
Die Investmentlandschaft für Rüstungs-ETFs hat sich im Verlauf des Jahres 2025 grundlegend verändert. Während die Nachfrage nach Rüstung ETF und Defense ETF neue Höchststände erreicht, stehen Anleger mit ethischem Anspruch vor der Herausforderung, dass traditionelle ESG-Fonds zunehmend Rüstungsaktien aus der Rüstungsindustrie integrieren. Dieser Artikel analysiert die regulatorischen Verschiebungen bei Rüstungs-ETFs, zeigt konkrete Handlungsoptionen auf und erläutert, wie werteorientierte Investoren ihre Portfolios mit ETF-Anlagen entsprechend ausrichten können.
Die regulatorische Kehrtwende: Was sich 2024–2025 fundamental änderte
Die Verschiebung regulatorischer Standards markiert einen Wendepunkt in der europäischen Nachhaltigkeitslandschaft. Im Dezember 2024 strich der Bundesverband Investment und Asset Management die langjährige pauschale Umsatzschwelle für Rüstungsunternehmen aus seinem ESG-Zielmarktkonzept. Fortan werden nur noch Hersteller völkerrechtlich geächteter Waffen wie Streubomben oder chemische Kampfstoffe grundsätzlich ausgeschlossen.
Diese Entscheidung folgte einer EU-weiten Neuausrichtung. Die europäische Finanzaufsichtsbehörde ESMA veröffentlichte bereits im Mai 2024 Leitlinien, die Rüstungsinvestitionen als grundsätzlich vereinbar mit Nachhaltigkeitslabels definierten – solange keine geächteten Waffen involviert sind. Die EU-Kommission bestätigte dies im Rahmen ihres „Defence Readiness Omnibus": Der regulatorische Rahmen für nachhaltiges Finanzieren soll Investitionen in Rüstungsunternehmen nicht ausschließen.
Im deutschen Kontext verstärkte sich dieser Trend zusätzlich. Die Bundesregierung verabschiedete im Dezember 2024 eine Nationale Sicherheits- und Verteidigungsindustriestrategie, die ausdrücklich festhielt, dass Nachhaltigkeitsregularien der Finanzierung der Verteidigungsindustrie nicht im Wege stehen dürfen. Was einst als unvereinbar mit nachhaltiger Geldanlage galt, wurde zur politischen Priorität.
Der Boom bei Rüstungs-ETFs: Eine neue Produktkategorie etabliert sich
Die regulatorische Öffnung hat messbare Folgen für die Fondsindustrie und den Markt für Rüstung ETF. Über zwei Drittel der europäischen ESG-Fonds investieren inzwischen in reine Waffenhersteller aus der Rüstungsindustrie. Besonders deutlich zeigt sich dies bei Fonds mit Deutschland-Schwerpunkt: Der Anteil von Luft- und Raumfahrt- sowie Rüstungstiteln hat sich dort überproportional ausgeweitet. Konzerne der Rüstungsindustrie wie Airbus, Rheinmetall, Safran und Thales finden vermehrt Eingang in ETF-Portfolios, die noch vor kurzem undenkbar gewesen wären.
Parallel entstanden völlig neue spezialisierte Produkte im Bereich Rüstung ETF. Die ersten beiden Rüstungs-ETFs kamen im Frühjahr und Sommer 2023 auf den Markt – VanEck Defense ETF und Future of Defence ETF. Seitdem hat sich die Landschaft bei Defense ETF und Rüstungs-ETFs explosionsartig entwickelt. Allein im Jahr 2025 wurden mehr als zehn neue Rüstungs-ETFs und Defense ETFs aufgelegt, darunter mehrere mit explizitem Europa-Fokus. Der VanEck Defense ETF hat mittlerweile ein Fondsvolumen von mehreren Milliarden Dollar erreicht, während der europafokussierte WisdomTree Europe Defence ETF innerhalb weniger Monate außerordentlich hohes Interesse bei Investoren weckte.
Tatsächlich überrascht die Bandbreite der verfügbaren ETF-Optionen: Anleger können zwischen weltweit anlegenden Defense ETF, europäisch fokussierten Rüstung ETF und solchen ETF mit Schwerpunkt auf Defense-Tech wählen. Die Kostenstrukturen bei verschiedenen ETF-Anbietern variieren dabei erheblich – von sehr günstigen ETF-Angeboten bis hin zu deutlich teureren Themenfonds. Besonders bemerkenswert: State Street Global Advisors positionierte seinen Europa ETF mit einer außergewöhnlich niedrigen Kostenquote als Kampfansage an die Konkurrenz. Bei der Auswahl eines ETF sind neben der Performance auch Faktoren wie Fondsvolumen, Liquidität und die genaue Zusammensetzung entscheidend.
