
Kurzzusammenfassung: Privatmarktanlagen wie Private Equity, Private Debt, Infrastruktur und Immobilienprojekte gewinnen im DACH-Raum an Bedeutung. Diese Kapitalanlagen bieten vermögenden Anlegern Zugang zu nicht börsennotierten Investments mit Renditechancen jenseits klassischer Aktien und Anleihen. Die Illiquidität dieser Anlageklasse wird dabei zunehmend als strategischer Vorteil erkannt – vorausgesetzt, Investoren bringen Geduld und einen langfristigen Anlagehorizont mit.
Private Markets – auch Privatmarktanlagen oder Privatmärkte genannt – beschreiben Kapitalanlagen, die nicht an regulären Börsen gehandelt werden. Anders als Aktien oder Anleihen der Public Markets sind diese Investments nur einem ausgewählten Kreis zugänglich und weisen eine deutlich geringere Liquidität auf. Trotzdem – oder gerade deswegen – erfreuen sich Private Markets wachsender Nachfrage bei vermögenden Anlegern und institutionellen Investoren.
Der Privatmarkt gliedert sich in mehrere Segmente, die unterschiedliche Risiko- und Ertragsprofile aufweisen:
Private Equity umfasst Beteiligungen an nicht börsennotierten Unternehmen. Von Venture Capital für junge Startups über Growth Capital für expandierende Firmen bis hin zu Buyout-Strategien für reife Unternehmen – diese Anlageklasse bietet vielfältige Investitionsmöglichkeiten mit attraktiven Renditechancen.
Private Debt bezeichnet Kredite an private Unternehmen, die außerhalb des klassischen Bankensystems finanziert werden. Die Nachfrage nach Private Debt wächst kontinuierlich, da mittelständische Unternehmen zunehmend auf alternative Finanzierungsquellen setzen.
Private Infrastructure umfasst Investitionen in Infrastrukturanlagen wie Rechenzentren, Energieprojekte, Verkehrsinfrastruktur oder Telekommunikationsnetze. Gerade im Kontext der Energiewende und Digitalisierung bieten Infrastrukturprojekte strukturelle Wachstumschancen. Die Bundesregierung hat mit einem Infrastrukturfonds von mehreren Milliarden Euro die Bedeutung dieser Anlageklasse unterstrichen.
Real Estate Private Equity konzentriert sich auf Immobilienprojekte jenseits börsengehandelter Immobilienfonds. Von gewerblichen Immobilien über Wohnimmobilienprojekte bis hin zu spezialisierten Nischeninvestments – die Bandbreite ist erheblich.
Schätzungen gehen davon aus, dass die privaten Märkte, die aktuell einen Umfang von etwa 13 Billionen US-Dollar aufweisen, bis 2030 auf über 20 Billionen US-Dollar anwachsen werden. Diese Expansion wird durch mehrere Trends befeuert: Die Demokratisierung durch ELTIF 2.0 ermöglicht erstmals auch vermögenden Anlegern mit Einstiegsbeträgen ab 10.000 Euro den Zugang zu professionell verwalteten Privatmarktfonds. Gleichzeitig suchen institutionelle Investoren und Family Offices nach unkorrelierten Renditequellen jenseits volatiler Aktienmärkte.
Die eingeschränkte Handelbarkeit von Privatmarktanlagen wird traditionell als Nachteil betrachtet. Tatsächlich können Investoren bei Private Markets nicht wie bei Aktien oder ETFs täglich verkaufen. Diese Illiquidität birgt jedoch einen systematischen Renditevorteil: die sogenannte Illiquiditätsprämie.
Anleger, die bereit sind, auf kurzfristige Verfügbarkeit ihres Kapitals zu verzichten, werden für diesen Flexibilitätsverzicht mit höheren erwarteten Renditen kompensiert. Die Gründe liegen auf der Hand: Private Markets weisen geringere Volatilität auf, da tägliche Marktbewertungen entfallen. Fondsmanager können langfristige Strategien verfolgen, ohne auf kurzfristige Marktschwankungen reagieren zu müssen. Zudem ermöglicht aktives Management durch spezialisierte Teams einen gezielten Wertschöpfungsbeitrag.
Private Markets können aufgrund verschiedener Faktoren, wie Illiquiditätsprämie, aktives Management und geringere Volatilität, langfristig bessere Renditen bieten als öffentliche Märkte.
