Rürup-Rente noch sinnvoll? VC-Dachfonds als Alternative

Rürup-Rente sinnvoll für vermögende Anleger? Erfahren Sie, wann sich die Basisrente lohnt – und warum Venture Capital Dachfonds oft die flexiblere Alternative darstellen.

Samuel Gassauer
Samuel Gassauer
11. Mai 202510 min
Rürup-Rente noch sinnvoll? VC-Dachfonds als Alternative

Kurz zusammengefasst: Die Rürup-Rente bietet Selbstständigen und Gutverdienenden steuerliche Vorteile, ist jedoch durch strikte Auszahlungsregeln, hohe Kosten und mangelnde Flexibilität gekennzeichnet. Für vermögende Anleger mit etablierten Portfolios stellt sich zunehmend die Frage, ob moderne Anlageformen wie Venture Capital Dachfonds nicht die zeitgemäßere Form der Vermögensbildung und Altersvorsorge darstellen.

Die Rürup-Rente im Kontext moderner Vermögensstrategien

Wer über ein substanzielles Vermögen verfügt und bereits ein diversifiziertes Portfolio aufgebaut hat, bewegt sich in einem anderen finanziellen Umfeld als die klassische Zielgruppe von Altersvorsorgeprodukten. Tatsächlich stellt sich bei etablierten ETF-Portfolios und liquiden Mitteln im sechsstelligen Bereich die Frage: Ist ein starres Altersvorsorgeprodukt wie die Rürup-Rente überhaupt noch zeitgemäß?

Die Basisrente, wie die Rürup-Rente offiziell heißt, wurde ursprünglich konzipiert, um Selbstständigen und Freiberuflern eine steuerlich geförderte Altersvorsorge zu ermöglichen. Dabei folgt sie dem Prinzip der gesetzlichen Rentenversicherung – mit allen damit verbundenen Einschränkungen. Für selbstentscheidende Anleger, die gewohnt sind, ihre Investments aktiv zu steuern, können diese Einschränkungen erhebliche Nachteile bedeuten.

Was genau verbirgt sich hinter der Rürup-Rente?

Grundprinzip und Funktionsweise

Die Rürup-Rente ist eine Form der privaten Altersvorsorge, die nach dem Prinzip der nachgelagerten Besteuerung funktioniert. Beiträge zur Rürup-Rente können während der Ansparphase steuerlich geltend gemacht werden, während die spätere Rente im Ruhestand versteuert werden muss. Dieses System ähnelt der gesetzlichen Rentenversicherung und unterscheidet sich fundamental von flexibleren Anlageformen.

Ein Rürup-Vertrag verpflichtet Sie zur lebenslangen Rentenzahlung ab Rentenbeginn. Anders als bei klassischen Kapitalanlagen gibt es kein Kapitalwahlrecht – das angesparte Vermögen kann nicht als Einmalzahlung ausgezahlt werden. Diese Regelung stellt einen wesentlichen Unterschied zu anderen Vorsorgeformen dar und schränkt die finanzielle Flexibilität erheblich ein.

Verschiedene Varianten der Basisrente

Am Markt existieren unterschiedliche Formen der Rürup-Rente. Die klassische Variante mit Garantiezins bietet Planungssicherheit, allerdings bei entsprechend bescheidenen Renditeerwartungen. Fondsgebundene Rürup-Verträge investieren in Investmentfonds und versprechen höhere Renditechancen, tragen jedoch auch Marktrisiken. Besonders das ETF-Rürup-Modell erfreut sich bei finanzaffinen Anlegern wachsender Beliebtheit, da es Kosteneffizienz mit Transparenz verbindet.

Die Wahl der Variante hängt maßgeblich von Ihrer Risikobereitschaft und Ihren Renditeerwartungen ab. Allerdings sollten Sie bedenken: Selbst ein ETF-Rürup-Produkt unterliegt den grundsätzlichen Einschränkungen der Basisrente – mangelnde Liquidität, fehlende Kapitalisierungsmöglichkeit und begrenzte Vererbbarkeit.

Für wen wurde die Rürup-Rente konzipiert?

Selbstständige und Freiberufler als Kernzielgruppe

Die Rürup-Rente richtet sich primär an Selbstständige und Freiberufler, die nicht in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen. Für diese Gruppe stellt die Basisrente eine steuerlich geförderte Alternative dar, um systematisch fürs Alter vorzusorgen. Besonders Gutverdienende mit hoher Steuerbelastung profitieren von den Abzugsmöglichkeiten in der Ansparphase.