Das echte Spannungsfeld: Drei unterschiedliche Strategien der Fondsanbieter
Die Reaktionen der Fondsbranche fallen differenzierter aus, als politische Vereinfachungen suggerieren. Drei Lager verfolgen unterschiedliche Strategien:
Erstes Lager: Strikte Ausschließer. Kirchlich geprägte Institute, die Pax-Bank, DekaBank und ethisch orientierte Häuser halten konsequent an einem vollständigen Rüstungsausschluss fest. Die Pax-Bank begründet dies mit der katholischen Soziallehre, die Frieden über wirtschaftliche Rendite stellt. Union Investment und Metzler Asset Management verfolgen einen ähnlichen Kurs.
Zweites Lager: Differenzierte Ausschließer. Diese Gruppe erlaubt Investitionen in Unternehmen mit geringem Rüstungsanteil und versucht so, zwischen Wertorientierung und praktischer Realität zu vermitteln.
Drittes Lager: Unselektive Integration. Eine wachsende Gruppe verzichtet bei bestimmten Produkten komplett auf Rüstungsausschlüsse. Allianz Global Investors kündigte beispielsweise im April 2025 an, bestimmte ESG-Fonds für Rüstungsinvestitionen zu öffnen.
Der Anteil von Aerospace und Defence in aktiv verwalteten Artikel-8-Aktienfonds stieg von weniger als einem Prozent Ende 2024 auf deutlich höhere Werte zur Jahresmitte 2025. Selbst in Artikel-9-Fonds zeigt sich erstmals ein messbares Engagement im Verteidigungssektor.
Der Versuch einer ehrlichen Bilanzierung: Menschenrechte, Umwelt und DNSH
Die Kontroverse dahinter ist nicht akademisch. Die Frage lautet: Sind Rüstungsinvestitionen nachhaltig im europäischen Sinne?
Das „Do-No-Significant-Harm"-Prinzip der EU-Taxonomie fordert, dass wirtschaftliche Aktivitäten keinem der sechs Umweltziele erheblich schaden dürfen. Rüstungsproduktion verursacht jedoch massive Umweltbelastungen: hohe Energieintensität, Materialverschwendung und im Konfliktfall direkte Ökosystemzerstörung. Nach strikter Interpretation verletzt Rüstung das DNSH-Prinzip gravierend.
Zusätzlich: Europäische Rüstungshersteller exportieren regelmäßig in Konfliktregionen und zu menschenrechtsverletzenden Regimen. Die Endverwendung von Waffen entzieht sich typischerweise der Kontrolle des Finanziers, was ethische Due Diligence erschwert. Kritische Organisationen wie Facing Finance weisen darauf hin, dass über ESG-Fonds finanzierte Unternehmen an Waffenlieferungen in Konfliktgebiete beteiligt sind.
Dennoch: Die EU-Kommission hat diese Bedenken durch ihre „Defence Readiness Omnibus"-Initiative aktiv marginalisiert. Sie stellt fest, dass Verteidigungsbeiträge zu „Sicherheit und Frieden" führen und damit selbst Teil nachhaltiger Entwicklung sind. Ein zirkuläres Argument, das Kritiker mit Recht als Neudefinition von Nachhaltigkeit kritisieren – nicht als Bewertung bestehender Standards.
Die wichtigsten Rüstungs-ETFs im Vergleich: VanEck Defense ETF, HANetf und WisdomTree
Für Anleger, die sich mit dem Gedanken tragen, in einen Rüstung ETF zu investieren, lohnt sich ein detaillierter Vergleich der verschiedenen Defense ETF-Produkte. Der ETF-Markt für Rüstung und Verteidigung bietet mittlerweile zahlreiche Optionen mit unterschiedlichen Schwerpunkten.