Langfristige Analysen zeigen, dass gut diversifizierte Private Equity-Portfolios im obersten Quartil der Performance über Zeiträume von zehn Jahren und mehr zweistellige jährliche Renditen erzielen konnten – deutlich oberhalb klassischer Aktienindizes. Auch Private Debt und Infrastrukturinvestments haben in den vergangenen Jahren stabile Erträge mit geringeren Schwankungen als börsengehandelte Anleihen generiert.
Dabei ist entscheidend: Nicht jedes Investment in Private Markets erzielt automatisch Überrenditen. Erfolg setzt voraus, dass Anleger Zugang zu qualitativ hochwertigen Fonds erhalten, breit diversifizieren und einen langfristigen Anlagehorizont von mindestens sieben bis zehn Jahren mitbringen.
Die Integration von Privatmarktanlagen in ein bestehendes Portfolio ist keine Frage des Alles-oder-Nichts. Vielmehr geht es darum, die richtige Balance zu finden und die spezifischen Eigenschaften dieser Anlageklasse gezielt zu nutzen.
BlackRock spricht vom „50/30/20-Portfolio der Zukunft": Neben 50 Prozent Aktien und 30 Prozent Anleihen kommen 20 Prozent Privatmarktanlagen hinzu. Diese Erweiterung des klassischen 60/40-Portfolios trägt der Erkenntnis Rechnung, dass Aktien und Anleihen in bestimmten Marktphasen gleichzeitig Verluste erleiden können – wie etwa 2022 geschehen.
Private Markets können hier als Diversifikator fungieren, da ihre Wertentwicklung weniger eng mit öffentlichen Märkten korreliert. Investitionen in wachstumsstarke Unternehmen, Infrastrukturprojekte oder alternative Kreditanlagen bieten Renditequellen, die unabhängig von täglichen Börsenschwankungen sind.
Langfristiger Anlagehorizont: Privatmarktanlagen entfalten ihre Renditepotenziale über mehrere Jahre. Wer kurzfristig auf Liquidität angewiesen ist, sollte einen entsprechenden Liquiditätspuffer in klassischen Anlagen wie Tagesgeld oder liquiden ETFs vorhalten.
Ausreichendes Vermögen: Während früher Mindestanlagen von mehreren hunderttausend Euro die Regel waren, ermöglichen moderne Strukturen wie ELTIFs mittlerweile Einstiege ab 10.000 Euro. Dennoch sollten Privatmarktanlagen nur einen Teil des Gesamtvermögens ausmachen – Experten empfehlen typischerweise 10 bis 20 Prozent der Kapitalanlagen.
Diversifikation über verschiedene Private Markets-Segmente: Statt ausschließlich auf Private Equity zu setzen, bietet sich eine Streuung über Private Debt, Infrastruktur und Immobilien an. Diese Diversifikation reduziert das Risiko einzelner Anlageklassen und erhöht die Stabilität des Gesamtportfolios.
Zugang zu professionellen Managern: Die Qualität des Fondsmanagements ist bei Private Markets entscheidender als bei passiven ETFs. Nur erfahrene Teams mit nachweislicher Erfolgsbilanz, starkem Netzwerk und Zugang zu attraktiven Deals können nachhaltig Überrenditen erzielen.
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Die regulatorischen Rahmenbedingungen für Privatmarktanlagen haben sich in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. Mit ELTIF 2.0 (European Long-Term Investment Fund) wurde ein europäisches Regelwerk geschaffen, das vermögenden Anlegern erstmals standardisierten Zugang zu professionell verwalteten Privatmarktfonds ermöglicht.
Die neue Regulierung senkt Mindestinvestitionen, ermöglicht flexible Einstiegsmöglichkeiten und bietet nach einer Anlauffrist auch quartalsweise Rückgabemöglichkeiten – bei gleichzeitiger Wahrung des langfristigen Charakters der zugrunde liegenden Investments. BaFin-regulierte Plattformen und digitale Anbieter machen Privatmarktanlagen nun auch für Anleger zugänglich, die nicht über Family Office-Strukturen verfügen.
40 Prozent der Vermögensverwalter und Selektoren wollen ihre Anlagen in Private Markets aufgrund des beschlossenen Konjunkturpaketes der Bundesregierung ausbauen. Besonders der Bereich Infrastruktur profitiert von staatlichen Investitionsprogrammen und der wachsenden Nachfrage nach resilienten, nachhaltigen Infrastrukturen.