Auch Beamte können einen Rürup-Vertrag abschließen, obwohl sie bereits über eine Pensionsanwartschaft verfügen. Die Frage nach der Sinnhaftigkeit stellt sich hier besonders kritisch: Braucht ein vermögender Arzt mit Versorgungswerk, etabliertem Wertpapierdepot und hohem Einkommen wirklich eine zusätzliche, inflexible Altersvorsorge?

Angestellte und die Rürup-Rente

Prinzipiell können auch Angestellte eine Rürup-Rente abschließen. Die steuerlichen Vorteile fallen jedoch häufig geringer aus als bei Selbstständigen, da Angestellte bereits in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen und oft Zugang zur betrieblichen Altersvorsorge haben. Für gut situierte Angestellte mit substanziellem Vermögen stellt sich die grundsätzliche Frage: Warum sollte man sich für eine starre Altersvorsorge entscheiden, wenn man die Flexibilität hat, eigenständig in diversifizierte Portfolios zu investieren?

Die steuerliche Dimension der Rürup-Rente

Steuerliche Förderung in der Ansparphase

Der wesentliche Vorteil der Rürup-Rente liegt in der steuerlichen Absetzbarkeit der Beiträge. Beiträge zur Rürup-Rente können als Sonderausgaben in der Steuererklärung geltend gemacht werden. Der absetzbare Betrag richtet sich nach den Höchstbeträgen der gesetzlichen Rentenversicherung und wird schrittweise erhöht.

Für Ledige und Verheiratete gelten unterschiedliche Höchstbeträge. Die steuerliche Förderung erfolgt nach dem Prinzip der umgekehrten Besteuerung: Je höher Ihr aktuelles Einkommen und damit Ihre Steuerbelastung, desto größer der unmittelbare Steuervorteil durch Rürup-Beiträge. Dabei können sowohl Selbstständige als auch Angestellte von dieser Förderung profitieren.

Besteuerung in der Rentenphase

Die monatliche Rente aus einem Rürup-Vertrag muss im Alter versteuert werden. Der steuerpflichtige Anteil richtet sich nach dem Jahr des Rentenbeginns und steigt kontinuierlich an. Diese nachgelagerte Besteuerung basiert auf der Annahme, dass Ihr Steuersatz im Ruhestand niedriger ist als während der aktiven Erwerbsphase.

Kritisch wird es jedoch, wenn Sie auch im Alter über erhebliche Einkünfte verfügen – etwa aus Vermietung, Kapitalerträgen oder unternehmerischer Tätigkeit. In diesem Fall kann die Rente versteuert werden müssen, ohne dass sich der erwartete Steuervorteil realisiert. Die mangelnde Flexibilität bei der Auszahlung verhindert jede steuerliche Optimierung im Einzelfall.

Vorteile der Rürup-Rente aus Anlegersicht

Steuerersparnis als Hauptargument

Der unmittelbare Steuervorteil stellt für viele Gutverdienende das zentrale Argument für einen Rürup-Vertrag dar. Wer eine hohe Steuerbelastung trägt, kann durch gezielte Einzahlungen die aktuelle Steuerlast senken. Dieser Effekt ist umso ausgeprägter, je höher das zu versteuernde Einkommen liegt.

Allerdings sollten Sie diese Steuerersparnis in Relation setzen: Was nützt eine temporäre Steuerreduktion, wenn Sie dafür auf Jahrzehnte Kapital binden, das Ihnen für andere, potenziell renditeträchtigere Investments nicht zur Verfügung steht? Langfristige Investmentstrategien in unkorrelierte Anlageklassen können unter Umständen höhere Nettorenditen erzielen – selbst nach Steuern.

Sicherheit durch lebenslange Rente

Die Rürup-Rente garantiert eine lebenslange Rentenzahlung. Für Menschen, die ein hohes Langlebigkeitsrisiko fürchten, bietet dies psychologische Sicherheit. Sie können nicht "überleben", was Ihr Kapital angeht – die monatliche Rente fließt bis zum Lebensende.

Aus der Perspektive vermögender Anleger stellt sich jedoch die Frage: Benötigen Sie diese Form der Absicherung wirklich? Wer über ein diversifiziertes Portfolio mit sechsstelligem oder siebenstelligem Volumen verfügt, trägt kein existenzielles Langlebigkeitsrisiko. Die Opportunitätskosten – entgangene Renditen aus flexibleren Investments – können den Sicherheitsvorteil überwiegen.

Pfändungsschutz und Insolvenzfestigkeit

Ein oft unterschätzter Vorteil: Rürup-Verträge genießen während der Ansparphase weitreichenden Pfändungsschutz. Im Todesfall können hinterbliebene Lebenspartner oder Kinder unter bestimmten Voraussetzungen eine Hinterbliebenenrente erhalten. Für Selbstständige mit unternehmerischen Risiken kann dies ein relevanter Aspekt sein.

