgen haben können. Für Versicherer verspricht die Lösung automatisierte Schadenserkennung und Betrugsprävention; für Industrieanwender steht der Schutz von Produktions‑ und Überwachungsdaten gegen Manipulation und Angriff im Vordergrund. Go‑to‑market erfolgt laut Unternehmensangaben über Pilotprojekte mit Versicherern und Industriepartnern, ergänzt durch eine SaaS‑Schicht für Fallbearbeitung und forensische Dienste.

Bedeutung der Runde für Startup & Markt

Die Runde liefert TrustNXT ausreichend Kapital, um Kernmodule zu industrialisieren und den Übergang von Proof‑of‑Concepts zu produktionsfähigen Integrationen zu beschleunigen. 1,6 Mio. € sind für einen Pre‑Seed‑Zyklus im DeepTech‑Bereich kein ungewöhnliches Volumen, erlauben jedoch gezielte Investitionen in Engineering, Zertifizierung und Edge‑Integration, die bei Hard‑ und Softwareschnittstellen kritisch sind. Die Beteiligung von D11Z.Ventures signalisiert Zugang zu Kapitalstärke eines familieneigenen Investors mit Fokus auf Technologie, während HTGF neben Kapital auch ein branchenspezifisches Netzwerk und Erfahrung in DeepTech‑Skalierungen beisteuern kann. Marktseitig adressiert TrustNXT mehrere kurzfristig wachsende Pain‑Points: bildbasierte Versicherungsansprüche, Manipulationsschutz für Überwachungsvideos und die Absicherung von maschinellen Wahrnehmungsprozessen in Industrie 4.0. Gerade Versicherer stehen unter Druck, Schadenbearbeitung zu automatisieren und Betrugsquoten zu senken; eine zuverlässige Herkunfts‑ und Integritätsprüfung kann hier Prozesse verschlanken und Kosten reduzieren. Für Industrieanwender bedeutet ein belastbarer Nachweis der Authentizität von Videodaten eine neue Grundlage für autonome Entscheidungsprozesse sowie für regulatorische und haftungsrelevante Anwendungen. Die Herausforderung bleibt allerdings die Standardisierung und Interoperabilität: digitale Vertrauenslabel müssen plattformübergreifend akzeptiert und rechtlich verwertbar sein, damit sie massenhaft eingesetzt werden. In diesem Kontext kann TrustNXT durch Patente und enge Integrationen mit Kameraherstellern und Plattformen Wettbewerbsvorteile erzielen – vorausgesetzt, die technische Reife und Skalierbarkeit werden rasch erreicht.

Ausblick oder Marktvergleich

Kurzfristig steht bei TrustNXT die Produktvalidierung in Live‑Umgebungen und die Umsetzung von Industriepiloten im Vordergrund; die genannten Piloten für 2026 sollen Proofs liefern, die Anschlussverträge ermöglichen. Die Monetarisierung kann über Lizenzierung, abgerechnete SaaS‑Modelle pro Kamera oder pro verifizierter Aufnahme sowie über forensische Dienstleistungen erfolgen. Im Vergleich zu reinen Deepfake‑Erkennungsanbietern setzt TrustNXT stärker auf origin‑gebundene Signaturen; dieser Ansatz zielt weniger auf Detektion ex post als auf Vorbeugung und juristisch belastbare Herkunftsbeweise. Das Marktumfeld umfasst Wettbewerber in den Segmenten Bildforensik, digitale Wasserzeichen und Metadaten‑Forensik; viele dieser Anbieter fokussieren auf Medienhaus‑ oder Consumer‑Use‑Cases, während TrustNXT einen industriellen Ansatz verfolgt. Risiken bleiben regulatorische Hürden, Akzeptanz durch Kamerahersteller und die Entwicklung effizienter Edge‑Implementierungen, die geringe Latenz und begrenzten Ressourcen an der Kamera berücksichtigen. Für Investoren ist die Runde ein typisches Pre‑Seed‑Engagement: ein Wetteinsatz auf ein technologiegetriebenes Differenzierungsmerkmal, kombiniert mit der Erwartung, dass Folgefinanzierungen die Skalierung unterstützen. Dass HTGF beteiligt ist, erhöht die Signalisierungseffekte gegenüber strategischen Kunden und Folgeinvestoren; HTGF verfügt über einen Track‑Record bei der Begleitung von DeepTech‑Gründungen im deutschen Ökosystem. Langfristig eröffnen sich Anknüpfungspunkte zu Bereichen wie Versicherungsautomatisierung, Supply‑Chain‑Sicherheit und die Absicherung autonomer Systeme, was potenziell größere Adressierbarkeit und wiederkehrende Umsätze bedeuten würde. Für die Branche bleibt die Frage, ob technisch robuste und rechtlich belastbare Mechanismen zur Echtheitsprüfung breit akzeptiert werden; falls ja, könnten Lösungen wie die von TrustNXT zur Infrastrukturkomponente avancieren. Investoren und potenzielle Kunden sollten in den kommenden Monaten die Umsetzung der angekündigten Piloten und erste Referenzdaten genau beobachten.

Die kommenden zwölf Monate werden damit zur Proof‑of‑Value‑Phase: erfolgreiche Referenzen, belastbare Integrationspfade mit Kameraherstellern und nachweisbare Effizienzgewinne bei Kunden sind die zentralen Meilensteine. Gelingt dies, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit für eine Serie‑A, die dann Wachstum, internationale Expansion und Teamaufbau finanziert. Investoren verlangen Transparenz bei Meilensteinen; Folgekapital muss zeitnah bereitgestellt werden. Dies erfordert zudem kommerzielle Verträge, Skalierung der Produktion und internationales Go‑to‑Market. Parallel wird Rechtsarbeit relevant. unbedingt.

Quellenangaben