Der VanEck Defense ETF war der Pionier unter den Rüstungs-ETFs und startete im März 2023. Dieser ETF bildet den MarketVector Global Defense Industry Index ab und investiert weltweit in Verteidigungsunternehmen aus der Rüstungsindustrie. Dabei liegt der Schwerpunkt klar auf den USA – amerikanische Unternehmen der Rüstungsindustrie machen deutlich über die Hälfte dieses ETF-Portfolios aus. Größte Positionen in diesem Defense ETF sind typischerweise Palantir Technologies und RTX. Die Kostenquote liegt im mittleren Bereich der verfügbaren Rüstungs-ETFs.
Der Future of Defence ETF von HANetf folgte im Juli 2023 und bildet den EQM Future of Defence Index ab. Dieser ETF investiert ausschließlich in Unternehmen aus NATO-Staaten oder strategischen Partnerländern, deren Hauptumsatzquelle die Herstellung von Rüstungsgütern ist. Im Vergleich zum VanEck Defense ETF ist die Zusammensetzung dieses ETF breiter gestreut und beinhaltet einen höheren Anteil an digitalen Verteidigungsthemen wie Cybersecurity, Raumfahrt und autonome Systeme. Die Kosten sind bei diesem ETF etwas günstiger als beim VanEck-Konkurrenten.
Der WisdomTree Europe Defence ETF kam im Frühjahr 2025 auf den Markt und fokussiert sich explizit auf europäische Verteidigungsunternehmen. Dieser ETF wurde als Antwort auf die gestiegene Nachfrage nach reinen Europa-Investments konzipiert. Größte Positionen in diesem ETF sind typischerweise Safran, Rheinmetall und Leonardo. Bei der Ländergewichtung dominieren Frankreich und Großbritannien, gefolgt von Deutschland und Italien. Dieser ETF erreichte innerhalb kürzester Zeit ein außergewöhnlich hohes Fondsvolumen und zählt mittlerweile zu den erfolgreichsten Rüstungs-ETFs in Europa.
Weitere erwähnenswerte ETF-Optionen sind der Global X Defence Tech ETF und verschiedene Europa-fokussierte ETF-Angebote von Anbietern wie State Street und Bloomberg. Ein weiterer interessanter ETF ist der Easy Bloomberg Europe Defence ETF, der ebenfalls auf europäische Verteidigungsunternehmen setzt. Die Unterschiede zwischen diesen ETF-Produkten liegen vor allem in der regionalen Ausrichtung, der Gewichtung von Cybersecurity versus klassischer Rüstung und natürlich den Kosten. Bei der Auswahl eines ETF sollten Anleger auch auf das Fondsvolumen achten – ein ETF mit geringem Volumen birgt das Risiko der Schließung.
Kursentwicklung und Performance: Der Hype um Rüstungsaktien und Rüstung ETF
Die Performance vieler Rüstungsaktien und entsprechender Rüstungs-ETFs war im Jahresverlauf 2025 außergewöhnlich. Rüstungsaktien wie Rheinmetall, Kongsberg, Hensoldt und Renk verzeichneten teils dreistellige Kursgewinne. Rheinmetall allein trug einen erheblichen Anteil zum Gesamtanstieg des DAX bei – die Rüstungsaktie entwickelte sich zum Zugpferd des deutschen Leitindex.
Bei den Rüstungs-ETFs zeigt sich ein ähnliches Bild. Der Global X Defence Tech ETF legte im ersten Halbjahr stark zu, gefolgt vom VanEck Defense ETF und dem Future of Defence ETF. Auch der Start ins zweite Halbjahr konnte sich bei diesen ETF-Produkten sehen lassen. Die Treiber dieser ETF-Performance sind klar: erhöhte Verteidigungsausgaben, geopolitische Spannungen und die Digitalisierung militärischer Systeme befeuern sowohl Rüstungsaktien als auch spezialisierte ETFs.
Dabei profitieren die ETFs nicht nur von konventioneller Rüstung, sondern auch vom Wachstum in Bereichen wie Cyberabwehr, Raumfahrt, KI und autonomen Waffensystemen. Tatsächlich ist die Frage, ob diese Performance bei Rüstungsaktien und Rüstungs-ETFs nachhaltig ist, Gegenstand intensiver Diskussionen unter Fondsanalysten.
Kritische Stimmen warnen vor den typischen Risiken von Themenfonds: Oft erreichen sie langfristig nur durchschnittliche Renditen. Die Vergangenheit hat gezeigt – etwa beim Hype um Clean Energy ETFs – dass nach anfänglicher Euphorie häufig Ernüchterung folgt. Momentan lautet das Argument, dass die geopolitische Lage jahrelange Investitionen erfordern wird.