Allerdings gilt auch hier: Wer sein Vermögen breit streut und über verschiedene Rechtsformen und Anlageformen diversifiziert, schafft ebenfalls Schutzstrukturen – bei deutlich höherer Flexibilität. Core-Satellite-Strategien kombinieren sichere Basisinvestments mit chancenreichen Satelliten-Investments und bieten damit mehr Gestaltungsspielraum als starre Rentenverträge.

Kritische Nachteile und Einschränkungen

Mangelnde Flexibilität und fehlender Zugriff

Der gravierendste Nachteil der Rürup-Rente ist die absolute Inflexibilität. Einmal eingezahltes Kapital ist bis zum Renteneintritt gebunden – ohne Kündigungsmöglichkeit, ohne vorzeitige Auszahlung, ohne Beleihungsoption. Für selbstentscheidende Anleger, die gewohnt sind, auf Marktveränderungen zu reagieren und Chancen zu nutzen, stellt dies eine erhebliche Einschränkung dar.

Stellen Sie sich vor, eine außergewöhnliche Investmentchance ergibt sich – etwa der Zugang zu einem vielversprechenden Venture Capital Fonds oder eine attraktive Immobilie. Mit einem Rürup-Vertrag haben Sie keinerlei Möglichkeit, auf dieses gebundene Kapital zuzugreifen. Die Opportunitätskosten können beträchtlich sein.

Vererbung und Hinterbliebenenversorgung

Die Vererbbarkeit der Rürup-Rente ist stark eingeschränkt. Eine Rentengarantiezeit kann vereinbart werden, aber grundsätzlich endet der Vertrag mit Ihrem Tod. Für vermögende Anleger, die Wert auf flexible Vermögensnachfolge legen, ist dies ein wesentlicher Nachteil.

Im Todesfall geht das angesparte Vermögen nicht als Kapital auf die Erben über. Lediglich eine Hinterbliebenenrente für Lebenspartner oder Kinder kann eingerichtet werden – wiederum mit strengen Bedingungen. Wer sein Vermögen strategisch an die nächste Generation übertragen möchte, findet in der Rürup-Rente kein geeignetes Instrument.

Kostenbelastung und Renditeeinbußen

Die Kosten eines Rürup-Vertrags können erheblich sein. Abschlusskosten, laufende Verwaltungsgebühren und Fondskosten bei fondsgebundenen Varianten schmälern die Rendite. Besonders bei klassischen Versicherungsverträgen fallen hohe Abschlusskosten an, die über die Laufzeit verteilt werden und in den ersten Jahren die Wertentwicklung deutlich belasten.

Kritisch wird es, wenn Sie die tatsächliche Netto-Rendite nach allen Kosten und unter Berücksichtigung der späteren Besteuerung berechnen. Häufig liegt diese deutlich unter dem, was mit einem selbstgesteuerten, kosteneffizienten Portfolio erreichbar wäre. Für vermögende Anleger mit Zugang zu institutionellen Anlageprodukten ist die Kosten-Nutzen-Relation der Rürup-Rente oft ungünstig.

Rürup-Rente im Vergleich zu anderen Vorsorgeformen

Rürup versus Riester-Rente

Die Riester-Rente richtet sich primär an Angestellte und bietet Zulagen statt reiner Steuervorteile. Für gut verdienende Selbstständige ist Riester ohnehin nicht zugänglich. Die steuerlichen Vorteile der Rürup-Rente sind für Gutverdienende in der Regel deutlich attraktiver als die Riester-Förderung.

Allerdings teilen beide Produkte fundamentale Schwächen: mangelnde Flexibilität, Komplexität und oft ungünstige Kostenstrukturen. Für vermögende Anleger stellt sich weniger die Frage "Rürup oder Riester?", sondern vielmehr: "Brauche ich überhaupt ein staatlich gefördertes Altersvorsorgeprodukt mit all seinen Einschränkungen?"

Rürup versus private Rentenversicherung

Private Rentenversicherungen bieten mehr Flexibilität als Rürup-Verträge. Sie ermöglichen Kapitalentnahmen, Teilauszahlungen und flexible Vererbungsregelungen. Die steuerliche Behandlung unterscheidet sich jedoch: Private Rentenversicherungen genießen nicht die gleichen Steuerprivilegien wie die Basisrente.

Für Angestellte mit bereits bestehender gesetzlicher Rentenversicherung kann eine private Rentenversicherung die sinnvollere Wahl sein. Allerdings gilt auch hier: Wer über substanzielles Vermögen verfügt und in der Lage ist, eigenverantwortlich zu investieren, benötigt möglicherweise weder Rürup noch private Rentenversicherung. Ein diversifiziertes Portfolio kann beide Funktionen – Vermögensaufbau und Altersvorsorge – in einer flexibleren Form erfüllen.

