Risikomanagement à la Yale: Lessons Learned für Ihr Ärzte-Depot
Die Yale-Endowment-Strategie verkörpert seit über vier Jahrzehnten die Spitze institutioneller Vermögensverwaltung. Mit einer beeindruckenden langfristigen Performance hat das Yale-Modell die Anlagewelt revolutioniert und gezeigt, dass durchdachtes Risikomanagement weit über die simple Streuung zwischen Aktien und Anleihen hinausgeht. Für vermögende Privatanleger, insbesondere Ärztinnen und Ärzte mit erheblichem Anlagevermögen, bietet dieser Ansatz wertvolle Lektionen – auch wenn das vollständige Modell mit seinen extremen Allokationen in Private Markets für die meisten unerreichbar bleibt.


Die Yale-Revolution: Ein Paradigmenwechsel im Risikoverständnis
Unter der visionären Führung von David Swensen transformierte sich das Yale-Endowment seit 1985 von einem konventionellen institutionellen Portfolio zu einem der erfolgreichsten Vermögensverwaltungsmodelle weltweit. Die Zahlen sprechen für sich: Mit einer durchschnittlichen Jahresrendite von 9,5% über die letzten zehn Jahre übertraf Yale ein klassisches 60/40-Portfolio um bemerkenswerte 3,8 Prozentpunkte (Yale University, 2024). Noch eindrucksvoller wird diese Leistung, wenn man bedenkt, dass dies nach Abzug erheblicher Managementgebühren erreicht wurde.
Das revolutionäre Element der Yale-Strategie liegt nicht primär in der Jagd nach Höchstrenditen, sondern in einem fundamental anderen Verständnis von Risiko und Diversifikation. Während traditionelle Portfolios Risiko hauptsächlich als kurzfristige Volatilität definieren und durch die Mischung von Aktien und Anleihen zu kontrollieren suchen, verfolgt Yale einen multidimensionalen Ansatz. Das Endowment betrachtet Risiko als vielschichtiges Phänomen, das verschiedene Dimensionen umfasst: Inflationsrisiko, Liquiditätsrisiko, Konzentrationsrisiko, Manager-Risiko und sogar das Risiko, transformative Technologien zu verpassen.
Diese erweiterte Risikobetrachtung führte zu einer radikalen Neuausrichtung der Asset-Allokation. Im Geschäftsjahr 2024 bestand das Yale-Portfolio aus 23,5% Venture Capital, 23,5% Absolute-Return-Strategien, 17,5% Leveraged Buyouts, 11,75% ausländischen Aktien, 9,5% Immobilien, 7,5% Anleihen und Liquidität, 4,5% Rohstoffen und lediglich 2,25% US-Aktien (AI Chief Investment Officer, 2024). Diese Allokation unterscheidet sich dramatisch von der typischen Vermögensaufteilung deutscher Privatanleger, die laut Bundesbank (2024) zu 41% in Spareinlagen und nur zu 13% in Aktien investiert sind.
Risikofaktoren statt Anlageklassen: Die Yale-Philosophie
Der konzeptionelle Durchbruch des Yale-Modells liegt in der Erkenntnis, dass traditionelle Anlageklassen in Krisenzeiten oft gleichgerichtet reagieren. Die Finanzkrise 2008 demonstrierte eindrucksvoll, wie vermeintlich diversifizierte Portfolios kollektiv einbrachen. Yale's Antwort: Diversifikation über unterschiedliche Risikofaktoren und Renditequellen statt über nominelle Anlageklassen.
Marktrisikoprämie: Das systematische Risiko der Aktienmärkte wird bewusst niedrig gehalten. Mit nur 14% in börsennotierten Aktien (US und international) vermeidet Yale die Überexposition gegenüber öffentlichen Märkten, die viele Privatportfolios dominiert.
Illiquiditätsprämie: Über 40% des Portfolios sind in Private Equity und Venture Capital investiert. Diese Anlagen kompensieren ihre mangelnde Handelbarkeit mit Mehrrenditen von historisch 3-5% p.a. gegenüber öffentlichen Märkten (Quantified Strategies, 2023).
Komplexitätsprämie: Absolute-Return-Strategien und Hedgefonds-Investments nutzen komplexe Strategien, die für normale Anleger unzugänglich sind. Sie generieren Renditen unabhängig von der Marktrichtung.