Die Nachfrage nach Private Infrastructure wird durch strukturelle Trends befeuert: Dekarbonisierung und Energiewende erfordern massive Investitionen in erneuerbare Energien und Netze. Die digitale Transformation treibt den Bedarf an Rechenzentren, Glasfasernetzen und 5G-Infrastruktur. Künstliche Intelligenz verstärkt diese Entwicklung zusätzlich – der KI-Boom erfordert enorme Investitionen in Rechenkapazitäten und Stromversorgung.
Wie bei jeder Kapitalanlage müssen auch bei Privatmarktanlagen Chancen und Risiken sorgfältig abgewogen werden.
Renditeerwartung: Gut gestreute Privatmarktinvestments bieten die Chance auf überdurchschnittliche Renditen im Vergleich zu klassischen Aktien und Anleihen.
Diversifikation: Private Markets korrelieren weniger stark mit öffentlichen Märkten und können das Gesamtrisiko im Portfolio reduzieren.
Zugang zu Innovationen: Investitionen in wachstumsstarke Unternehmen, disruptive Technologien und Megatrends wie KI, Climate Tech oder Biotechnologie.
Geringere Volatilität: Da Private Markets nicht täglich bewertet werden, unterliegen sie weniger kurzfristigen Marktschwankungen.
Illiquidität: Kapital ist über Jahre gebunden, schnelle Liquiditätsbeschaffung ist kaum möglich.
Komplexität: Privatmarktanlagen erfordern ein tieferes Verständnis der jeweiligen Anlageklasse und des Fondsmanagements.
Managerrisiko: Die Qualität des Fondsmanagements ist entscheidend – schlechte Manager können auch in attraktiven Märkten unterdurchschnittliche Ergebnisse erzielen.
Geringere Transparenz: Im Vergleich zu börsennotierten Wertpapieren sind Bewertungen weniger transparent und weniger häufig verfügbar.
Höhere Kosten: Management- und Performance-Gebühren liegen typischerweise über denen klassischer Fonds – allerdings nur, wenn die Outperformance diese rechtfertigt.
Für vermögende Anleger im DACH-Raum stehen mehrere Zugangswege zu Privatmarktanlagen zur Verfügung.
Evergreen-Fonds ohne feste Laufzeit ermöglichen monatliche oder quartalsweise Einstiege und bieten nach einer Anlauffrist auch Rückgabemöglichkeiten. Diese Flexibilität macht sie besonders attraktiv für Anleger, die erstmals in Private Markets investieren möchten.
Fund-of-Funds-Strukturen bündeln Investments in mehrere spezialisierte Private Markets-Fonds und erhöhen dadurch die Diversifikation erheblich. Ein Dachfonds kann beispielsweise gleichzeitig in Private Equity, Private Debt, Infrastruktur und Real Estate investieren – eine Streuung, die Einzelanleger kaum selbst erreichen können.
Innovative FinTech-Anbieter und digitale Plattformen demokratisieren den Zugang zu Private Markets weiter. Online-Zeichnungsprozesse, transparentes Reporting und niedrigere Einstiegshürden machen Privatmarktanlagen für eine breitere Anlegerschicht zugänglich.
Die Bedeutung von Privatmarktanlagen wird in den kommenden Jahren weiter zunehmen. Regulatorische Erleichterungen, technologische Innovation und strukturelle Wachstumstrends schaffen ein Umfeld, in dem Private Markets ihre Stärken ausspielen können.
Für vermögende Anleger mit langfristigem Horizont bieten Private Equity, Private Debt, Infrastruktur und Immobilien attraktive Anlagemöglichkeiten jenseits klassischer Börseninvestments. Die Illiquidität dieser Anlageklasse sollte dabei nicht als Nachteil, sondern als bewusste strategische Entscheidung verstanden werden – eine Entscheidung für Geduld, Diversifikation und die Chance auf überdurchschnittliche Renditen.
Wer bereit ist, Kapital über mehrere Jahre zu binden und auf kurzfristige Verfügbarkeit zu verzichten, kann von der Illiquiditätsprämie profitieren und am Wachstum innovativer Unternehmen, zukunftsweisender Infrastrukturprojekte und nachhaltiger Immobilieninvestments teilhaben. Die Demokratisierung der Private Markets durch ELTIF 2.0 und digitale Plattformen macht diese Renditechancen nun auch vermögenden Anlegern zugänglich, die bisher von institutionellen Mindestanlagebeträgen ausgeschlossen waren.
Was sind Private Markets genau?