Betriebliche Altersvorsorge für Angestellte

Angestellte haben mit der betrieblichen Altersvorsorge eine weitere Option. Hier beteiligt sich häufig der Arbeitgeber an der Finanzierung. Die steuerlichen Vorteile sind begrenzt, aber vorhanden. Kombinationen aus betrieblicher Altersvorsorge und eigenen Investments sind möglich.

Die Frage der optimalen Altersvorsorge-Strategie hängt von Ihrer individuellen Situation ab. Eines wird jedoch deutlich: Je höher Ihr Vermögen und je ausgeprägter Ihre Finanzexpertise, desto fragwürdiger wird die Attraktivität starrer Rentenprodukte.

Moderne Alternativen zur traditionellen Altersvorsorge

Eigenverantwortlicher Vermögensaufbau statt Rentenvertrag

Vermögende selbstentscheidende Anleger verfolgen zunehmend einen anderen Ansatz: Sie bauen systematisch ein diversifiziertes Portfolio auf, das sowohl sichere Basisinvestments als auch renditestarke Wachstumskomponenten enthält. Dieser Ansatz bietet maximale Flexibilität, volle Kontrolle und die Möglichkeit, auf Marktentwicklungen zu reagieren.

Ein solches Portfolio könnte etwa bestehen aus: einem ETF-Kern für breite Marktabdeckung, einer Immobilienkomponente für Stabilität und Inflationsschutz, sowie einer Alternative-Investment-Komponente für überproportionale Renditechancen. Diese Struktur ähnelt den Portfolios institutioneller Investoren und Family Offices – allerdings mit voller Liquidität und Verfügbarkeit.

Venture Capital als Portfoliobaustein

Besonders interessant für vermögende Anleger mit langfristigem Anlagehorizont sind Venture Capital Investments. Historisch haben VC-Investments attraktive Renditen erzielt und bieten Zugang zu Innovationstreibern der Wirtschaft. Während Rürup-Verträge Sie an starre Strukturen binden, ermöglichen moderne Venture Capital Dachfonds bei vergleichbarer Anlagedauer deutlich höhere Renditepotenziale.

Ein VC-Dachfonds investiert in mehrere spezialisierte Venture Capital Fonds und streut damit über zahlreiche Startups. Diese Diversifikation reduziert das Einzelinvestment-Risiko, während Sie von den Wachstumschancen innovativer Unternehmen profitieren. Im Gegensatz zur Rürup-Rente, wo Ihre Rendite von Versicherungsmathematik und konservativen Anlagen abhängt, partizipieren Sie hier direkt am Erfolg zukunftsweisender Geschäftsmodelle.

Vergleich der Anlagekonzepte

Die grundlegenden Unterschiede liegen auf der Hand: Während die Rürup-Rente auf Sicherheit, Planbarkeit und steuerliche Förderung setzt, fokussieren sich moderne Portfolioansätze auf Renditepotenzial, Flexibilität und aktive Vermögensgestaltung. Die Frage ist nicht "entweder-oder", sondern: Was passt zu Ihrer Vermögenssituation und Ihren Zielen?

Für vermögende Anleger mit liquiden Mitteln jenseits der sechsstelligen Grenze spricht einiges für den selbstgesteuerten Ansatz. Sie haben die finanzielle Substanz, um Schwankungen auszuhalten, und die Expertise, um fundierte Anlageentscheidungen zu treffen. Die steuerlichen Vorteile der Rürup-Rente wirken in diesem Kontext weniger überzeugend – insbesondere wenn Sie die langfristigen Einschränkungen dagegen rechnen.

Für wen ist die Rürup-Rente wirklich sinnvoll?

Das ideale Profil für Rürup-Sparer

Die Rürup-Rente kann sinnvoll sein für Selbstständige mit sehr hohem Einkommen, begrenzter Finanzexpertise und dem Wunsch nach einer automatisierten, disziplinierten Altersvorsorge. Wer keine Zeit oder Neigung hat, sich intensiv mit Vermögensaufbau zu beschäftigen, findet in der Basisrente eine strukturierte Lösung.

Auch für Freiberufler, die keinerlei andere Altersvorsorge aufgebaut haben und deren Einkommen stark schwankt, kann ein Rürup-Vertrag als Basis dienen. Die Steuervorteile in ertragstarken Jahren können die Gesamtrendite verbessern. Allerdings sollte Rürup in diesem Fall nur einen Teil der Altersvorsorgestrategie bilden – nicht die alleinige Säule.