Inflationsschutzprämie: Real Assets wie Immobilien und Rohstoffe bieten Schutz vor Kaufkraftverlust und profitieren von Inflationsphasen, in denen nominale Assets leiden.
Die praktische Umsetzung dieser Philosophie erforderte den Aufbau eines hochspezialisierten Teams und Netzwerks. Yale investiert nicht direkt in Unternehmen, sondern selektiert die weltbesten Manager in jeder Anlageklasse. Diese Manager-Selektion ist entscheidend: Die Renditespanne zwischen Top-Quartil und Median-Managern beträgt in Private Equity oft über 10 Prozentpunkte jährlich (True North Institute, 2024).
Liquidität als strategische Variable
Ein zentrales Element des Yale-Erfolgs ist das bewusste Management von Liquidität als strategischer Variable. Während Privatanleger oft Liquidität als binäres Konzept verstehen – entweder ist eine Anlage liquide oder nicht – betrachtet Yale Liquidität als Spektrum mit verschiedenen Abstufungen.
Das Endowment strukturiert sein Portfolio in Liquiditätstranchen:
Sofortliquidität (7,5%): Staatsanleihen und Geldmarktinstrumente für unmittelbare Verpflichtungen
Kurzfristige Liquidität (15-20%): Börsennotierte Aktien, die binnen Tagen veräußert werden können
Mittelfristige Liquidität (20-25%): Hedgefonds mit quartalsweisen Rückgabefenstern
Langfristige Bindung (50-55%): Private Equity und Venture Capital mit Laufzeiten von 10-15 Jahren
Diese Staffelung ermöglicht es Yale, Liquiditätsbedürfnisse zu erfüllen und gleichzeitig von der Illiquiditätsprämie zu profitieren. Für Privatanleger ist diese Lektion besonders wertvoll: Nicht die Maximierung der Liquidität ist das Ziel, sondern deren optimale Allokation entsprechend den tatsächlichen Bedürfnissen.
Rebalancing als antizyklisches Instrument
Das disziplinierte Rebalancing ist ein oft unterschätztes Element der Yale-Strategie. Während viele Anleger Rebalancing als lästige Pflicht betrachten, nutzt Yale es als systematisches Instrument zur Renditegenerierung. Das Prinzip ist einfach, die Umsetzung erfordert jedoch eiserne Disziplin: Wenn eine Anlageklasse ihre Zielallokation überschreitet, wird reduziert; unterschreitet sie diese, wird aufgestockt.
Die Finanzkrise 2008/09 illustriert die Kraft dieses Ansatzes. Während Panikverkäufe die Märkte dominierten, nutzte Yale die Verwerfungen zum systematischen Aufbau von Positionen. Das Endowment erhöhte seine Aktienquote von 11% auf 15% und profitierte überproportional von der anschließenden Erholung (Yale Daily News, 2023). Diese antizyklische Positionierung erfordert nicht nur Kapital, sondern vor allem psychologische Stärke – eine Eigenschaft, die in der Struktur und Governance des Endowments institutionalisiert ist.
Für Privatanleger bedeutet dies: Rebalancing-Regeln müssen im Vorfeld definiert und möglichst automatisiert werden. Emotionale Ad-hoc-Entscheidungen in Krisenzeiten führen fast immer zu suboptimalen Ergebnissen. Ein quartalsweises Rebalancing mit Toleranzbändern von ±5% hat sich in der Praxis bewährt.
Adaptation für Privatanleger: Der pragmatische Weg
Die direkte Übertragung des Yale-Modells auf Privatportfolios scheitert an mehreren Hürden: fehlender Zugang zu Top-Managern, prohibitive Mindestanlagen, regulatorische Beschränkungen und unterschiedliche Liquiditätsbedürfnisse. Dennoch lassen sich die Kernprinzipien adaptieren.