Für werteorientierte Anleger: Die realen Alternativen zu Rüstungs-ETFs
Wenn klassische Rüstungs-ETFs für Sie nicht infrage kommen, gibt es mehrere Wege:
1. Strikte ESG-Fonds bewusst auswählen
Viele Fonds mit explizitem Rüstungsausschluss existieren parallel zu neuen öffnungsorientierten Produkten. Es ist entscheidend, die Fondsprospekte zu lesen und das konkrete Ausschlusskriterium abzufragen. Artikel-9-Fonds mit strengeren Nachhaltigkeitszielen bieten systematisch geringere Rüstungsexposition als Artikel-8-Fonds. Manche Häuser haben sogar interne Grenzen beibehalten, die über regulatorische Minima hinausgehen.
Wichtig: Verlassen Sie sich nicht mehr auf das ESG-Label allein. Die regulatorische Neudefinition bedeutet, dass Sie aktiv recherchieren müssen, welche Anbieter tatsächlich Ihre Werte teilen.
2. Kirchliche und ethische Häuser gezielt nutzen
Institutionen wie DekaBank, Pax-Bank, Union Investment und einige spezialisierte ethische Vermögensverwalter handeln bewusst gegen den regulatorischen Trend. Sie sind nicht die kostengünstigsten Optionen, bieten aber echte Wertekohärenz. Für Anleger, denen ethische Integrität wichtiger ist als die letzte Basispunkt-Rendite, stellen diese Häuser eine verlässliche Wahl dar.
3. Dual-Use-Technologien differenzieren
Der Venture-Capital-Sektor bietet völlig andere Optionen als börsennotierte Rüstungskonzerne. Unternehmen mit Dual-Use-Potenzial – Drohnen, KI-Sensorik, Cybersecurity, autonome Systeme – können zivil wie militärisch angewendet werden. Der entscheidende Unterschied: Im Private-Equity und Venture Capital-Modell können Anleger durch intensive Due Diligence und aktives Engagement kontrollieren, ob Technologien für europäische Verteidigungsfähigkeit oder für problematische Exporte entwickelt werden.
Ein Beispiel ist das Münchner Unternehmen Quantum Systems, das unbemannte Luftfahrtsysteme entwickelt. Diese werden sowohl für zivile Zwecke – etwa in der Vermessung, Landwirtschaft oder Katastrophenhilfe – als auch für militärische Anwendungen genutzt. Gerade diese Vielseitigkeit macht solche Unternehmen zu strategisch bedeutenden Innovationsmotoren an der Schnittstelle von Sicherheit, Technologie und Nachhaltigkeit.
4. Fokus auf europäische Sicherheitsunabhängigkeit statt reine Rüstung
Die europäische Sicherheitsstrategie zielt auf technologische Souveränität – in KI, Cybersecurity, Cloud-Infrastruktur, autonomen Systemen und Space-Tech. Diese Bereiche können mit europäischer Sicherheitsorientierung investiert werden, ohne traditionelle Rüstungshersteller zu finanzieren. Innovative Defense-Tech-Startups in Europa entwickeln Lösungen, die zur Verteidigungsfähigkeit beitragen, aber nicht primär auf Waffenproduktion ausgerichtet sind.
Für vermögende Investoren, die neben klassischen ETFs auch alternative Investments in Betracht ziehen, eröffnen VC-Fonds im Defense-Tech-Bereich interessante Möglichkeiten. Anders als traditionelle Rüstungs-ETFs ermöglichen sie frühzeitige Beteiligungen an strategischen Technologien und aktive Mitgestaltung durch ESG-orientierte Due Diligence.
5. Impact- und Engagement-Strategien
Statt Ausschluss allein – manche Anleger wählen Engagement-orientierte Ansätze, die bei Rüstungsunternehmen auf strengere Governance, Transparenz bei Exporten und Menschenrechtsvereinbarungen hinwirken. Dies setzt aber erhebliche Ressourcen voraus und ist typischerweise nur für institutionelle Investoren praktikabel.
Die wirtschaftliche Realität: Warum Rüstung strukturell wächst
Die NATO-Staaten haben sich auf ihrem jüngsten Gipfel verpflichtet, ihre Verteidigungsausgaben erheblich zu steigern. Dies bedeutet strukturell steigende Kapitalströme in Rüstung über Jahre hinweg.