Wann Sie auf Rürup verzichten sollten

Vermögende Anleger mit etablierten Portfolios, unternehmerischem Hintergrund und Erfahrung in der Kapitalanlage profitieren kaum von der Rürup-Rente. Die Opportunitätskosten – entgangene Renditen aus flexibleren, potenziell ertragreicheren Investments – übersteigen häufig den Steuervorteil.

Wer Wert auf Vermögensnachfolge, jederzeitige Verfügbarkeit und aktive Portfoliosteuerung legt, findet in der Basisrente ein ungeeignetes Instrument. Gerade vermögende Geschäftsführer und Unternehmer, die gewohnt sind, Kapital aktiv zu steuern und Chancen zu nutzen, empfinden die Starrheit der Rürup-Rente als Einschränkung.

Die Opportunitätskostenfrage

Die entscheidende Frage lautet nicht: "Wie viel Steuern spare ich mit Rürup?", sondern: "Was könnte ich mit dem gebundenen Kapital alternativ erreichen?" Wenn Sie beispielsweise über einen Zeitraum von zehn bis fünfzehn Jahren erhebliche Summen in einen Rürup-Vertrag einzahlen, verzichten Sie auf andere Investmentchancen.

Ein VC-Dachfonds mit vergleichbarer Laufzeit könnte – bei angemessenem Risikoprofil – deutlich höhere Renditen erzielen als eine konservative Rürup-Anlage. Selbst nach Berücksichtigung der steuerlichen Förderung kann die Nettorendite eines gut strukturierten VC-Portfolios überlegen sein. Dabei genießen Sie volle Transparenz über Ihre Investments und partizipieren direkt am europäischen Innovationsökosystem.

Wie viel sollten Sie in die Rürup-Rente einzahlen?

Die Höhe der sinnvollen Einzahlung hängt von mehreren Faktoren ab: Ihrem aktuellen Einkommen, Ihrer Steuerbelastung, Ihrem Alter und Ihrer Gesamtvermögenssituation. Die maximalen Fördergrenzen orientieren sich an den Beiträgen zur gesetzlichen Rentenversicherung und werden schrittweise angehoben.

Aus strategischer Sicht gilt: Wer bereits über ein substanzielles Vermögen verfügt, sollte Rürup – wenn überhaupt – nur als kleinere Ergänzung betrachten. Es macht wenig Sinn, den Großteil Ihrer Liquidität in ein unflexibles Produkt zu binden, wenn Sie diese Mittel für andere Zwecke benötigen könnten. Eine moderate Einzahlung zur Steueroptimierung kann vertretbar sein – aber nicht die Maximierung der Beiträge auf Kosten der finanziellen Flexibilität.

Wege aus einem bestehenden Rürup-Vertrag

Kann man aus Rürup "aussteigen"?

Eine echte Kündigung im klassischen Sinne existiert bei Rürup-Verträgen nicht. Sie können zwar die Beitragszahlung einstellen, das bereits angesparte Kapital bleibt jedoch im Vertrag gebunden. Eine Auszahlung vor Rentenbeginn ist nicht möglich. Diese Regelung unterscheidet die Rürup-Rente fundamental von anderen Anlageformen.

Die einzige Option: Sie stellen die Einzahlungen ein und lassen den Vertrag beitragsfrei fortbestehen. Das angesparte Kapital bleibt bis zum Renteneintritt gebunden und wird dann als entsprechend niedrigere monatliche Rente ausgezahlt. Für jemanden, der erkannt hat, dass Rürup nicht zur Vermögensstrategie passt, ist dies unbefriedigend – aber die einzige legale Möglichkeit.

Alternativen bei bestehenden Verträgen

Wenn Sie bereits einen Rürup-Vertrag abgeschlossen haben, können Sie zumindest verhindern, dass Sie weiter in dieses starre System einzahlen. Stellen Sie die Beiträge ein und investieren Sie künftig in flexiblere Anlageformen. Das bereits gebundene Kapital lässt sich zwar nicht zurückholen, aber Sie können die künftige Allokation optimieren.

Konzentrieren Sie sich auf den Aufbau eines diversifizierten Portfolios, das Ihnen Flexibilität und Renditechancen bietet. Betrachten Sie den Rürup-Vertrag als Teil Ihrer Basisabsicherung, aber nicht als zentrales Element Ihrer Vermögensstrategie. Die Zukunft gehört selbstgesteuerten, flexiblen Investmentansätzen – nicht starren Rentenkonstrukten.