Private Markets bezeichnen Kapitalanlagen, die nicht an regulären Börsen gehandelt werden. Dazu gehören Private Equity (Beteiligungen an nicht börsennotierten Unternehmen), Private Debt (Kredite an private Unternehmen), Private Infrastructure (Infrastrukturanlagen) und Real Estate Private Equity (Immobilienprojekte). Anders als Aktien oder Anleihen sind diese Investments illiquide und nur einem ausgewählten Anlegerkreis zugänglich.
Lohnt sich privates Investieren für vermögende Anleger?
Ja, wenn die Voraussetzungen stimmen: Ein langfristiger Anlagehorizont von mindestens sieben bis zehn Jahren, ausreichendes Vermögen, um einen Teil in illiquide Anlagen zu investieren, und die Bereitschaft, auf kurzfristige Liquidität zu verzichten. Gut diversifizierte Privatmarktanlagen haben historisch überdurchschnittliche Renditen erzielt und können das Risiko-Rendite-Profil eines Portfolios verbessern.
Welche Mindestanlage ist für Private Markets erforderlich?
Während früher Mindestanlagen von mehreren hunderttausend Euro üblich waren, ermöglichen moderne ELTIF-Strukturen und digitale Plattformen mittlerweile Einstiege ab 10.000 Euro. Für eine sinnvolle Diversifikation sollten Anleger jedoch mindestens 50.000 bis 100.000 Euro in Privatmarktanlagen investieren können.
Wie unterscheiden sich Private Markets von Crowdinvesting?
Crowdinvesting ermöglicht Kleinanlegern Direktinvestments in einzelne Startups oder Immobilienprojekte – mit entsprechend hohem Einzelwertrisiko. Private Markets-Fonds bieten dagegen professionelles Management, breite Diversifikation über viele Investments hinweg und Zugang zu institutionellen Fonds, die für Einzelanleger normalerweise verschlossen bleiben. Die Risikoprofile unterscheiden sich erheblich.
Welche Rolle spielen Private Markets im Vergleich zu ETFs und Aktien?
Private Markets sollten ETFs und Aktien nicht ersetzen, sondern ergänzen. Während liquide Anlagen wie ETFs die Basis eines Portfolios bilden und kurzfristige Flexibilität sicherstellen, bieten Privatmarktanlagen Zugang zu unkorrelierten Renditequellen und innovativen Wachstumssegmenten. Das Verhältnis sollte dem individuellen Liquiditätsbedarf entsprechen – typischerweise 10 bis 20 Prozent des Gesamtvermögens in Private Markets.
Wie wird die Illiquidität von Private Markets in der Praxis gehandhabt?
Moderne Evergreen-Strukturen bieten nach einer Anlauffrist quartalsweise Rückgabemöglichkeiten, unterliegen jedoch Beschränkungen, um die langfristige Ausrichtung der Fonds zu wahren. Zudem entwickelt sich ein Sekundärmarkt für Private Markets-Anteile, der zusätzliche Liquiditätsoptionen schafft – allerdings typischerweise mit Preisabschlägen.
BlackRock. (2025). 2025 Ausblick Privatmärkte. Abgerufen von https://www.blackrock.com/ch/professionelle-anleger/de/markte/ausblick-privatmaerkte
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Das Investment. (2025, Oktober 13). Das 50/30/20-Portfolio: Zukunft für Privatanleger – Interview mit BlackRock zu ELTIF 2.0. Abgerufen von https://www.dasinvestment.com/eltif-20-private-markets-privatmarktanlagen-60-40-portfolio-blackrock/
Exporo. (2025, Januar 14). Was sind Privatmarktanlagen (Private Markets)? Abgerufen von https://exporo.de/blog/private-markets
Exporo. (2024, Oktober 24). Private Markets – Entwicklung, Möglichkeiten, Trends. Abgerufen von https://exporo.de/blog/private-markets-ueberblick
Mercer. (2025). Trends in Private Markets. Abgerufen von https://www.mercer.com/de-de/insights/investments/market-outlook-and-trends/trends-in-private-markets/
Merck Finck. (o.D.). Private Markets: Chancen gezielt erschließen. Abgerufen von https://www.merckfinck.de/de-de/private-markets
Vontobel. (o.D.). Private Marktinvestitionen, Nicht Nur Aktien. Abgerufen von https://www.vontobel.com/de-ch/privatkunden/produkte-und-dienstleistungen/private-maerkte/
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