Die europäische Verteidigungsindustrie erwartet erhebliches Umsatzwachstum über das nächste Jahrzehnt. Deutschland, Frankreich und Großbritannien werden die Hauptempfänger von Investitionsströmen sein. Für Fondsmanager werden Rüstungsunternehmen zu hochprofitablen, stabilen Cashflow-Generatoren mit strukturell steigender Nachfrage.
US-Präsident Donald Trump hat die Forderung nach höheren Verteidigungsausgaben wiederholt bekräftigt, was zusätzlichen politischen Druck erzeugt. Die europäische Antwort spiegelt sich in konkreten Förderprogrammen wie dem Europäischen Verteidigungsfonds wider.
Die ehrliche Bilanz für vermögende selbstentscheidende Investoren
Die Nachricht ist unbequem: Sie können nicht länger davon ausgehen, dass ESG-Labels Sie vor Rüstungsinvestitionen schützen. Wer ethische Grenzen hat, muss diese durch präzise Produktauswahl durchsetzen, Einrichtungen mit echtem Wertekompass identifizieren oder alternative Anlageklassen nutzen.
Venture Capital bietet hier einen oft übersehenen Vorteil: Sie investieren in frühe Stadien innovativer Technologien, bevor diese in Rüstungsketten integriert werden. Mit professionellem Management und ESG-Due Diligence lassen sich Defense-Tech-Investitionen erzielen, die europäische Sicherheit stärken, ohne pauschale Massenproduktion von Waffen finanzieren zu müssen.
Kirchliche Anleger finden stabile Positionen bei Anbietern, die aktiv gegen den Trend investieren. Während konventionelle Publikumsfonds im ersten Halbjahr 2025 erhebliche Neugelder einsammelten, verzeichneten ESG-Produkte unter dem Strich Abflüsse – möglicherweise weil Anleger das Vertrauen in das ESG-Label verlieren.
Die Schlüsselerkenntnis für 2025: Selbstverantwortung ist gefordert
Nachhaltigkeit ist nicht mehr automatisch werteorientiert. Sie müssen als Anleger nun selbst definieren, welche Werte Ihnen wichtig sind – und entsprechend auswählen. Der Markt wird die Entscheidung nicht mehr für Sie treffen. Die regulatorische Neudefinition von ESG bedeutet faktisch, dass jeder Investor seine eigenen Ausschlusskriterien entwickeln und aktiv durchsetzen muss.
Für Finanzberater und Vermögensverwalter bedeutet diese Entwicklung eine neue Herausforderung. Sie stehen vor einem Dilemma: Einerseits steigt die politische und wirtschaftliche Relevanz von Sicherheitsthemen. Andererseits erwarten viele ESG-orientierte Kunden weiterhin klare Ausschlüsse. Die Lösung liegt in transparenter Kommunikation und der Bereitstellung unterschiedlicher Produktoptionen, die verschiedene Wertepositionen abbilden.
Häufige Fragen zu Rüstungs-ETFs und ethischen Alternativen (FAQ)
Was sind Rüstungs-ETFs und wie funktionieren sie?
Rüstungs-ETFs sind börsengehandelte Indexfonds, die in Unternehmen der Verteidigungs- und Rüstungsindustrie investieren. Sie bilden spezielle Indizes ab, die Waffenhersteller, Militärfahrzeugproduzenten, Raumfahrtunternehmen und Anbieter von Verteidigungstechnologien enthalten. Im Vergleich zu traditionellen ETFs konzentrieren sie sich auf einen spezifischen Sektor und weisen dadurch höhere Volatilität auf.
Welche sind die wichtigsten Rüstungs-ETFs in Europa?
Zu den meistgehandelten Rüstungs-ETFs gehören der VanEck Defense ETF, der Future of Defence ETF von HANetf und der WisdomTree Europe Defence ETF. Während VanEck und HANetf weltweit anlegen, fokussiert sich WisdomTree explizit auf europäische Verteidigungsunternehmen. Die Unterschiede liegen in der regionalen Ausrichtung, der Gewichtung einzelner Unternehmen und den Kosten.
Sind Rüstungsinvestitionen mit ESG-Kriterien vereinbar?