Moderne Vermögensstrategien für selbstentscheidende Anleger

Das Endowment-Modell für vermögende Anleger

Institutionelle Investoren wie Universitätsstiftungen verfolgen das sogenannte Endowment-Modell: eine breite Streuung über verschiedene Anlageklassen, mit Schwerpunkt auf illiquiden Investments wie Private Equity und Venture Capital. Diese Anlageklassen haben historisch höhere Renditen erzielt als öffentliche Märkte – bei vergleichbarer Volatilität auf lange Sicht.

Für vermögende Anleger wird dieses Modell zunehmend zugänglich. Während früher Mindestanlagen von mehreren hunderttausend Euro nötig waren, ermöglichen moderne Strukturen den Einstieg in institutionelle Venture Capital Fonds mit deutlich niedrigeren Tickets. Statt Kapital über Jahrzehnte in einem Rürup-Vertrag zu binden, können Sie gezielt in Innovationstreiber investieren und dabei von professionellem Fondsmanagement profitieren.

Illiquidität als strategischer Vorteil

Ein häufiges Missverständnis: Illiquidität ist nicht per se negativ. Bei Venture Capital ist die begrenzte Liquidität sogar ein Feature, kein Bug. VC-Fonds investieren langfristig in junge Unternehmen und realisieren Gewinne durch Exits – typischerweise nach mehreren Jahren. Diese Struktur ermöglicht es Fonds-Managern, geduldig Wert aufzubauen, ohne dem Druck kurzfristiger Bewertungen ausgesetzt zu sein.

Der Unterschied zur Rürup-Rente: Bei VC-Investments ist die Illiquidität produktiv genutzt – sie dient dem Zweck, höhere Renditen zu erzielen. Bei der Rürup-Rente ist die mangelnde Verfügbarkeit eine regulatorische Einschränkung, die keinen Renditevorteil generiert. Tatsächlich können Sie mit VC-Dachfonds bei vergleichbarer Anlagedauer deutlich attraktivere Renditen anstreben – ohne die Nachteile der Basisrente.

Die Rolle alternativer Investments

Alternative Investments wie Venture Capital, Private Equity oder Infrastruktur-Investments spielen in modernen Portfolios eine zunehmend wichtige Rolle. Sie bieten geringe Korrelation zu öffentlichen Märkten und damit echten Diversifikationseffekt. Für vermögende Anleger, die bereits ein ETF-Basisportfolio etabliert haben, sind Alternativen der logische nächste Schritt.

Die Frage ist nicht "Rürup oder Alternativen?", sondern: Wie baue ich ein Portfolio auf, das sowohl Basisabsicherung als auch Wachstumschancen bietet? Ein europäisches VC-Portfolio kann Ihnen Zugang zu den Innovationsführern der Zukunft verschaffen – von KI-Startups über Biotech bis zu Climate Tech. Diese Exposure ist mit einer Rürup-Rente nicht erreichbar.

Fazit: Zeitgemäße Altersvorsorge braucht Flexibilität

Die Rürup-Rente stammt aus einer Zeit, in der Altersvorsorge bedeutete: Einzahlen, warten, Rente beziehen. Für vermögende, selbstentscheidende Anleger ist dieses Modell zunehmend überholt. Wer über substanzielles Vermögen verfügt, Finanzexpertise mitbringt und Wert auf Flexibilität legt, findet in der Basisrente ein Instrument, das mehr Einschränkungen als Vorteile bietet.

Die Alternative liegt nicht in noch mehr Versicherungsprodukten, sondern in einem strategisch aufgebauten Portfolio, das Sicherheit und Renditechancen ausbalanciert. Moderne Anlageformen wie VC-Dachfonds ermöglichen den Zugang zu institutioneller Anlageklasse – mit professionellem Management, breiter Streuung und attraktiven Renditeaussichten. Bei vergleichbarer Anlagedauer wie eine Rürup-Rente können Sie von den Wachstumschancen des europäischen Innovationsökosystems profitieren – ohne die Nachteile starrer Rentenstrukturen.

Die zentrale Erkenntnis: Altersvorsorge ist kein Produkt, das man kauft – sondern ein strategischer Prozess des Vermögensaufbaus. Wer diesen Prozess aktiv gestaltet, braucht keine staatlich regulierten Sparzwangsprodukte. Die Zukunft gehört selbstbestimmten, flexiblen Anlagestrategien, die echte Diversifikation bieten und Sie am Erfolg der Wirtschaft teilhaben lassen.

Häufige Fragen zur Rürup-Rente

Wie viel sollte man in Rürup einzahlen?