Stufe 1: Das Yale-Basis-Portfolio (100.000 - 250.000 Euro)
Für Anleger in dieser Vermögensklasse empfiehlt sich ein ETF-basierter Ansatz, der die Yale-Prinzipien approximiert:
45% Globale Aktien: Aufteilung in MSCI World (30%), Emerging Markets (10%), Small Caps (5%)
20% Real Assets: REITs (15%), Rohstoff-ETFs (5%) für Inflationsschutz
20% Alternative Risk Premia: Factor-ETFs (Value, Quality, Low Volatility) als Hedgefonds-Substitut
15% Anleihen: Kurzlaufende Staatsanleihen (10%), inflationsindexierte Anleihen (5%)
Diese Struktur erreicht eine echte Risikodiversifikation bei Gesamtkosten unter 0,3% p.a. Die Übergewichtung von Aktien folgt dem Yale-Prinzip des langfristigen Wachstumsfokus, während Real Assets und Factor-Strategien zusätzliche Renditequellen erschließen.
Stufe 2: Das erweiterte Portfolio (250.000 - 500.000 Euro)
Mit steigendem Vermögen werden echte Alternative Investments zugänglich. Hier bieten sich regulierte Strukturen an, die ab 10.000 Euro Mindestanlage Zugang zu institutionellen Strategien ermöglichen. Ein beispielhafter Aufbau:
40% Liquide Strategien: Weltaktien (25%), Factor-ETFs (10%), REITs (5%)
25% Semi-liquide Investments: Listed Private Equity (10%), Infrastruktur-Fonds (10%), Senior Loans (5%)
20% Alternative Investments: VC-Dachfonds (15%), Crowdinvesting-Plattformen (5%)
15% Stabilität: Anleihen verschiedener Laufzeiten und Bonitäten
Die Integration alternativer Investments erfolgt schrittweise. Ein Beispiel ist der iVC Venture Innovation Fund, der als BaFin-zugelassener Dachfonds Zugang zu europäischen Venture-Capital-Fonds bietet. Mit einer Zielrendite von ca. 10% IRR und einer geplanten Streuung über 200+ Start-ups approximiert er die Venture-Capital-Komponente des Yale-Modells für Privatanleger.
Stufe 3: Das sophistizierte Portfolio (über 500.000 Euro)
Für vermögende Anleger öffnen sich weitere Möglichkeiten zur Yale-Approximation:
35% Öffentliche Märkte: Globale Aktien mit Sektor- und Factor-Tilts
25% Private Markets: Private Equity Dachfonds (15%), Venture Capital (10%)
20% Real Assets: Direkte Immobilieninvestments (15%), Infrastruktur (5%)
10% Absolute Return: Liquid Alternative Fonds
10% Liquidität und Opportunistic: Für taktische Investments
Die erhöhte Komplexität erfordert professionelles Reporting und möglicherweise die Einbindung eines Family Office oder spezialisierten Vermögensverwalters.
Risikomanagement-Tools für die Praxis
Die Implementierung eines Yale-inspirierten Portfolios erfordert robuste Risikomanagement-Prozesse:
Quantitative Metriken
Value at Risk (VaR): Berechnung des maximalen Verlusts mit 95% Wahrscheinlichkeit über verschiedene Zeithorizonte. Ziel: 1-Monats-VaR unter 10% des Portfoliowerts.
Stress-Testing: Simulation historischer Krisen (2008, 2020, 2022) auf das aktuelle Portfolio. Akzeptabler maximaler Drawdown: 25-30%.
Korrelationsanalyse: Vierteljährliche Überprüfung der Korrelationen zwischen Anlageklassen. Warnsignal: Wenn mehr als 50% der Assets Korrelationen >0,7 aufweisen.
Liquiditätskennzahlen:
T+1 Liquidität: Mindestens 3 Monatsausgaben
T+30 Liquidität: Mindestens 12 Monatsausgaben
Illiquide Quote: Maximal 25% des Gesamtvermögens
Qualitative Faktoren
Szenarioplanung: Entwicklung von Portfoliostrategien für verschiedene Makro-Szenarien (Inflation, Deflation, Stagflation, Wachstum). Das Portfolio sollte in allen Szenarien positive Realrenditen ermöglichen.
Manager Due Diligence: Bei alternativen Investments ist die Managerselektion entscheidend. Kriterien umfassen Track Record (mindestens 5 Jahre), Team-Stabilität, Investmentprozess und Alignment of Interest.
Regulatorisches Monitoring: Besonders bei alternativen Investments ändern sich regulatorische Rahmenbedingungen häufig. ELTIF 2.0 hat beispielsweise die Zugänglichkeit für Privatanleger erheblich verbessert.