Die Antwort hängt davon ab, wen Sie fragen. Regulatorisch sind Rüstungsinvestitionen seit 2024 mit ESG-Labels vereinbar – solange keine völkerrechtlich geächteten Waffen involviert sind. Ethisch orientierte Anleger und kritische Organisationen sehen dies jedoch anders und argumentieren, dass Rüstung dem „Do-No-Significant-Harm"-Prinzip widerspricht. Faktisch müssen Anleger nun selbst entscheiden, welche Definition von Nachhaltigkeit sie vertreten.
Wie finde ich ETFs ohne Rüstungsbeteiligungen?
Fokussieren Sie sich auf Artikel-9-Fonds mit expliziten Nachhaltigkeitszielen und lesen Sie die Fondsprospekte sorgfältig. Kirchliche und ethische Fondsanbieter wie Pax-Bank, DekaBank und Union Investment haben öffentlich erklärt, weiterhin auf Rüstungsinvestitionen zu verzichten. Zusätzlich können Sie gezielt nach Fonds suchen, die strikte Ausschlusskriterien für Waffen und Verteidigung in ihren Anlagerichtlinien verankert haben.
Was bedeutet „Dual Use" und warum ist das für Anleger relevant?
„Dual Use" beschreibt Technologien, die sowohl zivil als auch militärisch eingesetzt werden können – etwa Drohnen, Sensorik oder KI-gestützte Systeme. Gerade im Venture-Capital-Sektor entstehen viele dieser Innovationen. Für Anleger bedeutet das: Eine pauschale Bewertung nach klassischen ESG-Maßstäben greift oft zu kurz. Stattdessen ist eine differenzierte Betrachtung notwendig, bei der Einsatzkontext, Unternehmensführung und Zielmärkte berücksichtigt werden.
Welche Alternativen gibt es zu Rüstungs-ETFs für sicherheitsorientierte Investments?
Venture Capital in Defense-Tech bietet Zugang zu innovativen Technologien im Frühstadium, bei denen durch intensive Due Diligence sichergestellt werden kann, dass sie europäischer Sicherheit dienen, ohne problematische Waffenexporte zu unterstützen. Zusätzlich gibt es spezialisierte Fonds, die in Cybersecurity, Space-Tech oder kritische Infrastruktur investieren, ohne direkt klassische Rüstungskonzerne zu finanzieren.
Wie hat sich die regulatorische Landschaft 2024–2025 verändert?
Die ESMA-Leitlinien vom Mai 2024 und die Anpassung des deutschen ESG-Zielmarktkonzepts im Dezember 2024 haben die bisherige Umsatzschwelle für Rüstungsunternehmen abgeschafft. Nur noch Hersteller völkerrechtlich geächteter Waffen sind grundsätzlich ausgeschlossen. Diese regulatorische Verschiebung bedeutet, dass ESG-Fonds nun deutlich mehr Rüstungsaktien enthalten können als zuvor.
Was sollten vermögende Investoren bei der Portfolio-Konstruktion beachten?
Definieren Sie zunächst klar Ihre ethischen Grenzen und recherchieren Sie aktiv, welche Fondsanbieter diese Grenzen respektieren. Artikel-9-Fonds sind statistisch weniger rüstungslastig als Artikel-8-Fonds. Erwägen Sie auch alternative Investments wie VC-Dachfonds, die Ihnen ermöglichen, in europäische Innovationen zu investieren, ohne automatisch klassische Rüstungskonzerne zu finanzieren. Eine kluge Diversifikation sollte verschiedene Anlageklassen kombinieren.
Welche Rolle spielt die europäische Sicherheitsstrategie für Anleger?
Die geopolitische Lage hat das Bewusstsein für europäische Resilienz geschärft. Die EU fördert gezielt Technologien zur Verteidigungsfähigkeit, unter anderem über den Europäischen Verteidigungsfonds. Für Anleger eröffnet sich hier ein ethisch tragfähiges und wirtschaftlich relevantes Investitionsfeld – insbesondere über innovative VC-Investments in europäische Technologien, die Zukunftstechnologien frühzeitig unterstützen, ohne klassische Waffenproduktion zu finanzieren.
Quellen:
Die Informationen in diesem Artikel basieren auf aktuellen Marktdaten, regulatorischen Dokumenten und Branchenanalysen aus dem Jahr 2025. Für spezifische Investitionsentscheidungen empfehlen wir die Konsultation eines unabhängigen Finanzberaters. Weitere Informationen zu alternativen Investmentmöglichkeiten finden Sie auf inVenture Capital.