Die optimale Einzahlungshöhe hängt von Ihrer individuellen Situation ab. Die steuerlich absetzbaren Höchstbeträge orientieren sich an den Beiträgen zur gesetzlichen Rentenversicherung. Allerdings sollten Sie nicht den Fehler machen, die Beiträge zu maximieren, nur um Steuern zu sparen. Wer bereits über erhebliches Vermögen verfügt, sollte Rürup nur als kleine Ergänzung betrachten – sofern überhaupt. Die gebundene Liquidität fehlt Ihnen für flexiblere, potenziell renditeträchtigere Investments. Eine moderate Einzahlung zur Steueroptimierung kann sinnvoll sein, die Maximierung auf Kosten der finanziellen Flexibilität jedoch nicht.

Was ist besser: Rürup oder private Rentenversicherung?

Diese Frage stellt sich vor allem für Angestellte. Die Rürup-Rente bietet höhere steuerliche Vorteile während der Einzahlungsphase, ist dafür aber deutlich unflexibler. Private Rentenversicherungen ermöglichen Kapitalauszahlungen und flexiblere Vererbungsregelungen, haben aber geringere Steuerprivilegien. Für vermögende Anleger lautet die eigentliche Frage jedoch: Brauchen Sie überhaupt eine Rentenversicherung? Mit einem selbstgesteuerten, diversifizierten Portfolio können Sie sowohl Vermögensaufbau als auch Altersvorsorge abdecken – bei voller Flexibilität und Kontrolle. Dies gilt besonders, wenn Sie Zugang zu institutionellen Anlageklassen haben.

Wie viel Steuerersparnis bringt die Rürup-Rente?

Die Steuerersparnis hängt von Ihrem persönlichen Steuersatz und der Höhe Ihrer Einzahlungen ab. Je höher Ihr Einkommen und damit Ihre Steuerbelastung, desto größer der unmittelbare Steuervorteil. Bei hohen Einkommen kann die Steuerersparnis erheblich sein. Allerdings sollten Sie bedenken: Diese Ersparnis ist keine "geschenkte" Rendite, sondern lediglich ein Stundungseffekt. Im Alter müssen Sie die Rente versteuern. Die entscheidende Frage ist, ob die Netto-Rendite nach allen Kosten, Steuern und Einschränkungen wirklich attraktiv ist im Vergleich zu flexibleren Anlageformen. Für vermögende Anleger mit diversen Einkommensquellen kann der Steuervorteil weniger relevant sein als gedacht.

Wie kommt man aus einem Rürup-Vertrag wieder heraus?

Eine vollständige Ausstiegsmöglichkeit existiert bei der Rürup-Rente nicht. Sie können die Beitragszahlung einstellen, aber das bereits eingezahlte Kapital bleibt bis zum Rentenbeginn gebunden. Eine vorzeitige Auszahlung ist gesetzlich ausgeschlossen. Die einzige Option: Den Vertrag beitragsfrei stellen und künftig in flexiblere Anlageformen investieren. Das bereits gebundene Kapital wird dann als entsprechend niedrigere monatliche Rente im Alter ausgezahlt. Diese Regelung verdeutlicht die fundamentale Inflexibilität der Basisrente. Wer einmal eingezahlt hat, kommt nicht mehr an sein Geld – unabhängig von veränderten Lebensumständen oder besseren Investmentchancen. Diese Starrheit ist ein wesentlicher Grund, warum vermögende Anleger Rürup kritisch bewerten sollten.

Ist die Rürup-Rente für Gutverdienende sinnvoll?

Für Gutverdienende – insbesondere Selbstständige ohne gesetzliche Rentenversicherung – kann die Rürup-Rente auf den ersten Blick attraktiv erscheinen. Die steuerlichen Vorteile sind bei hoher Steuerbelastung ausgeprägt. Allerdings sollten Sie die Opportunitätskosten bedenken: Was könnten Sie mit dem gebundenen Kapital alternativ erreichen? Wer über substanzielles Vermögen verfügt und Zugang zu institutionellen Anlageformen hat, kann mit flexiblen Portfoliostrategien möglicherweise höhere Renditen erzielen – selbst nach Steuern. Die Frage ist nicht, ob Sie sich eine Rürup-Rente leisten können, sondern ob sie die beste Verwendung für Ihr Kapital darstellt.

Welche Alternativen gibt es zur Rürup-Rente für die Altersvorsorge?

Für vermögende Anleger existieren zahlreiche Alternativen, die mehr Flexibilität und potenziell höhere Renditen bieten. Ein diversifiziertes ETF-Portfolio bildet die Basis. Immobilien-Investments schaffen Sachwerte und Inflationsschutz. Alternative Investments wie Venture Capital oder Private Equity bieten Zugang zu höheren Renditen und geringen Korrelationen zu öffentlichen Märkten. Die Kombination aus verschiedenen Anlageklassen nach dem Endowment-Modell institutioneller Investoren kann sowohl Sicherheit als auch Wachstum liefern – ohne die Einschränkungen der Rürup-Rente. Besonders VC-Dachfonds ermöglichen Ihnen die Partizipation an Innovationen bei professionellem Management und breiter Streuung.