Die psychologische Dimension
Ein oft unterschätzter Aspekt des Yale-Erfolgs ist die institutionelle Struktur, die emotionale Entscheidungen verhindert. Privatanleger müssen diese Disziplin selbst aufbringen. Behavioral Finance-Forschung zeigt, dass emotionale Anlageentscheidungen die Rendite um durchschnittlich 3-4% p.a. reduzieren (Morningstar, 2023).
Investment Policy Statement (IPS): Schriftliche Fixierung von Anlagezielen, Restriktionen und Rebalancing-Regeln. Die IPS dient als Kompass in turbulenten Marktphasen.
Systematisierung: Automatisierung von Sparplänen, Rebalancing und Risikokontrolle reduziert emotionale Einflüsse.
Peer Review: Einbindung eines Anlageausschusses (Partner, Berater, sachkundige Freunde) für wichtige Portfolioentscheidungen.
Erwartungsmanagement: Akzeptanz, dass einzelne Portfoliokomponenten phasenweise underperformen. Venture Capital beispielsweise folgt einem J-Kurven-Verlauf mit anfänglichen Verlusten.
Kosten als kritischer Erfolgsfaktor
Während Yale trotz hoher Gebühren (durchschnittlich 1-2% Managementgebühr plus 20% Performance Fee) Überrenditen erzielt, ist die Kostenkontrolle für Privatanleger essentiell. Die Gebührendifferenz zwischen aktiven und passiven Strategien kann über 30 Jahre die Hälfte des Endvermögens ausmachen.
Kostenbudget nach Anlageklasse:
Liquide Aktien/Anleihen: <0,2% p.a. (ETFs)
Semi-liquide Strategien: 0,5-1,0% p.a. (Smart Beta, Listed PE)
Alternative Investments: 1,5-2,5% p.a. (nur bei nachgewiesenem Alpha)
Gesamtportfolio: <0,8% p.a.
Die höheren Kosten alternativer Investments sind nur gerechtfertigt, wenn sie durch Zugang zu einzigartigen Opportunitäten kompensiert werden. Der Vergleich verschiedener Zugangswege zeigt erhebliche Unterschiede in Kosten und Qualität.
Zukunftsrisiken proaktiv managen
Das Yale-Modell lehrt uns, nicht nur aktuelle, sondern auch zukünftige Risiken zu antizipieren. Für die kommende Dekade identifizieren wir mehrere Megatrends:
Technologische Disruption: Die exponentielle Entwicklung von KI, Biotechnologie und Quantencomputing wird etablierte Geschäftsmodelle obsolet machen. Eine Allokation in Venture Capital und Technologie-Investments ist keine spekulative Wette, sondern Risikomanagement.
Deglobalisierung: Die Fragmentierung der Weltordnung erfordert geografische Diversifikation jenseits der US-Dominanz. Europäische Technologie und Emerging Markets gewinnen an strategischer Bedeutung.
Klimatransition: Der Übergang zur Nachhaltigkeit birgt Risiken für Carbon-intensive Geschäftsmodelle, aber auch Chancen in Climate Tech und erneuerbaren Energien.
Demografischer Wandel: Alternde Gesellschaften in Industrieländern versus junge Bevölkerungen in Emerging Markets schaffen divergierende Opportunitäten.
Praktische Umsetzungsschritte
Die Transformation eines konventionellen Portfolios nach Yale-Prinzipien sollte systematisch erfolgen:
Phase 1 - Analyse (Monat 1):
Bestandsaufnahme aktuelles Portfolio
Definition Risikotragfähigkeit und Liquiditätsbedarf
Festlegung Renditeziel (Inflation + X%)
Phase 2 - Planung (Monat 2-3):
Entwicklung Zielallokation basierend auf Vermögensstufe
Auswahl geeigneter Instrumente und Manager
Erstellung Investment Policy Statement
Phase 3 - Implementation (Monat 4-12):
Schrittweiser Umbau des Portfolios
Cost-Averaging bei volatilen Assets
Aufbau alternativer Investments in Tranchen
Phase 4 - Monitoring (laufend):
Quartalsweises Performance-Review
Jährliche Strategieüberprüfung
Kontinuierliche Weiterbildung
Fallstricke und deren Vermeidung
Die häufigsten Fehler bei der Yale-Adaption:
Überdiversifikation: Mehr als 15-20 Positionen erhöhen Komplexität ohne Risikoreduktion. Konzentration auf die besten Ideen in jeder Kategorie.
Liquiditätsillusion: Unterschätzung des eigenen Liquiditätsbedarfs führt zu Zwangsverkäufen. Konservative Planung mit 20% Puffer.
Performance-Chasing: Investition in die Vorjahresgewinner statt antizyklisches Vorgehen. Diszipliniertes Rebalancing als Gegenmittel.
Heimatbias: Übergewichtung deutscher/europäischer Assets. Globale Diversifikation ist essentiell, auch wenn sie Währungsrisiken birgt.
Komplexitätsfalle: Zu viele exotische Instrumente überfordern private Anleger. Einfachheit wo möglich, Komplexität nur wo nötig.
Integration in die Gesamtvermögensplanung
Das Portfolio ist nur ein Element der Vermögensstrategie. Erfolgreiche Yale-Adaption erfordert:
Humankapital-Betrachtung: Junge Ärzte mit sicherem Einkommen können höhere Portfoliorisiken eingehen als Rentner.
Immobilien-Integration: Selbstgenutzte Immobilien sind faktisch ein großer Illiquid-Block. Dies bei der Portfolio-Allokation berücksichtigen.
Steueroptimierung: Besonders bei alternativen Investments ist die Steuergestaltung komplex. Frühzeitige Einbindung von Steuerberatern essentiell.
Nachfolgeplanung: Illiquide Investments erschweren die Vermögensübertragung. Rechtzeitige Strukturierung wichtig.
Fazit: Yale als Inspiration, nicht als Dogma
Das Yale-Endowment-Modell revolutionierte die institutionelle Vermögensverwaltung durch ein erweitertes Risikoverständnis, konsequente Diversifikation über Risikofaktoren und die systematische Nutzung von Illiquiditätsprämien. Für Privatanleger liegt der Wert weniger in der direkten Kopie als in der Adaption der Kernprinzipien:
Risiko ist mehrdimensional - Volatilität ist nur eine von vielen Risikoarten
Liquidität hat einen Preis - und dieser kann geerntet werden
Diversifikation über Risikofaktoren schlägt simple Asset-Klassen-Streuung
Diszipliniertes Rebalancing generiert Alpha durch antizyklisches Handeln
Kosten matter - besonders über lange Zeiträume
Zugang zu Qualität entscheidet über Erfolg bei alternativen Investments
Die erfolgreiche Umsetzung erfordert Disziplin, Geduld und kontinuierliche Weiterbildung. Doch die Mühe lohnt sich: Ein durchdacht konstruiertes Portfolio nach Yale-Prinzipien bietet bessere Risiko-Rendite-Charakteristika als konventionelle Ansätze. Der Schlüssel liegt in der intelligenten Adaption an die eigenen Umstände – nicht in der blinden Kopie.
Für vermögende Privatanleger eröffnen sich heute Möglichkeiten, die noch vor wenigen Jahren Institutionen vorbehalten waren. Die Demokratisierung alternativer Investments durch ELTIF-Strukturen und digitale Plattformen ermöglicht eine sinnvolle Annäherung an institutionelle Standards. Wer die Yale-Lektionen versteht und pragmatisch umsetzt, kann sein Portfolio robuster und ertragreicher gestalten – auch ohne die Ressourcen einer Ivy-League-Universität.
Häufige Fragen (FAQ)
Wie viel Prozent meines Vermögens sollte ich in alternative Investments anlegen? Die optimale Quote hängt von mehreren Faktoren ab: Anlagehorizont, Liquiditätsbedarf, Risikobereitschaft und Gesamtvermögen. Als Faustregel gilt: maximal 20-25% des investierbaren Vermögens in illiquide Anlagen. Bei einem Vermögen unter 250.000 Euro sollten börsengehandelte Alternativen (Listed PE, REITs) bevorzugt werden. Wichtig ist ein Liquiditätspuffer von mindestens 12 Monatsausgaben außerhalb des Investmentportfolios.