Lohnt sich ein ETF-Rürup-Vertrag?

ETF-Rürup-Produkte kombinieren die Kosteneffizienz von ETFs mit der steuerlichen Förderung der Basisrente. Sie sind transparenter und günstiger als klassische Versicherungsverträge. Allerdings bleiben die fundamentalen Nachteile der Rürup-Rente bestehen: keine Kapitalauszahlung, keine vorzeitige Verfügbarkeit, eingeschränkte Vererbung. Auch ein ETF-Rürup-Vertrag bindet Ihr Kapital über Jahrzehnte – Zeit, in der Sie weder auf das Geld zugreifen noch flexibel auf Marktchancen reagieren können. Für vermögende Anleger stellt sich die Frage: Warum sollten Sie in ein ETF-Rürup investieren, wenn Sie direkt in ETFs investieren können – ohne jede Einschränkung?

Wie funktioniert die Besteuerung der Rürup-Rente im Alter?

Die monatliche Rente aus einem Rürup-Vertrag wird im Alter besteuert. Der steuerpflichtige Anteil richtet sich nach dem Jahr Ihres Rentenbeginns und steigt kontinuierlich. Diese nachgelagerte Besteuerung basiert auf der Annahme, dass Ihr Steuersatz im Ruhestand niedriger ist als im aktiven Erwerbsleben. Für vermögende Anleger mit diversen Einkommensquellen auch im Alter kann diese Annahme jedoch nicht zutreffen. Wenn Sie im Ruhestand weiterhin erhebliche Einkünfte aus Vermietung, Kapitalerträgen oder unternehmerischer Tätigkeit haben, wird die Rürup-Rente möglicherweise zu einem ungünstigeren Steuersatz versteuert als erwartet. Die mangelnde Flexibilität verhindert jede individuelle Steueroptimierung.

Ist Rürup sinnvoll für Selbstständige mit schwankendem Einkommen?

Selbstständige mit stark schwankendem Einkommen können von der Flexibilität bei den Einzahlungen profitieren – in ertragstarken Jahren höhere Beiträge leisten, in schwächeren Jahren aussetzen. Die steuerlichen Vorteile sind bei hohen Einkommen besonders ausgeprägt. Allerdings sollten Sie bedenken: Jeder eingezahlte Euro ist unwiderruflich gebunden. Gerade Selbstständige benötigen oft finanzielle Flexibilität für Investitionen, Überbrückung schwacher Phasen oder unvorhergesehene Ausgaben. Ein Rürup-Vertrag entzieht Ihnen diese Flexibilität. Für vermögende Selbstständige mit etabliertem Business und substanziellem Vermögen gibt es meist bessere Wege, fürs Alter vorzusorgen – etwa durch systematischen Vermögensaufbau in diversifizierten Portfolios.

Was passiert mit der Rürup-Rente bei Insolvenz?

Die Rürup-Rente genießt während der Ansparphase weitreichenden Pfändungsschutz. Im Fall einer Insolvenz ist das angesparte Kapital geschützt. Für Selbstständige mit unternehmerischen Risiken kann dies ein relevanter Vorteil sein. Allerdings sollten Sie den Insolvenzschutz nicht überbewerten: Wer sein Vermögen breit streut – über verschiedene Anlageformen, Rechtsformen und möglicherweise auch Jurisdiktionen – schafft ebenfalls Schutzstrukturen. Zudem: Wenn Sie über mehrere hunderttausend Euro verfügen, sollte Ihr Fokus nicht primär auf Insolvenzschutz liegen, sondern auf optimaler Vermögensallokation. Ein defensiv aufgebautes, diversifiziertes Portfolio kann sowohl Schutz als auch Flexibilität bieten.

Quellen

Bundesministerium der Finanzen (2024). Altersvorsorge und steuerliche Förderung.

Deutsche Rentenversicherung (2024). Basisrente (Rürup-Rente) – Grundlagen und Regelungen.

Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (2024). Fakten zur Rürup-Rente.

Stiftung Warentest (2024). Rürup-Rente im Test: Kosten, Renditen und Vergleich.

PitchBook (2023). European Venture Capital Market Report.

Silicon Valley Bank (2022). Family Offices Investing in Venture Capital.

Cambridge Associates (2024). Private Equity and Venture Capital Index Returns.

Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (2024). Informationen zu alternativen Investmentfonds.