Kann ich die Yale-Strategie auch umsetzen, wenn ich nur 50.000 Euro anlegen möchte? Die Kernprinzipien lassen sich bereits mit kleineren Beträgen umsetzen, allerdings primär über liquide Instrumente. Ein ETF-Portfolio mit globalen Aktien (60%), REITs (15%), Rohstoffen (5%) und Anleihen (20%) approximiert die Risikodiversifikation. Factor-ETFs können Hedgefonds-ähnliche Strategien abbilden. Echte Private-Equity-Exposure ist erst ab ca. 100.000 Euro über spezialisierte Dachfonds sinnvoll möglich.
Wie finde ich die richtigen Manager für alternative Investments? Die Managerselektion ist entscheidend für den Erfolg. Kriterien umfassen: Track Record über mindestens einen Marktzyklus, nachvollziehbare Investmentstrategie, angemessene Gebührenstruktur, regulatorische Zulassung (bei ELTIF: AIFM-Lizenz), transparentes Reporting. Plattformen wie inVenture Capital führen Due Diligence durch und bieten kuratierte Zugänge. Bei Direktinvestments: Referenzen einholen und auf Interessenkonflikte achten.
Wie manage ich das Währungsrisiko bei globaler Diversifikation? Yale hedged Währungsrisiken selektiv, nicht vollständig. Für EUR-basierte Anleger empfiehlt sich: Anleihen grundsätzlich währungsgesichert (EUR-hedged ETFs), Aktien ungesichert (natürlicher Inflationsschutz), alternatives wie Rohstoffe in USD (Reservewährung). Bei Vermögen über 500.000 Euro können taktische Währungsabsicherungen über Futures sinnvoll sein. Faustregel: 50-70% des Portfolios sollten kein Währungsrisiko aufweisen.
Ist das Rebalancing nicht sehr teuer durch die Transaktionskosten? Bei durchdachter Umsetzung bleiben die Kosten überschaubar. Tipps: Rebalancing primär durch Neuinvestitionen (Zuflüsse in untergewichtete Assets), Nutzung von Freibeträgen und Verlustverrechnungen, Kombination mit ohnehin geplanten Transaktionen. Bei ETFs betragen die Kosten meist unter 0,25% pro Transaktion. Das jährliche Rebalancing-Budget sollte 0,5% des Portfoliowerts nicht überschreiten.
Was passiert in einer Finanzkrise mit einem Yale-Portfolio? Das Yale-Modell ist auf Krisen vorbereitet, erleidet aber kurzfristig auch Verluste. 2008/09 verlor Yale 24,6%, erholte sich jedoch schneller als traditionelle Portfolios. Die breite Diversifikation und antizyklisches Rebalancing ermöglichen eine schnellere Erholung. Kritisch: ausreichende Liquidität, um nicht in Tiefstständen verkaufen zu müssen. Mental auf Buchverluste von 25-30% vorbereitet sein.
Wie integriere ich meine Immobilie in ein Yale-inspiriertes Gesamtportfolio? Selbstgenutzte Immobilien sind faktisch ein großer Block illiquider Real Assets. Bei der Portfolio-Konstruktion berücksichtigen: Immobilienwert nicht über 40% des Gesamtvermögens, reduzierte REIT-Quote im liquiden Portfolio, erhöhter Liquiditätspuffer wegen Instandhaltung. Vermietete Immobilien können als Alternative Investment mit stabilen Cashflows gewertet werden.
Sollte ich bei hoher Inflation meine Yale-Strategie anpassen? Das Yale-Modell ist inherent inflationsrobust durch Real Assets und Sachwertinvestments. In Inflationsphasen typischerweise: Outperformance von Rohstoffen und Immobilien, positive Realrenditen bei Private Equity, Underperformance nominaler Anleihen. Anpassungen: erhöhte Allokation in inflationsgeschützte Anleihen, taktische Übergewichtung von Value-Aktien, Prüfung variabler Kreditstrategien.
Wie wichtig ist die Größe des Vermögens für den Erfolg der Yale-Strategie? Größe bietet Vorteile durch besseren Zugang und niedrigere relative Kosten, ist aber nicht allein entscheidend. Entscheidender sind: Disziplin im Rebalancing, Kostenkontrolle, realistische Erwartungen, langer Anlagehorizont. Studien zeigen, dass das Anlegerverhalten (Behavioral Gap) die Performance stärker beeinflusst als die Produktauswahl. Ein diszipliniert geführtes 100.000-Euro-Portfolio kann ein undiszipliniertes Millionen-Portfolio outperformen.
Quellen
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